Die Tochter

Filmplakat: Die Tochter

FBW-Pressetext

Alles begann, als sie angefangen hat, mit ihrem Vater zu diskutieren. Über Politik, die Missstände in diesem Land, die Ungerechtigkeiten. Immer mehr hat sie sich aufgeregt, immer mehr wollte sie selbst etwas tun. Bis sie dann eines Tages ein Kopftuch trug. Und dann plötzlich verschwunden war, ab ins Ausland. Der Vater macht sich auf, sie zu suchen. Doch sie will nicht gefunden werden. Als sie sich meldet, sagt sie, sie komme nicht wieder. Er kann ihr Handeln nicht verstehen. Aber er liebt sie. Weil sie seine Tochter ist. Der Anima-Dokfilm von Falk Schuster, Alexander Lahl und Max Mönch, nach einem Drehbuch von Elisabeth Weydt, erzählt die wahre Geschichte des Sascha Mané, dessen Tochter zum Islam konvertierte und dann nach Syrien verschwand. Ein Schicksal, wie es viele in Deutschland, in ganz Europa gibt. Die Filmemacher finden für die von Mané erzählte Geschichte Bilder und Motive, die auch durch ihre perfekte Animation eine hohe Symbolkraft besitzen und doch nie plakativ wirken. Das Jugendzimmer des Mädchens, ein gepackter Koffer, zwei Tassen Kaffee von oben, Hände, die gestikulieren, ein Bild als Andenken auf der Fensterbank, der Koran, das Wappen des HSV und des IS. Auf diese Weise etabliert DIE TOCHTER nicht nur ganz genau das Milieu der Geschichte, die von Mané selbst ruhig erzählt wird, sondern auch mit viel Fingerspitzengefühl den so existenziellen Konflikt eines Vaters, der seine Tochter verliert, jedoch nie aufhört, sie zu lieben. Starkes und beeindruckendes Kurzfilmkino.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Falk Schuster; Alexander Lahl; Max Mönch
Drehbuch:Elisabeth Weydt
Kamera:Falk Schuster
Schnitt:Falk Schuster
Musik:Hannes Schulze
Länge:6 Minuten
Kontakt:mail@falkschuster.com
Produktion: mobyDOK medienproduktion / Alexander Lahl & Max Mönch GbR

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der animierte Dokumentarfilm DIE TOCHTER greift ein äußerst aktuelles Thema auf. Eigentlich hatten Vater und Tochter eine ganz normale Beziehung. Eines Tages sagt sie ihm, sie wollte zu einer Hochzeitsparty nach Dänemark reisen. Aber dabei lügt sie ihn an. In Wirklichkeit fliegt sie nach Syrien und heiratet einen Kämpfer des Islamischen Staates. Der Vater, der in dem Film die Geschichte seiner Tochter ganz sachlich erzählt, hat diese nach und nach an den radikalen Islam verloren. Denn aus ihren politischen Diskussionen um die Fehlentwicklungen auf der Welt hat sie eigene Schlüsse gezogen. Er reist ihr hinterher und versucht vergeblich, sie zu finden. Denn der Vater macht sich Vorwürfe, die Veränderungen der Tochter nicht rechtzeitig gemerkt zu haben, um sie von ihren Plänen abzuhalten.

DIE TOCHTER ist ein Film über Radikalisierung und die Verzweiflung der Angehörigen. Dabei herrscht hier nicht der sonst bei Animadok-Filmen häufig anzutreffende Stil mit einfachen Silhouetten und scharfen Konturen vor, sondern der Film ist im Aquarellstil gestaltet. Diese Form passt sehr gut zum Thema, denn die Grenzen sind fließend und die Farben sind nicht grell, sondern eher in Pastelltönen gehalten. Es werden feine Details gezeichnet, wie die winkende asiatische Katzenfigur im Fenster, die nach der langen Abwesenheit der Tochter von toten Fliegen umgeben ist. Die Form der Animation gewährt dem Vater die Anonymität, um seine Tochter nicht zu gefährden. Den Zuschauerinnen und Zuschauern bietet sich die Möglichkeit, sich selbst ein Bild zu machen. Dieser offene Stil ist viel kraftvoller als es ein dokumentarisches Interview mit dem Vater hätte sein können. Von daher beweist der Film die visuellen Möglichkeiten und Stärken einer Animadok. Konsequent ist die Entscheidung des Autorenteams, ganz auf dokumentarisches Bildmaterial zu verzichten und sich völlig auf die Animation zu konzentrieren.

Am Ende informiert ein Text, dass sich etwa 1.000 Deutsche den Kämpfern in Syrien angeschlossen haben, davon ungefähr 200 Frauen. Sie werden in Deutschland als Gefährder gesehen, die bei ihrer Rückkehr strafrechtlich verfolgt werden können. Dies zeigt die Aktualität des Themas, in das sich der Kurzfilm DIE TOCHTER auf künstlerisch hohem Niveau einmischt und für Diskussionen sorgen wird.