Filmplakat: Dots

FBW-Pressetext

Flüsternd beruhigt die Stimme der Ärztin. Wir atmen ein. Und wieder aus. Ein. Und aus. Stille. Fast meditativ zieht dieser experimentelle Dokumentarfilm von Ann Oren in den Bann und ist dabei so viel mehr als eine Anspielung auf den Internettrend ASMR (Autonome sensorische Meridianreaktion), bei dem kleinste Geräusche und Flüstertöne eine Stimulation der Sinne hervorrufen sollen. Über den einlullenden Beschwichtigungen der Ärztin auf der auditiven Ebene entdeckt die Kamera liebevoll die weißen Tupfer auf dem Körper eines scheuen Dammhirschweibchens, das plötzlich ganz zutraulich erscheint. Der intelligenten Montage des Films ist zu verdanken, dass sich Bild- und Tonebene wunderbar ergänzen und auf eine Weise miteinander befruchten, dass der Film in seiner formalen Instagram-Ästhetik eine Mehrfachkodierung erhält und sich zu einer originellen Medienkritik erhebt. Ein intelligentes Kurzfilmexperiment, das gleichsam entspannt und zum Nachdenken über die eigene Mediennutzung anregt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Experimentalfilm
Regie:Ann Oren
Drehbuch:Ann Oren
Kamera:Ann Oren
Schnitt:Ann Oren
Länge:4 Minuten
Produktion: Ann Oren

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

DOTS von Ann Oren ist ein experimenteller Kurzfilm, der sich auf amüsante Weise metareflexiv mit dem Youtube-Trend der ASMR-Videos auseinandersetzt, einer Form der ‚Klangpornografie’, die durch beruhigend-flüsternde Vortragsweise und leise Geräusche Tiefentspannung bewirken möchte.

DOTS überträgt diese Meditationsmechanismen auf den gleichgültigen Tierkörper eines Dammhirschweibchens, der in quadratisch kadrierten Nahaufnahmen gezeigt wird, während eine Therapeutinnenstimme dazu Anweisungen gibt. Das Tier scheint den Anweisungen zu folgen, was in der Montage suggeriert wird. Das quadratische Format erinnert dabei an Social-Media-Formate wie auf Instagram.

Das konsequent umgesetzte Konzept überzeugt umso mehr, je vertrauter das Publikum mit den genannten Phänomenen ist. Auf einer weiteren Ebene kann der sehr kurze Film auch als ironischer Blick auf die transspeziezistische Kommunikationsbemühung zwischen Mensch und Tier gesehen werden. Der Titel DOTS (Punkte) ist ebenso mehrdeutig, kann sich auf die Flecken im Fell des Tieres beziehen und auf die Pixel des technischen Bildes.

Die Jury diskutierte den Film intensiv und würdigte seine minimalistische Originalität und seinen treffenden Bezug zu aktuellen Medienphänomenen. Sie zeichnet DOTS daher mit dem Prädikat besonders wertvoll aus.