Hotel der Diktatoren

Filmplakat: Hotel der Diktatoren

FBW-Pressetext

Bangui, Zentralafrika. In der Mitte der Stadt steht ein palastartiger Prachtbau – das „Hotel der 500 Zimmer“. Erbaut wurde das Hotel von Kaiser Bokassa, doch dieser starb vor der Eröffnung. Übernommen hat es Präsident Patassé, doch der wurde geputscht. Dann kam Gadaffi, der daraus ein noch größeres Projekt machte. Dann aber kam der „arabische Frühling“. Gadaffi war Geschichte – und die Hoteleröffnung auch. Seitdem steht es leer. Keines der 500 Zimmer ist je bewohnt worden, der Garten wurde nie betreten, die Hotelbar nie besucht. Und dennoch gibt es viele Angestellte, die die Tore kontrollieren, den Wassersprenger anstellen, die Zimmer überprüfen. Der Filmemacher Florian Hoffmann hat die Leute begleitet, die all diese Arbeiten übernehmen. Still filmt er sie bei ihrer Arbeit, die auf den ersten Blick so sinnlos erscheint und doch für die Leute selbst so wichtig. Sie nehmen ihre Aufgabe ernst und erfüllen sie mit großem Pflichtbewusstsein. Unausgesprochen ist jedoch, und das fängt Hoffmanns Kamera auf wunderbare Weise ein, dass sich alle fragen, was sie hier sollen. Denn sie ahnen, dass dieses Hotel für immer ein Geisterhotel bleiben wird. Dass die Menschen in Banguis sich so öffnen, lässt sich auf das Vertrauensverhältnis zurückführen, dass der Filmemacher zu ihnen schließen konnte. Dadurch entsteht, trotz der skurril-obskuren Situation, ein tief berührendes Gefühl der Betroffenheit. Es verdeutlicht die Tragik der Menschen in Zentralafrika. Der Film lässt das Hotel wie ein Sinnbild für die Situation vor Ort erscheinen, ohne dies aber vordergründig zu kommentieren. Denn an einem Ort, wo Armut und Krieg herrscht, da ist ein leerstehender Prachtbau das letzte, was man braucht. Und doch steht er da. Als Mahnmal. Und als Ort der Beschäftigung für einige wenige. Eine kluge und reflektierte Kurzdokumentation.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Florian Hoffmann
Drehbuch:Florian Hoffmann
Kamera:Florian Hoffmann
Schnitt:Florian Hoffmann
Länge:16 Minuten
Verleih:DFFB
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (DFFB)
Förderer:dffb

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein niemals in Betrieb genommenes Hotel in der Zentralafrikanischen Republik bildet die Kulisse und den Gegenstand von Florian Hoffmanns sehenswertem Dokumentarfilm HOTEL DER DIKTATOREN. Der Protzbau ist dabei ein wirkmächtiges Symbol von Willkür und einem Herrschaftsverständnis, wie es in vielen Staaten der Erde typisch ist: Während das einfache Volk unter Kriegen und Hungersnöten leidet, errichtet sich die Elite des Landes Prunkbauten, die beinahe schon wie Mausoleen anmuten - in ihnen ruhen die Hoffnungen der normalen Bevölkerung auf ein besseres Leben. Und doch - so sieht man es auch in diesem Film - können die Menschen nicht so einfach Abstand nehmen. In einem Land, in dem es für viele keine Perspektive gibt, ist das von Kaiser Bokassa begonnene und von anderen Herrschern weitergeführte Unternehmen der Errichtung vielleicht das einzige, was überhaupt voranging. Als letzter Bauherr fungierte der libysche Diktator Gaddafi, doch dessen Tod im Zuge des arabischen Frühlings brachte die Pläne zur Eröffnung schließlich ganz zum Erliegen.
Und so pflegt der Gärtner weiterhin die großzügige Parkanlage, patrouillieren Wachkräfte und schaut ein tunesischer Hoteldirektor weiter nach dem Rechten. Es ist eine Absurdität und vielschichtige Widersprüchlichkeit, die sich dem Zuschauer schnell erschließt und die keinerlei Kommentaren bedarf.

Es ist ein Glücksfall, dass Florian Hoffmann bei den Dreharbeiten all diese Menschen gefunden hat und sie dazu bringen konnte, sich von ihm und seiner Kamera begleiten zu lassen. Wieviel an Recherche und Überzeugungsarbeit nötig war, kann man als Zuschauer allenfalls vermuten, das Ergebnis spricht aber für sich. Man sieht dem Film an, dass Florian Hoffmann seine filmische Exkursion im Alleingang und ohne Team bewerkstelligt hat. Ein Vorgehen, dass man an einer Stelle sogar ganz unmittelbar zu sehen bekommt, als der Regisseur einmal kurz in das Geschehen eingreift. Was auf den ersten Blick ebenso wie einige kleine Wackler als „Fehler“ aufgefasst werden könnte, ist andererseits - und darin liegt die große Stärke dieses Filmes - eines von vielen Indizien für die Authentizität des Gezeigten und speist sich aus den Traditionen des „direct cinema“. Denn es geht hier nicht um die „Schönheit“ und Perfektion der Filmbilder, vielmehr passen sich diese in kongenialer Weise an den Gegenstand der Betrachtung und die vorgefundenen Umstände bei den Dreharbeiten an.

Angesichts vieler unter ähnlichen Umständen entstandener Pracht- und Protzbauten (wie etwa dem Palast von Nicolai Ceaucescu in Bukarest) könnte man sich - angeregt durch HOTEL DER DIKTATOREN - durchaus vorstellen, dass nach ähnlichem Muster weitere Filme als Bestandteile einer filmischen Reihe über Bauten der Macht entstehen könnten, wobei Florian Hoffmanns Studie genügend Substanz und Mehrdeutigkeit besitzt, um auch für sich allein bestehen zu können.