Die Fremde

Kinostart: 11.03.10
2009
Filmplakat: Die Fremde

FBW-Pressetext

„Hör auf zu träumen“, sagt die türkische Mutter zu ihrer 25jährigen Tochter Umay, die mit dem Sohn aus einem unglücklichen Eheleben in Istanbul ausbricht. Umay möchte in Berlin ein selbstbestimmtes Leben führen, doch nicht nur die harte Realität in der türkischen Gemeinschaft, sondern auch die Reaktionen der eigenen Familie setzen ihren Wünschen harte Grenzen. Mit Feingefühl für die Zerrissenheit aller beteiligten Figuren erzählt DIE FREMDE äußerst differenziert vom Überlebenskampf der jungen Frau zwischen unterschiedlichen Kulturen, Traditionen und Familienbanden. Dafür werden ebenso bedrückend düstere Innenansichten gefunden wie hoffnungsvolle Ausblicke. Eindeutig einer der mutigsten und besten filmischen Beiträge zu einem hochbrisanten und wichtigen Thema.

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Feo Aladag
Darsteller:Sibel Kekilli; Tamer Yigit; Serhad Can
Drehbuch:Feo Aladag
Kamera:Judith Kaufmann
Schnitt:Andrea Mertens
Musik:Max Richter; Stéphane Moucha
Weblinks:majestic.de;
Länge:119 Minuten
Kinostart:11.03.2010
Verleih:Majestic
Produktion: Independent Artists Filmproduktion
FSK:12
Förderer:FFA; BKM; Filmstiftung NRW; DFFF; KJDF

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Man glaubt diese Geschichte aus den Nachrichten zu kennen: Sie handelt von der jungen, in Deutschland aufgewachsenen Türkin, die ihre Rechte als ein moderner, freier Mensch einfordert und deshalb von den streng traditionell lebenden Verwandten ausgestoßen und bestraft wird, da sie die Ehre der Familie beschmutzt hat.

DIE FREMDE beginnt dann auch mit dem scheinbar unausweichlichen, tragischen Ende – mit der Pistole, die einer ihrer Brüder auf die jungen Frau richtet - dann folgt die Blende zurück zum Beginn des Dramas, dessen weiterer Verlauf vorhersehbar wirkt. Doch schon bald merkt man, wie genau und komplex hier erzählt wird. Die Mitglieder der Familie werden nicht in gut (modern) und schlecht (traditionell) eingeteilt, sondern Feo Aladag versucht statt dessen, jedem einzelnen gerecht zu werden. Der Film zeigt, wie auch der Vater, die Mutter, die beiden Brüder und die jüngere Schwester an der Situation leiden und verzweifeln, wie sie Auswege suchen, zeitweise wieder ihrer Liebe zu Umay nachgeben - wie sie letztlich alle das Beste wollen, aber nicht aus ihrer Haut können.

Damit bietet der Film eine Innensicht dieser abgeschotteten Welt, und die Kamera betont ihre Enge durch eine sehr klaustrophobische Optik. Natürlich steht im Mittelpunkt von DIE FREMDE die virtuose Ausstrahlung von Hauptdarstellerin Sibel Kekilli, die Jahre nach GEGEN DIE WAND endlich wieder eine Rolle spielen darf, die ihrer würdig ist. Aber auch alle anderen im Ensemble spielen in jeder Sequenz absolut glaubwürdig und mit großer Intensität. Man merkt dem Film die Leidenschaft an, mit der er gemacht wurde. Und die Wut – nicht auf diese Menschen, sondern auf die Verhältnisse, die sie dazu bringen, das zu töten, was sie lieben.