How My Grandmother Became A Chair

Filmplakat: How My Grandmother Became A Chair

FBW-Pressetext

Für die vielen Enkel ist die Großmutter nichts weiter als eine Geldquelle und ein Bremsklotz auf dem Weg zum Erbe. Und so hacken sie denn wie Hühner aufeinander ein, als sie bei ihr zu Besuch sind. Nur die Haushälterin Rose, die von allen in eine Ecke verscheucht wird, scheint sich Sorgen um die alte Frau zu machen. Und sie kümmert sich um sie, als die gierige Meute verschwunden ist. Doch auch Rose kann nicht verhindern, dass die Großmutter immer unbeweglicher wird. Und dass all ihre Gliedmaßen anfangen, sich in die eines Stuhls zu verwandeln. Im besten Sinne einer Fabel wählt Fattouh für seinen knapp zehnminütigen Animationsfilm Tierbilder für einzelne Figuren und zeigt somit auch deutlich ihr ursprüngliches und instinktives Verhalten. Der ganze Film ist dabei voller symbolischer Bilder und Anspielungen. Der stetig steigende Meeresspiegel spiegelt die sich dramatisch steigernde Situation innerhalb der Familie und dem Verlust der körperlichen Fähigkeiten der Großmutter. Mit seinen mystischen Bildern und seiner originellen kantigen Animationstechnik, die vieles oft nur andeutet, gelingt es Fattouh, mit seinem Film ein großes emotionales Tableau zu entwerfen und sich trotzdem auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ein beeindruckender und symbolisch aufgeladener Kurzfilm.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Nicolas Fattouh
Drehbuch:Nicolas Fattouh
Musik:Cedric Kayem
Länge:9 Minuten
Produktion: Fabian & Fred GmbH Fabian Driehorst, Nermine Haddad;
FSK:6
Förderer:FFHSH; Arab Cultural Fund; Doha Film Institute

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Großmutter muss entsetzt mit ansehen, dass ihre Kinder und Enkelkinder am Esstisch randalieren und sich um das Essen balgen. Nicht weniger entsetzt schaut die Haushälterin dem Treiben zu und sieht, wie die Großmutter sich verändert. Nach und nach verliert diese ihre Sinne. Jeder Verlust dabei wird durch ein Teil eines Stuhles ersetzt. Die zum Tier degradierte Haushälterin explodiert und brüllt die Kinder zum Verlassen des Raumes. Und während die Großmutter sich letztendlich zu einem kompletten Stuhl wandelt, wird sie wieder zu einem gleichberechtigten Menschen. Und das Meer, das als Symbol und Metapher zu sehen ist, und in einer Überschwemmung alles mit sich nimmt, gibt den Ort gereinigt zurück. Nicht alles Inhaltliche erschloss sich den Mitgliedern der Jury vollständig. Sehr symbolhaft und mit offensichtlich orientalischen Anklängen setzt Nicolas Fattouh seine Geschichte zeichnerisch um. Eine eigenwillige Form der Animation, die die Jury gleichzeitig fasziniert. Die streitenden Kinder verwandeln sich in Vogelwesen, die Haushälterin treibt alle wie ein fürchterlich brüllendes Katzenwesen aus dem Raum. Dazu das Meer, das kommt und alles mit sich reißt und wieder verschwindet, als Symbol für die Erlösung mit gleichzeitiger Reinigung. Die Rückbildung der Sinne durch „Verholzung“ und der hölzerne im Wasser treibende Stuhl mit seiner klaren Natur als Gegenpol zum familiären Streit. Die visuell sehr reizvollen und außergewöhnlichen Zeichnungen und die in sich perfekt stimmige Komposition ergaben für die Jury einen sehr außergewöhnlichen und ideenreichen Film.