Herbstgold

Kinostart: 08.07.10
VÖ-Datum: 10.12.10
2010
Filmplakat: Herbstgold

FBW-Pressetext

Über 5000 Teilnehmer haben an den Senioren-Weltmeisterschaften im finnischen Lahti 2010 teilgenommen. Und doch werden die Leichtathletik-Wettbewerbe von den Medien sträflich ignoriert. Der Filmemacher Jan Tenhaven hat sich zum Ziel gesetzt, dem ein Ende zu setzen und porträtiert in seinem Dokumentarfilm fünf außergewöhnliche Menschen, die im Herbst ihres Lebens stehen und nach sportlichen Höchstleistungen streben. Ob Diskuswerfen, Kugelstoßen, Hochsprung oder 100m-Sprint: Alle Sportler und Sportlerinnen sind vom Ehrgeiz getrieben, sich selbst und der Welt zu beweisen, was auch im hohen Alter noch möglich ist. Tenhaven lässt sich dabei für jeden Protagonisten viel Zeit, der Zuschauer lernt die Sportler kennen und schließt sie schnell ins Herz. Die vielen Momente des Komischen wirken nie lächerlich oder peinlich und die Wettkampfsituationen könnten spannender nicht sein. Und ob am Ende Triumphe zu feiern oder Niederlagen zu verkraften sind – Respekt und Hochachtung vor diesen unglaublichen Leistungen sind allen Sportlern gewiss. Ein Film mit altersloser Vorbildfunktion.

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Jan Tenhaven
Drehbuch:Jan Tenhaven
Kamera:Marcus Winterbauer; Martin Langner
Schnitt:Jürgen Winkelblech
Musik:Andy Baum
Webseite:herbstgold-derfilm.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:95 Minuten
Kinostart:08.07.2010
VÖ-Datum:10.12.2010
Verleih:Neue Visionen
Produktion: Gebrüder Beetz Filmproduktion Berlin GmbH & Co.KG Judith Fächner, West Park Pictures West; Arte;
FSK:0
Förderer:FFA; BKM; MBB; Filmstiftung NRW; DFFF
DVD EAN-Nummer:4047179549387
Anbieter-Link:indigo.de

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Aktive Hochleistungssportler werden meist nicht alt. Aber ist Sport nicht auch noch etwas anderes? Geht es nicht auch für den einzelnen Menschen darum, am eigenen Körper zu arbeiten, seine Grenzen zu erfahren und durch Training zu überwinden? Den eigenen Ehrgeiz und Spieltrieb zu befriedigen und die Gemeinschaft mit Sportskollegen zu genießen - selbst wenn sie die schärfsten Konkurrenten sind? All das hört ja mit dem Älterwerden nicht auf, und so gibt es viele Menschen, die bis ins hohe Alter hinein Sport treiben. Tatsächlich findet alle zwei Jahre eine von den World Masters Athletics veranstaltete Weltmeisterschaft der Senioren statt, bei der bis zu 7000 Teilnehmer antreten - und dies von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Jan Tenhaven las in der Rubrik „Vermischtes“ in einer Zeitung eine kleine Meldung über dieses vermeintliche Kuriosum, und als Dokumentarfilmer witterte er eine gute - und eben noch nicht erzählte - Geschichte. Nach vielen Recherchen fand er fünf Sportler zwischen 82 und 100 Jahren. Diese begleitete er mit der Kamera bei ihren Vorbereitungen auf die Leichtathletik-WM. Bei einer solchen Art von Dokumentarfilm ist es wichtig, dass die Protagonisten Vertrauen zu den Filmemachern fassen, denn alles hängt davon ab, wie nah sie die Kamera an sich heranlassen. Dieses Talent hat Tenhaven - und er ist so klug, mit einem guten Rhythmusgefühl jene Szenen, in denen die Sportler von ihrem Leben erzählen, mit Situationen vom Training und später dann vom Wettkampf zu mischen. So lernen wir etwa den 82jährigen Hochspringer Jiri aus Tschechien kennen, dessen größte sportliche Leistungen vielleicht doch die hochkomischen Streitgespräche mit der Ehefrau auf der heimischen Couch sind. Die Duisburgerin Ilse Pleuger will unbedingt den Weltrekord im Kugelstoßen der über 85jährigen verbessern, und beim letzten Wurf geht es dann tatsächlich um einen Zentimeter. Bei den Bildern von ihren entscheidenden Wettkämpfen gönnt Tenhaven den fünf Sportlern dann zum Schluss noch die im Stil eines konventionellen Sportfilms geschnittenen extremen Zeitlupenaufnahmen von ihren sich in äußerster Anstrengung verformenden Körpern, dem scheinbar ewig fliegendem Diskus, der sich zum Zielband streckenden Brust des Läufers usw. Der ironische Stilbruch macht hier noch deutlicher, dass dies ein ganz anderer Sportfilm ist.