Hell

Kinostart: 22.09.11
VÖ-Datum: 26.04.12
2011
Filmplakat: Hell

FBW-Pressetext

Im Jahr 2016 hat sich die Erdatmosphäre um zehn Grad erwärmt. Wasser und Lebensmittel sind knapp, gesellschaftliche Strukturen nicht mehr vorhanden. In dieser Endzeitstimmung begeben sich die Schwestern Marie und Leonie zusammen mit Philipp und dem Fremden Tom auf die Suche nach neuen Wasserressourcen. Als Leonie entführt wird und auch Tom und Philipp ihr nicht mehr beistehen können, macht sich Marie alleine auf, um ihre kleine Schwester aus den Fängen der Entführer zu befreien. Und dabei macht sie eine grauenerregende Entdeckung. Regisseur Tim Fehlbaum ist mit seinem Langfilmdebüt ein beeindruckender deutscher Endzeitthriller mit klaustrophobisch anmutenden Bildern gelungen, bei dem die Hitze der Sonne und die stets drohende Lebensgefahr für die Protagonisten dem Zuschauer regelrecht körperlich nahe gehen. Stilsicher und mit vielen Genrezitaten versehen schafft der Film den Spagat zwischen Thriller und Horror und erschafft eine dichte und beklemmende Atmosphäre der Angst. Ein apokalyptisches Gesellschaftspanorama und ein spannender Film, der überzeugt und den Zuschauer in seinen Bann zieht.

Filminfos

Gattung:Thriller; Spielfilm
Regie:Tim Fehlbaum
Darsteller:Hannah Herzsprung; Lars Eidinger; Stipe Erceg; Lisa Vicari; Angela Winkler
Drehbuch:Oliver Kahl; Tim Fehlbaum; Thomas Wöbke
Kamera:Markus Förderer; Tim Fehlbaum
Schnitt:Andreas Menn
Musik:Lorenz Dangel
Webseite:hell-derfilm.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:89 Minuten
Kinostart:22.09.2011
VÖ-Datum:26.04.2012
Verleih:Paramount
Produktion: Caligari Film- und Fernsehproduktion, Vega Film AG; SevenPictures Film;
FSK:16
Förderer:MBB; FFF Bayern; DFFF; KJDF
DVD EAN-Nummer:4010884544763
Anbieter-Link:paramount.de
DVD Extras:Kinotrailer; Premierentrailer; Making of; 3 Features;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Apocalypse then what? Diese Frage wird seit einigen Jahren so oft im Unterhaltungskino gestellt, dass man schon von einem Subgenre sprechen kann. In die Reihe mit Filmen wie "The Road" fügt sich diese deutsche Produktion mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit ein. Erzählt wird von einer Welt nach dem Weltuntergang, in der das Land durch zu intensive Sonnenstrahlung verdorrte und für die wenigen Menschen kaum noch Wasser, Nahrung oder Benzin zu finden ist. Marie fährt mit ihrer kleinen Schwester Leonie und Phillip ins Gebirge, weil es dort mehr Wasser geben soll. An der Ruine einer Tankstelle wird das Trio durch Tom vergrößert, der geschickt und mutig ist, aber dem die anderen (und das Publikum) zuerst nicht so recht trauen. Die Fahrt mit einem vor dem gleißenden Sonnenlicht abgedunkelten Auto wird zu einem Horrortrip für die vier, denn in der Ödnis lauern dunkle Gestalten, für die alle Durchreisenden Jagdbeute sind. Tim Fehlbaum inszeniert sehr spannend und atmosphärisch dicht. So weiß er genau, wann er welche Information geben oder verbergen soll, wie man falsche Fährten legt und eine dramatische Wendung effektvoll in Szene setzt. Zudem hat er sich viel Mühe dabei gegeben, die Protagonisten als komplexe Persönlichkeiten zu zeichnen, von denen jede anders und psychologisch stimmig auf die Krisensituation reagiert. Die Darsteller Hannah Herzsprung, Lisa Vicari, Lars Eidinger und Stipe Erceg wurden durch diese Paraderollen zu beeindruckenden, sehr intensiven Leistungen inspiriert. Auch die Leidensfrau des deutschen Kinos Angela Winkler ist als die schwarze Heilige perfekt gecastet und unterstützt durch ihren Auftritt den dramaturgischen Dreh des Films, der sich im letzten Akt nicht so sehr bei den amerikanischen Genre-Vorbildern sondern bei den Gebrüdern Grimm (und nicht nur in der Wahl seiner Waffen bei Michael Haneke) bedient. Sie ist die Hexe, die die Kinder in das Knusperhäuschen lockt, wo sie gefangen, gemästet und schließlich gegessen werden. Die von der ersten Jury vermisste "Brutalität des Genres" wäre hier ganz fehl am Platze, vor allem weil Fehlbaum so souverän mit Auslassungen, Andeutungen und dem Sounddesign arbeitet. So ist dies, ein Thriller wie aus einem Guss geworden. Und dies ist in Deutschland, dessen Tradition des Genrefilms nie reich war und in den letzten Jahrzehnten kaum lebendig gehalten wurde, eine nicht zu unterschätzende Leistung.