Eine Million Minuten

Kinostart: 01.02.24
2024
Filmplakat: Eine Million Minuten

FBW-Pressetext

Der neue Film mit Karoline Herfurth und Tom Schilling erzählt die wahre Geschichte einer Familie, die beschließt, EINE MILLION MINUTEN lang einfach alle Sicherheiten aufzugeben und irgendwo auf der Welt einen neuen gemeinsamen Lebensabschnitt zu starten. Ein pittoresk unterhaltsamer Film, den man gerne auf seiner Reise durch die Welt begleitet.

Christopher Dolls Regiedebüt basiert auf dem erfolgreichen gleichnamigen Sachbuch-Bestseller von Wolf Küper, der mit seiner Familie tatsächlich den Schritt gewagt hat, die sichere Existenz in Berlin hinter sich zu lassen und mit seiner Familie auf Reisen zu gehen. Die Besetzung des Films ist erstklassig und bestens gewählt: Tom Schilling als Wolf verkörpert überzeugend Wolfs Dilemma, der zwischen beruflicher Erfüllung und dem Wunsch, bei der Familie zu sein, hin- und hergerissen ist. Und Karoline Herfurth, die Vera mit ganzem Herzen verkörpert, macht die Konflikte einer Frau deutlich, die sich voll und ganz um die Familie kümmert, dabei aber ihre eigenen Bedürfnisse immer hintenan stellen muss. Bis es eben einfach nicht mehr geht. Daneben tummeln sich viele exzellent besetzte Nebenfiguren, allen voran Joachim Król als Wolfs Vater, Haraldur Þorleifsson als Bassi und Pola Friedrichs als die kleine Nina, die Wolf und Vera bei all den Konflikten immer wieder auch erdet und für viele rührende und auch komische Momente sorgt. Neben wunderschönen, sehnsuchtsstiftenden Aufnahmen der fernen Länder – Kamera: Andreas Berger – lässt der Film auch Platz für nachvollziehbare Konflikte und kann anregen, auch über die eigene Lebensplanung nachzudenken. Wo sieht man sich selbst zwischen Beruf, Familie und den eigenen Ansprüchen? Wo liegen die Prioritäten in der Lebensplanung? Kann es einen weiterbringen, wenn man alles zurücklässt, was Sicherheit verspricht? EINE MILLION MINUTEN stellt diese Fragen, ohne eine Antwort zu geben. Viel eher lädt der Film die Zuschauenden ein, ihn auf dieser unterhaltsam-inspirierenden Reise zu begleiten.

Zum Inhalt: Von außen betrachtet führen Vera und Wolf Küper mit ihren beiden Kindern Nina und dem einjährigen Bruder Simon ein Traumleben: eine schöne Wohnung in Berlin, er macht als Biodiversitätsforscher und Gutachter für die Vereinten Nationen Karriere, sie hat neben Haushalt und Kindern noch einen Job als Bauingenieurin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Doch bei genauerem Hinsehen sieht es ganz anders aus: Die Ehe kriselt, und beide sind, wie die meisten Paare, in dem unglücklichen Dilemma, beim Jonglieren des Alltags das Gefühl zu haben, dem Leben vorn und hinten nicht mehr gerecht zu werden. Als bei Nina eine Entwicklungsverzögerung diagnostiziert wird, ist Wolf und Vera klar, dass sich spätestens nun etwas grundlegend ändern muss. Der Wunsch seiner Tochter Nina nach „einer Million Minuten nur für die ganz schönen Sachen“ trifft Wolf mitten ins Herz, und auf einmal wird ihm klar, dass es viel wichtiger ist, wie es Nina, Vera und Simon geht, und jede gemeinsame Minute wertvoller ist als eine glänzende Karriere. Eine Million Minuten, 694 Tage, knapp zwei Jahre. Los geht’s! Erst nach Thailand, dann weiter nach Island. Die Küpers machen sich auf die Suche nach einem neuen, einem anderen Lebensmodell und stellen dabei jeden Tag aufs Neue fest: Wir haben jede Minute nur einmal.

