Die Stille nach dem Schuss

Kinostart: 14.09.00
2000
Filmplakat: Die Stille nach dem Schuss

Kurzbeschreibung

Geschichte einer westdeutschen Terroristin, steckbrieflich
gesucht, die in den 70er Jahren - von der Stasi mit neuer
Identität ausgestattet - in der DDR untertaucht und nach der
Maueröffnung von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:Volker Schlöndorff
Darsteller:Bibiana Beglau; Nadja Uhl; Martin Wuttke
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:102 Minuten
Kinostart:14.09.2000
Verleih:Arthaus
Produktion: Babelsberg Film Produktion GmbH, Potsdam, Babelsberg Film Produktion;Potsdam Mitteldeutsches Filmkontor Mitteldeutscher Rundfunk;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Volker Schlöndorff wagt sich auf doppelt vermintes Gelände: Eine
westdeutsche Terroristin steigt aus und findet Unterschlupf in
der (untergehenden) DDR. Dem Regisseur und seinem Drehbuchautor
Wolfgang Kohlhaase gelingt ein Parforceritt durch die jüngere
deutsche Vergangenheit - und es wundert nicht, daß diese
zugespitzte Geschichte - die sich tatsächlich so, aber nicht
genau so zugetragen hat - es nicht allen recht macht. Die
Hauptfigur, die Ex-Terroristin Rita (Bibiana Beglau), hat
schwerlich eine regimekritische Perspektive; schließlich war die
DDR für BRD-Linke ein Staat mit dem richtigen Glaubensbekenntnis:
"Weniger Arme und weniger Reiche, das ist doch der richtige Weg."

Nicht nur thematisch löst Schlöndorff die alte Forderung ein, daß
der deutsche Film sich doch mit der Wirklichkeit beschäftigen
solle. Das Einleben der jungen Frau aus Westdeutschland in den
DDR-Alltag wird nachvollziehbar geschildert. Der Film erlaubt
einen Einblick in den SED-Staat, gleichzeitig bildet er auch
manchen romantischen westdeutschen Blick auf ihn ab. Die Personen
und ihre Beziehungen werden glaubwürdig entwickelt, eindrucksvoll
inszeniert ist das Verhältnis der beiden Frauen Rita und Tatjana
(Nadja Uhl). Die realistische Atmosphäre überzeugt, die
Ausstattung ist äußerst sorgfältig und stimmig. Dramaturgie und
Timing sind perfekt. Überflüssiges, Prätentiöses oder Plakatives
wird vermieden. Hervorzuheben ist auch der Schnitt. Handwerklich
operiert der Film auf internationalem filmkünstlerischem Niveau.

Bemerkenswert sind durchgängig die Darstellerleistungen. Der
dichten Inszenierung gelingen scheinbar mühelos Szenen wie jene
der zufälligen Wiederbegegnung mit einer alten Weggefährtin
(Jenny Schily), in der ohne viel Worte der hohe Preis der
Anpassung an das DDR-System deutlich wird.