Die Farbe des Ozeans

Kinostart: 17.05.12
2011
Filmplakat: Die Farbe des Ozeans

FBW-Pressetext

Ein ganz normaler Urlaubstag auf Gran Canaria. Die junge Touristin Nathalie kommt gerade vom Schwimmen, als sie am Strand ein Flüchtlingsboot mit Afrikanern entdeckt. Darunter viele Kinder, einige tot, einige verletzt. Nathalie will helfen, vor allem einem Mann mit seinem Sohn, der unbedingt verhindern will, von den spanischen Behörden wieder abgeschoben zu werden. Doch welche Art von Hilfe ist die richtige? Hochaktuell erzählt der Film von Maggie Peren von der Situation afrikanischer Flüchtlinge, die täglich an den Küsten der Kanaren landen, auf der Suche nach Schutz vor Verfolgung und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Perspektiven, die die Geschichte durch das exzellent geschriebene Drehbuch aufnimmt, sind vielfältig und konsequent sowie klar erzählt. Die Behörden sind überfordert, die Flüchtlinge kämpfen um ihr Leben. Dabei wertet Peren nicht, sondern stellt die Positionen nebeneinander. Dies geschieht ohne große Emotionen und macht doch stark betroffen. Über allem steht die Absurdität des Nebeneinanders von Urlaubsparadies und harter Realität. Ein überzeugender Film, der die unbequeme und doch so wichtige Frage in den Raum wirft: Was würde man selber tun?

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Maggie Peren
Darsteller:Sabine Timoteo; Hubert Koundé; Álex González; Friedrich Mücke; Nathalie Poza; Dami Adeeri; Alba Alonso
Drehbuch:Maggie Peren
Kamera:Armin Franzen
Schnitt:Simon Blasi
Musik:Carolin Heiß; Marc-Sidney Müller
Webseite:suedart-film.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:92 Minuten
Kinostart:17.05.2012
Verleih:Movienet
Produktion: Südart Filmproduktion GmbH, Starhaus FilmproduktionGmbH; NoirfilmFilmproduktion GmbH & Co Kg; El Olivo Producciones Audiovisuales; BR; ARTE; SWR;
FSK:12
Förderer:MFG Baden-Württemberg; FFA; FFF Bayern; DFFF

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Wer kennt nicht die Nachrichten von gestrandeten Flüchtlingsbooten aus Afrika? Doch wer kann sich schon hinreichend vorstellen, welche Schicksale damit verbunden sind? Dieser Film berührt unbequeme Wahrheiten. Dramaturgisch gut aufbereitet, werden parallele Handlungsstränge entfaltet und verknüpft. Wir lernen einen jungen Polizisten und seine drogensüchtige Schwester, einen afrikanischen Vater mit seinem Sohn sowie ein Touristenpaar kennen. Und wir erfahren mehr als erwartet. Man kann sogar sagen, dass der Film uns mit diversen Spielarten der Vernunft bekannt macht und deren Grenzen aufzeigt. Der Polizist José ist zunächst sehr zweckmäßig rational eingestellt und nur auf das Aufspüren der Wahrheit aus. Im Kontrast dazu agiert die Touristin Nathalie mit emotionaler Wahrhaftigkeit und versucht, moralisch richtig zu handeln. Welche Folgen daraus erwachsen, kann der Zuschauer miterleben. Auf Gran Canaria ereignen sich Tragödien, die die Figuren verändern. José, der (auch aus Selbstschutz) einst Härte zeigte und sich stets streng an die Gesetze hielt, kann nach dem Tod der Schwester über seinen Schatten springen. Er selbst verweist mit seinem Handeln darauf, dass es ein großer Unterschied ist, ob man an Hilfsbedürftigen vorbeifährt oder anhält und er bringt dies auch (in anderem Zusammenhang) direkt zur Sprache. Ohne falsche Sentimentalitäten und mit schonungslosem Realismus wird das Dilemma aufgezeigt, in dem wir alle irgendwie stecken. Das geschieht mit prägnanten, semantisch reichhaltigen Dialogen und mit subtilen filmästhetischen Mitteln. Ein seltsames Licht (scheinbar mit Blaufilter gedämpft) wirkt kalt und klärend. Die Musik wird klug eingesetzt. Einige Bildkompositionen besitzen starke Symbolkraft. Die Regisseurin Maggie Peren, die Darsteller, Armin Franzen mit der Kamera und andere Spezialisten der Crew haben erstaunlich gut gearbeitet. Die FBW-Jury votierte daher einstimmig für das höchste Prädikat.