Eine offene Rechnung

Filmplakat: Eine offene Rechnung

FBW-Pressetext

Tel Aviv, 1997. Die Journalistin Sarah Gold hat gerade ein Buch über drei Mossad-Veteranen veröffentlicht, die 30 Jahre zuvor den gefährlichen Auftrag verfolgten, einen in der DDR untergetauchten KZ-Arzt seiner gerechten Strafe zuzuführen. Sowohl Sarahs Mutter Rachel als auch ihr Vater Stefan gehörten zu dieser Spezialeinheit, zusammen mit dem sensiblen David. Rachel würde die ganzen Geschehnisse am liebsten vergessen, doch durch die Buchveröffentlichung werden die Erinnerungen an die damaligen Ereignisse und eine folgenschwere Entscheidung wieder lebendig. Regisseur John Madden ist mit dem Remake eines israelischen Thrillers ein spannender und intelligent komponierter Agententhriller mit hohem Suspense-Faktor geglückt. Auf mehreren zeitlichen Ebenen wird eine ausgeklügelte komplexe Geschichte erzählt, die immer wieder leise feinsinnige Momente des Zwischenmenschlichen zulässt. Eindringliche Dialoge lassen eine kammerspielartige Atmosphäre entstehen, die grandiosen Darsteller, allen voran Helen Mirren und Jessica Chastain als ihr junges Alter Ego, ziehen den Zuschauer in ihren Bann. Bei diesem Politdrama ist Hochspannung bis zur letzten Minute garantiert.

Filminfos

Gattung:Drama; Thriller; Spielfilm
Regie:John Madden
Darsteller:Helen Mirren; Jessica Chastain; Ciarán Hinds; Sam Worthington; Tom Wilkinson; Marton Csokas; Jesper Christensen; Romi Aboulafia
Drehbuch:Jane Goldman; Matthew Vaughn; Assaf Bernstein; Ido Rosenblum; Peter Straughan
Kamera:Ben Davis
Schnitt:Alexander Berner
Musik:Thomas Newman
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:114 Minuten
Kinostart:22.09.2011
Verleih:Universal
Produktion: Marv Films, Pioneer Pictures;
FSK:16

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

1965: Der kalte Krieg bestimmt das Leben im geteilten Berlin. Dem noch jungen Staat Israel sind viele Mittel recht, die Verbrecher des Dritten Reichs einem Prozess zuzuführen. Zu Beginn des Films steht eine Buchpräsentation. Die Tochter einer Heldin des israelischen Staates stellt eine Biographie über das Leben ihrer Mutter vor und der Zuschauer wundert sich, warum bei der Geehrten so gar keine Freude aufkommen mag. Auf äußerst geschickte Weise versteht es der Regisseur, den Zuschauer in eine non-linear erzählte Agentengeschichte zu verwickeln, bei der Fragen nach Recht und Moral, nach der Macht, der Wahrheit und dem Recht oder womöglich gar der Pflicht zur Lüge auf vielfältige Weise beleuchtet werden.
Getragen wird der Film von einem hervorragenden Cast, der sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart glänzend besetzt ist und mit einem nuancenreichen Spiel aufwartet, bei dem Blicke und Gesten häufig mehr sagen als das gesprochene Wort. Die Geschichte wechselt zwischen den perfekt ausgestatteten Settings des Ost-Berlins der 60er und des Israels der späten 90er Jahre. Bis auf kleine historische Fehler (auch die DDR-Post hieß „Deutsche Post“) wurde mit viel Liebe zum Detail die Vergangenheit wieder belebt. Dort, wo die Grenzen der Ausstattung erreicht werden, schafft die Kamera es, die Szenen bewusst unscharf zu halten, um so den Schein der Authentizität aufrecht zu erhalten.
Auf ideale Weise wurde hier eine packende, politische Geschichte mit tiefgreifenden moralischen Fragen verquickt, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Der Zuschauer wird dazu aufgefordert, selbst abzuwägen, welcher Moral er folgen mag, auch wenn sich final die Kraft der Schuld gegen die Macht der Lüge durchsetzt. Und so gelingt es, dem Geschehen bis zum Ende der Story gebannt zu folgen, denn die Auflösung der politischen und persönlichen Last ist bis zum Ende hin nicht vorhersehbar – hier agieren Menschen und keine Reißbrettcharaktere.
EINE OFFENE RECHNUNG ist der Glücksfall einer raffinierten fiktionalen Story, angesiedelt in einem realen politischen und historischen Umfeld, die in der Umsetzung nicht zu einer oberflächlichen Thriller- und Moralfarce verkommt, sondern den Zuschauer auf höchstem Niveau unterhält.