Filminfos

Gattung:Spielfilm
Regie:Christopher Doll
Darsteller:Karoline Herfurth; Tom Schilling; Joachim Król; Ulrike Kriener; Jónmundur Grétarsson; Pola Friedrichs; Haraldur Þorleifsson
Drehbuch:Malte Welding; Tim Hebborn; Monika Fässler; Ulla Ziemann; Christopher Doll
Buchvorlage:Wolf Küper
Kamera:Andreas Berger
Schnitt:Laura Wachauf
Musik:Dascha Dauenhauer
Webseite:warnerbros.de;
Weblinks:kinofans.com;
Länge:125 Minuten
Kinostart:01.02.2024
Verleih:Warner
Produktion: Hellinger / Doll Filmproduktion GmbH , Warner Bros. Filmproduktion; herbX film GmbH; Erfttal Film- und Fernsehproduktion;
FSK:0
Förderer:FFA; MBB; FFF Bayern

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Christopher Dolls Regiedebüt EINE MILLION MINUTEN nach dem 2016 erschienen, gleichnamigen autobiografischen Roman von Wolf Küper ist am Puls der Zeit: Er lässt die beiden Protagonisten Karoline Herfurth und Tom Schilling als Ehepaar mit zwei Kindern die Frage nach der Verteilung und Anerkennung von Haus- und Erziehungsarbeit sowie der Frage nach einer gelungenen Work-Life-Balance diskutieren und durchspielen.
Dass der Film hierbei nicht die Form eines harten Sozialdramas wählt, sondern der Vorlage folgend eine Art „Feel-Good-Movie“ ist, macht ihn publikumswirksam. Dazu trägt auch bei, dass er durch die Schauplätze Thailand und Island die Sehnsucht nach Traumlandschaften bedient, und ein traditionelles, heteronormatives Familienmodell gewählt hat.
Kritisch sah die Jury den Widerspruch zwischen dem Umweltengagement des Ehemannes Wolf als Biodiversitätskämpfer auf UN-Ebene und dem bedenkenlosen und nie in Frage gestellten globalen Herumjetten. Oder das Durchspielen des Ausbalancierens von Beruf und Privatleben anhand einer Familie, die sich – bei allem „remoten Arbeiten“ – letztlich eine zweijährige Auszeit finanziell leisten kann, wodurch der Film ausschließlich ein ökonomisch privilegiertes Milieu zeigt.
Wirklich gelungen erschienen der Jury die klaren, dabei sehr natürlichen, auch harten Auseinandersetzungen des Paares im Film, die den Zuschauer packen und Harmlosigkeit verhindern. Dies ist natürlich auch der hervorragenden Besetzung mit Karoline Herfurth und Tom Schilling geschuldet und den Dialogen, verfasst vom fünfköpfigen Autorenteam.


Die Jury kam daher zum Ergebnis: Wenn ein Film klug die richtigen Fragen stellt, darf er sie auch schön und unterhaltsam verpacken. Und wenn ein Film die richtigen Gedanken zu Emanzipation, Gleichberechtigung in der Beziehung, zum Selbstwertgefühl durch Arbeit, zu der notwendigen Zuwendung für Kinder durchspielt, darf er auch manchmal sentimental sein, wozu auch die stellenweise suggestiv platzierte Musik beiträgt.
Besonders gelungen sind für die Jury die Szenen, in denen auf allzu klassische Suggestion verzichtet wird, wie die überraschende Feuerwehrfahrt der Tochter Nina, die durch Pola Friedrichs wunderbar natürlich und glaubwürdig gespielt wird. Die Nebenrollen wiederum erweitern klug das Themenfeld: Durch Wolfs Vater (Joachim Król), der die klassische Leistungs- und Prestigegesellschaft verkörpert und die emotionale Sprachlosigkeit gegenüber seinem Sohn erkennen muss. Oder durch einen Rollstuhlfahrer, der durch sein Handicap eine andere Weltsicht einbringen kann.
Auch die Kameraarbeit und Bildgestaltung (Andreas Berger) verschaffen diesem Film gerade in einzelnen Einstellungen belebenden Abwechslungsreichtum, wo es oftmals in vielen Filmen nur Standardeinstellungen gibt.
Das Ende des Films wurde von der Jury diskutiert und letztendlich lobend besprochen. Denn der Film führt seine aufgeworfenen Themen zu keinem klassischen Ende und geht zu einem weiteren Aufbruch – jetzt im Wohnmobil – über.
In Abwägung aller Argumente erteilt die Jury dem Film EINE MILLION MINUTEN gerne das Prädikat WERTVOLL.