Die Höhle der vergessenen Träume

Kinostart: 03.11.11
VÖ-Datum: 13.03.12
2010
Filmplakat: Die Höhle der vergessenen Träume

FBW-Pressetext

Rund 35.000 Jahre waren die Felsmalereien in den Chauvet-Höhlen in Südfrankreich unter Verschluss. Erst 1994 wurden sie entdeckt und nur wenigen ist seither der Zugang zu den Reliquien aus einer vergangenen Zeit gestattet. Werner Herzog hat den sensationellen Fund nun für seinen Dokumentarfilm in 3D aufbereitet und es gelingt ihm spielend, den Zuschauer 90 Minuten für diese fremde Welt einzunehmen. Die 3D Technik setzt die Malereien wunderbar in Szene und so eröffnen sich atemberaubende Möglichkeiten, über das Raumgefühl die Tierbilder gleichsam zum Leben zu erwecken. Mit seinem Kommentar nimmt Herzog den Betrachter bei der Hand und greift die Fragen auf, die sich ihm aufdrängen. Dabei greift der Film sowohl komplexe Fragen der Kunst als auch allgemeine philosophische Gedanken auf. Ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk der sehr besonderen Art.

Filminfos

Kategorie:Dokumentarfilm
Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Werner Herzog
Darsteller:Werner Herzog; Dominique Baffier; Jean Clottes; Jean-Michel Geneste; Carole Fritz; Gilles Tosello; Michele Phillipe; Julien Monney
Drehbuch:Werner Herzog
Kamera:Peter Zeitlinger
Schnitt:Joe Bini; Maya Hawke
Musik:Ernst Reijseger
Länge:90 Minuten
Kinostart:03.11.2011
VÖ-Datum:13.03.2012
Verleih:Ascot Elite
Produktion: Creative Differences
FSK:6
DVD EAN-Nummer:7613059802063
Anbieter-Link:ascot-elite.de
DVD Extras:Making of, Movie Guide, Trailershow, Interview, Trailer

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll erteilt.

Werner Herzog, der alte Haudegen des einstmals neuen deutschen Kinos, ist immer noch für eine Überraschung gut. Wer hätte gedacht, das ausgerechnet er (wie mit "Pina" schon sein alter Mitstreiter Wim Wenders) einen Film in der neuen digitalen 3D-Technik drehen würde. Doch für "Die Höhle der vergessenen Träume" ist der räumliche Blick durch die bipolare Brille das genau passende künstlerische Mittel, den Herzog steigt für diesen Film in die Chavet-Höhlen in Südfrankreich, in denen mehr als 400 Höhlenmalereien entdeckt wurden, von denen einige mehr als 30.000 Jahre alt sind. Diese Bilder aus der Steinzeit haben einen erstaunlichen ästhetischen Reiz. Man kann hier gar nicht mehr von "primitiver Kunst" sprechen, denn die Maler beherrschten ihre Ausdrucksmittel so perfekt, sie malten die Tiere so detailreich und ausdrucksstark, dass in diesen frühsten bekannten Werken der menschlichen Malkunst schon eine auch heute noch spürbare Vollendung erreicht wurde. So nutzten die Maler auch die verschiedenen Flächen und räumlichen Besonderheiten der Höhle (der Körper eines Bisons ist etwa flach auf eine Wand im Hintergrund entworfen, während sein Kopf mit einer dreidimensionalen Wirkung auf einen kleinen Felsvorsprung gemalt wurde. Deshalb ist es fast zwingend, dass die Bilder in der Höhle (die ansonsten einer Öffentlichkeit nicht zugänglich ist) durch eine dreidimensionale Abbildung dokumentiert werden. Herzog zeigt ganz elementar, wie er mit seinem Team einige Male in die Höhe heruntersteigt, er erzählt, was er unter welchen Bedingungen filmt und er hat auch einige Wissenschaftler und Spezialisten aus der näheren Umgebung befragt, die Wissenswertes berichten über den Fund, die Höhle und die Bedingungen unter denen die Menschen damals gelebt haben. Einige diese Spezialisten (wie etwa jener, der einen Speer mit Steinspitze aus jener Ära nachgebaut hat und diesen eher armselig zwischen Weinreben von sich schleudert) haben als skurrile Typen durchaus Unterhaltungswert und auch die natürlich von Herzog selber ein gesprochenen Kommentare wirken in ihrem (so von Herzog schon lange gewohnten) grandiosen Pathos manchmal beinahe komisch. So etwa der Epilog mit den Albino-Alligatoren im nahe der Höhle gelegenen Tropencenter, das von der Abwärme des benachbarten Atomkraftwerks betrieben wird, der bei jedem anderen Filmemacher als Stilbruch irritiert hätte. Bei Herzog weiß man dagegen, dass all das seinem künstlerischen Überschuss geschuldet ist (und wenn sich irgendwie die Möglichkeit bietet, Reptile in einen Film zu schmuggeln, dann kann er nicht anders). Auf eine verquere Art und Weise ergibt all das dann doch einen (zumindest poetischen) Sinn, und die Bilder in der Höhle sind so überwältigend, dass sie (wie gute Kunst eben), noch lange nachwirken. Es ist Herzog einmal mehr gelungen, die Menschen in Erstaunen zu versetzen, wenn er hier die älteste Kunst mit den modernsten Techniken vermittelt.