Freier Fall

Kinostart: 23.05.13
2013
Filmplakat: Freier Fall

FBW-Pressetext

Für Marc verläuft sein Leben nach Plan. Er ist jung verheiratet, ein Baby ist unterwegs, das neue Heim liegt praktischerweise neben dem Haus der Eltern und die Karriere als Polizist scheint vorgezeichnet. Doch eines Tages ändert sich alles: Denn Marc lernt bei einem Lehrgang Kay kennen, einen neuen Kollegen. Aus einer kumpelhaften Freundschaft wird schnell mehr. Marc fühlt sich von Kai angezogen, verliebt sich in ihn. Und der freie Fall beginnt. In Stephan Lacants eindringlichem Drama geht es um so viel mehr als eine homosexuelle Liebesgeschichte. Durch die neu erwachten Gefühle ist Marc gezwungen, seinen kompletten Lebensentwurf, seine Identität und seine Rolle in der Gesellschaft neu zu bewerten und zu definieren. Dass dies nicht ohne Komplikationen geschehen kann, zeigt der Film kompromiss- und schonungslos. Hanno Koffler in der Hauptrolle gelingt es, Marcs Konflikt glaubwürdig zu verkörpern. Man spürt seine innere Zerrissenheit zwischen Pflichtbewusstsein und seiner neuen Sehnsucht. Max Riemelt als Verführer Kay überzeugt schauspielerisch ebenfalls auf ganzer Linie. Am Ende fasst Marc Mut, sich gegen den konservativen Erwartungsdruck einer spießigen und heuchlerischen Gesellschaft zu stellen. Doch wohin ihn nun sein Leben führt, lässt dieser sorgfältig komponierte Film offen. Ein starkes Drama, aufrüttelnd und authentisch.

Filminfos

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Das Schwulendrama erzählt von dem jungen Polizisten Marc, dessen Leben auf den ersten Blick mustergültig wirkt: Er ist glücklich verheiratet, seine Frau Bettina erwartet ein Kind, beruflich ist er in die Fußstapfen seines Vaters getreten, der ebenfalls bei der Polizei war. Doch dieses Leben ist auf einer Lüge errichtet. Als er sich in den Kollegen Kay verliebt, spürt er, dass er Neigungen und Bedürfnisse lange Zeit unterdrückt hat. Um seine Liebschaft geheim zu halten, verstrickt er sich nach und nach in ein Gewebe von Lügen, aus dem es irgendwann kein Entrinnen mehr gibt. Damit beginnt der Titel gebende freie Fall. Dieser Fall ist dramaturgisch sehr behutsam ausgearbeitet und mit einigen spannenden retardierenden Momenten und Wendungen versehen. Immer wieder scheint Marc die Fassade seines bürgerlichen Lebens bewahren zu können. Doch dann wiegt er sich wieder allzu sehr in Sicherheit. Vor allem, wenn Marcs Mutter von den sexuellen Neigungen ihres Sohnes erfährt, grenzt es schon fast an Naivität, dass Marc glaubt, seine Frau werde nichts davon erfahren. Es kommt, wie es kommen muss. Marc verliert alles. Doch am Ende zeigt sich auch, dass er mit seinem Outing zumindest einen entscheidenden Schritt hin zu einem gesunden Selbstbewusstsein gegangen ist.
Dieses Ende (Marc läuft seinen Kollegen beim Sport davon), das auf den Anfang verweist (Marc bekommt beim Laufen Seitenstechen), ist symptomatisch für den Aufbau des ganzen Films. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, mit großer Sorgfalt wird die Handlung entwickelt. Die Figuren sind fein gezeichnet und präzise gespielt. Vor allem die beiden Hauptfiguren Marc und Kay zeichnen sich durch bemerkenswerte Ambivalenz aus. Die Nebenfiguren sind dann stereotyper, wenn es der Handlungsführung dient. Sten Mendes Kamera lässt den Akteuren den notwendigen Raum, sich zu entfalten, legt zugleich aber auch viel Wert auf ästhetische Wirkkraft. Die Musik der Filmkomponisten Dürbeck & Dohmen schafft eine suggestive Atmosphäre. Dem Team um den Regisseur und Drehbuchautor Stephan Lacant ist damit ein Stück kraftvolles Kino gelungen.