Filmplakat: Die Herberge

FBW-Pressetext

Eine Landschaft mitten im Nichts. Eine Wüste, durch die Menschen irren. Doch irren sie wirklich? Oder sind sie nur auf der Suche nach einem Ort, in den sie einkehren können? Wie die Herberge, die plötzlich auftaucht und die Reisenden einlädt, sie zu betreten. Im unteren Stock ist laute Musik zu hören. Doch oben unter dem Dach ist es ganz still. So still, dass jeder, der es will, zu sich selbst finden kann. Seinen neuesten Film DIE HERBERGE bezeichnet der Filmkünstler Ulu Braun selbst als, „Videogemälde“. Und genau das trifft den Kern des Films. Denn Braun vermischt gekonnt Bewegtbilder mit Bildfragmenten, die er in die Szenen hineinmontiert und ihnen durch die die hohe Symbolkraft der einzelnen Motive eine ganz neue Bedeutung verleiht. Der Zuschauer kann sich durch die assoziative Bildfolge mit auf die Reise des Films begeben und eine eigenständige Interpretation der Geschichte erschließen. Auf diese Weise wird klar, wie sehr der Begriff der „Herberge“ auch im kulturellen und religiösen Bewusstsein verankert ist. Wie er sich verändert und welche Bedeutung er auch noch heute hat. Der eindrucksvolle Sound, der die fein komponierten Bilder untermalt, tut sein Übriges, um DIE HERBERGE zu einem außergewöhnlichen und eindrucksvollen Kurzfilmerlebnis zu machen.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Experimentalfilm; Kurzfilm
Regie:Ulu Braun
Darsteller:Asef Hussaini; Lisa Baumgarten; Evelyn Kobusingye; Alexander Tripitsis; Eckhart Liss; Klaus Krüger; Alexandra Faruga; Michel Amin Dickler; Rajab Haidari
Drehbuch:Ulu Braun
Kamera:Ulu Braun
Schnitt:Ulu Braun
Musik:Max Knoth
Länge:14 Minuten
Kontakt:film@ulubraun.com
Produktion: Studio Ulu Braun Ulu Braun
Förderer:Nordmedia; Stiftung Kulturregion Hannover

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Experimentalfilm nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch Raum und Zeit, wobei er die Wandlungen im Begriff „Herberge“ als Synonym für Heimat, Schutz und Willkommen sein zeigt. Er beginnt in einer deutschen Stadt, wo der Zufluchtsort für Menschen jüdischen Glaubens zerstört wurde. Führt weiter ins Gebiet einer Wüste, vermutlich im heutigen Israel, wo die Eltern von Jesus einst ebenso wie heute die Palästinenser eine Zuflucht suchten. Weiter geht es vorbei an einer Burg des Mittelalters, die hoch auf einem Berg thront. In der Gegenwart wurde aus dem Reisenden der Tourist, dessen grenzenlose Freiheit wie in EASY RIDER der Motorradfahrer verkörpert. Die Orte seiner Sehnsucht sind längst Stätten des Konsums. Müll landet achtlos in der Landschaft und verschandelt sie.
Der bildgewaltige Film knüpft an die Klassiker des Surrealismus an. Für die technisch brillante Collage wurden verschiedene künstlerische Techniken von Animations- und Realfilm stilsicher miteinander gemixt. Lange Kamerafahrten laden ein, in den Bildern zu schwelgen und Assoziationen zu entwickeln. Andere Details sind nur angedeutet. Der Regisseur hat ein bestechendes Gefühl für das Timing und den Fluss der Bilder, die wie ein Reigen vorbeziehen und Deutungsmöglichkeiten anbieten, die tief im christlich-jüdischen Weltbild verankert sind. Aber auch den Islam einbeziehen.
Es gelingt dem Regisseur, den Betrachter immer wieder mit neuen Ideen und Räumen für Anknüpfungspunkte zu überraschen. Auch die sphärische Musik wird Teil des assoziativen Vorstellungsraums und der inhaltlichen Reflexion, wobei sie sich kontinuierlich in ihrer Eindringlichkeit steigert und inhaltlich eindeutige Zeichen setzt, die Erde als gemeinsamen Lebensraum aller Menschen zu begreifen.