Herbert

Kinostart: 17.03.16
VÖ-Datum: 07.10.16
2015
Filmplakat: Herbert

FBW-Pressetext

Vor vielen Jahren kämpfte Herbert erfolgreich im Boxring, wurde zu einer Legende im Kiez. Doch das ist lange her. Jetzt trainiert Herbert Nachwuchstalente und arbeitet als Geldeintreiber. Als eines Tages krampfartige Schmerzen den ganzen Körper durchziehen und er Arme und Beine nicht mehr bewegen kann, geht er zu einem Spezialisten. Die Diagnose: ALS. Die Nervenkrankheit lässt die Muskeln schwinden, bald schon kann Herbert nicht mehr ohne Stock gehen, es fällt ihm immer schwerer, zu sprechen. Doch der Mann, den nie etwas umhauen konnte, weiß: Auch in diesem letzten großen Kampf wird er sich nicht wehrlos ergeben. Und er möchte ein paar Fehler gut machen, die er in seinem Leben begangen hat. HERBERT, das Debüt von Thomas Stuber, ist zum einen eine authentische und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild ALS. Doch geht der Film in seiner Vielschichtigkeit und Komplexität noch weiter und erzählt vom Drama eines Mannes, der sich durch die Grausamkeit des Moments mit den Erlebnissen der Vergangenheit auseinandersetzen muss. Da gibt es die Freundin, die er bisher abweisend behandelte, die Arbeit, die ihn einholt. Und die Tochter, die er verließ, als sie sechs Jahre alt war und die nun selbst Mutter ist. Zu den berührendsten Momenten des Films gehören die Szenen, in denen Herbert versucht, den Kontakt zu Tochter und Enkelin herzustellen. Peter Kurth, der Herbert verkörpert, verleiht diesen Sequenzen etwas so Zartes, dass man fast die Härte und den Stolz vergisst, die die Figur ansonsten ausmachen. Auch die Art, wie Kurth Herberts Krankheitsverlauf verkörpert, ist meisterlich und in ihrer realistischen Form ungeschönt und bedrückend. Unterstützt wird Kurth von einem großartigen Ensemble. Ob Tochter, Freundin, Boxkollegen oder die Schuldner in der Eckkneipe – sämtliche Figuren sind Typen, wirken wie aus dem Kiezmilieu gegriffen, das Stuber zusammen mit Co-Autor Clemens Meyer beschreibt und beobachtet. Nichts in ihrem Drehbuch wirkt konstruiert, alles ist nachvollziehbar, erschreckend nah an der Realität und doch, dank einer spürbaren Liebe zu Figuren und Umgebung, auch erträglich. Am Ende erfährt Herbert das, was er sich selbst nie vorstellen konnte: Vergebung und Frieden. Ein starkes, bewegendes und in jeder Faser der Geschichte authentisches Drama über einen Boxer und seinen letzten Kampf. Großartiges deutsches Nachwuchskino.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Thomas Stuber
Darsteller:Peter Kurth; Lena Lauzemis; Lina Wendel; Edin Hasanovic; Marko Dyrlich; Kristin Suckow
Drehbuch:Thomas Stuber; Clemens Meyer
Kamera:Peter Matjasko
Länge:111 Minuten
Kinostart:17.03.2016
VÖ-Datum:07.10.2016
Verleih:Wild Bunch Germany
Produktion: Departures Film GmbH, Deutschfilm; MDR; HR; arte
FSK:12
Förderer:FFA; BKM; DFFF; MDM; KJDF
DVD EAN-Nummer:0889853147694
Anbieter-Link:senator.de

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Als Boxer hatte Herbert einmal eine große Zeit und jetzt gilt er im Kiez für Viele immer noch als Legende. Seinen Unterhalt verdient er als Geldeintreiber und als Ausbilder von Talenten. Denn das Boxen ist immer noch sein Lebensinhalt und seine geliebte Welt. Eine Welt, die seine Ehe zerstört und ihm seine Tochter vollkommen entfremdet hat. Dass dieser Bulle von einem Mann nun auch körperliche Schwächen bei sich bemerken muss, trifft ihn wie ein Hammerschlag. Zumal diese nicht nur die bei Boxern natürlichen Verschleißerscheinungen sind, sondern eine ärztliche Diagnose bei ihm die heimtückische und tödliche Muskelkrankheit ALS bescheinigt. Jetzt erst erkennt Herbert die wichtigen Dinge des Lebens und versucht, solange ihm noch die Kraft bleibt, das Rad der Zeit zurück zu drehen.
Ein hervorragendes Drehbuch war die Vorlage für einen außergewöhnlich dicht inszenierten Film nach klassisch dramaturgischem Konzept. Die Geschichte ist reich und vielschichtig: Herbert im Boxmilieu. Sein privates Schicksal mit Tochter und Enkelin und mit seiner Freundin. Das halb kriminelle Milieu mit Geldeintreibung, Kneipen und Kiez. Sein Traum, mit seinem Tätowier-Kumpel auf einer Harley die Route 66 zu fahren…. Das alles ist packend erzählt und emotional nicht überzogen. Die authentischen Dialoge beweisen eine präzise Recherche und eine genaue Kenntnis des Boxmilieus. Damit bestens verbunden ist das nicht weniger authentische Szenenbild, welches der Kamera und der Regie die Vorlage für wunderbare Milieubilder liefert. Die Besetzung ist in allen Belangen perfekt und bietet tolle Typen. An ihrer Spitze Peter Kurth mit einem schauspielerischen Kraftakt. Glaubhaft seine Darstellung des Verfalls, der Wut über den Verlust der Kontrolle über den Körper. Ein Lob gilt dabei auch Lina Wendel als Freundin und einzigem Halt für Herbert, so schwer dies auch für sie ist. Ebenso für Lena Lauzemis als Tochter, für die Herbert eigentlich nie ein Vater war.
Trotz der Krankheit ALS im Mittelpunkt ist HERBERT kein Krankheitsfilm. Vielmehr ein Genrefilm voller Wahrhaftigkeit und Leiblichkeit um einen Boxer in seinem letzten Kampf gegen eine heimtückische Krankheit und um die Chance, die wichtigsten Dinge in seinem Leben noch zu Ende bringen zu können. Für ein Spielfilm-Debüt ist dies eine höchst gelungene Arbeit. Ohne Fehl und Tadel sind Regie, Kamera, musikalische Begleitung und die Montage.