Die Brücke

Kinostart: 22.10.59
1959
Filmplakat: Die Brücke

Kurzbeschreibung

Kurz vor Kriegsende werden sieben deutsche Schüler dazu abkommandiert, eine unwichtige Brücke vor den anrückenden Amerikanern zu verteidigen.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Spielfilm; Antikriegsfilm
Regie:Bernhard Wicki
Darsteller:Folker Bohnet; Fritz Wepper; Michael Hinz; Günter Hoffmann; Franz Glaubrecht; Karl-Michael Balzer; Volker Lechtenbrink; Wolfgang Stumpf; Cordula Trantow
Drehbuch:Bernhard Wicki; Michael Mansfeld; Karl-Wilhelm Vivier
Kamera:Gerd von Bonin
Schnitt:Carl Otto Bartning
Musik:Hans-Martin Majewski
Weblinks:;
Länge:103 Minuten
Kinostart:22.10.1959
Produktion: Fono Film GmbH, Fono-Film GmbH., Berlin
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Bewertungsausschuß hat dem Film einstimmig das Prädikat „besonders wertvoll“ erteilt. Dieses Urteil umschließt zweierlei Ergriffenheit gegenüber dem Thema und Respekt vor dessen filmkünstlerischer Behandlung. Wenn der alte Film „Im Westen nichts Neues“ als d e r Film über den ersten Weltkrieg bezeichnet werden darf, so gilt der Film „Die Brücke“ gewiß als die bisher geschlossenste und verbindlichste Darstellung des zweiten Weltkriegs. Es ist wohl kein Zufall, dass beiden Filmen eines gemeinsam ist, nämlich die absolute Verkürzung des Kriegsgeschehens auf das gleichnishafte Exempel, das den Krieg in seiner schrecklichen Totalität umgreift. Und noch ein zweites zeichnet beide Filme übereinstimmend aus: die Unerbittlichkeit der Aussage sowie die restlose Übereinstimmung von künstlerischer Wahrheit und reportierter Wirklichkeit. Der Film „Die Brücke“ demonstriert Wahnwitz und Widersinn des Krieges am nutzlosen Opfer einer Gruppe von Jungen, die wenige Tage vorher noch auf der Schulbank saßen. Die einzelnen Stationen auf dem Weg in den sinnlosen Tod spiegeln gleichnishaft den ganzen gewaltigen Sturz in die Katastrophe wider. Die Parallelität von Einzelschicksal und Völkerschicksal verleiht dem Film seine überzeugende Wucht und sein moralisches Gewicht.

Die für die Endphase der deutschen Kriegsführung charakteristischen Erscheinungen im menschlichen wie im militärischen Schicksal sind bis in die feinste szenische Nuance hinein glaubhaft und auch von der jüngeren Generation nachvollziehbar, die den Weltkrieg nur vonm Hörensagen kennt. Gerade diese Tatsache verleiht dem Film den Rang eines gültigen Zeugnisses und eines erstzunehmenden Monitums.

Der Krieg wird hier nicht rhetorisch oder deklamatorisch ad absurdum geführt, vielmehr wird sein Widersinn von einer minuziös entwickelten Spielhandlung aufgedeckt. Wie elementar dieser Film wirklich „Film“ ist, zeigt sich darin, dass er es nicht nötig hat, das Geschehen auf der Ebene des Wortes zu erklären. Diese Feststellung verweist unmittelbar auf die Bedeutung der künstlerischen Leistung, die Berhard Wicki vollbracht hat, der damit zweifellos in die vorderste Reihe unserer Filmregisseure getreten ist. Die Intensität und Geschmeidigkeit seiner Schauspielführung sind über jedes Lob erhaben, zumal wenn man weiß, welche Mühe es bedeutet, mit jungen, noch ungeformten Menschen eine solche Schicksalsballade vom Ausmaß der großen Tragödie mit der Kamera zu erfassen. Es gibt in diesem Film einfach keine Szene, die es an Echtheit und Überzeugungskraft fehlen lässt. Die sieben jungen Soldaten wie auch die in das tragische Geschehen verstrickten Erwachsenen sind großartig typisiert und wirkungsvoll gegeneinander abgesetzt. Was der Regisseur an mimischen Reaktionen aus seinen jungen Darstellern herauszuholen vermacht hat, ist bewundernswert. Nichts von steifer Dressur, falschem Pathos, billigen Effekten oder unlauterer Sentimentalität!
Am künstlerischen Gelingen des Films hat neben Regie und Darstellung auch das Drehbuch mit seiner klug durchdachten Dramaturgie entscheidenden Anteil. Für den Zuschauer ist es faszinierend, mitzuerleben, wie die Filmhandlung sich langsam, aber unaufhaltsam aus der reportagehaften Schilderung des Milieus und der Charaktere hinaufhebt in die volle Dimension des Dramas. Dieser zwingenden inneren Entwicklung ist es zuzuschreiben, dass die mit letzter Deutlichkeit ausgespielten Szenen des Grauens weder als überzogen noch als unstatthaft empfunden werden können. Sie bilden den notwendigen Schlusspunkt der vehementen Tragödie. Hier ist endlich einmal ein Kriegsfilm der das Verbrechen des Völkermordes nicht mit falschem Zungenschlag anprangert! Ein besonderes Lob sei ferner der Fotografie und dem Schnitt gezollt. Die Verhaltenheit der Kamera zu Beginn ist genauso klug berechnet wie die ungeschminkte Wiedergabe der Katastrophe in den Schlußbildern. Während alle Szenen des sich anbahnenden Untergangs in einer fast nebelhaften Verwischtheit bzw. bei Nacht spielen, ereignet sich das Sterben im grellen Sonnenlicht. Auch diese Differenzierung hat Gleichniskraft. Besonders kennzeichnend für die Kameraführung ist die Erfassung des Menschenantlitzes in der Großaufnahme. Hierbei entstehen Bilder von nachhaltiger Erschütterung, man denke nur an die kontrapunktisch aufgefassten Szenen im Klassenzimmer und auf der Kampfstätte. Die Kamera wird vom Schnitt hervorragend unterstützt, so dass die Dynamik der Szenenfolge an keiner einzigen Stelle leerläuft.
Vergessen sei schließlich nicht die sorgfältige Behandlung des Tons, der oft genug das Stiefkind bei Spielfilmen ist. Der Ton bildet im vorliegenden Fall keine zufällige Begleitkulisse, sonder besitzt dramaturgische Funktion, indem er Handlungsakzente setzt, das bild verdichten hilft und überhaupt an der Übersetzung des Geschehens ins Gleichnis entscheidend beteiligt ist.
Drei Filme sind es, die an erster Stelle genannt werden müssen bei der Frage nach einer gültigen Dokumentation des wohl bösesten und düstersten Abschnitts unserer jüngeren Geschichte: „Liebe 47“ („Draußen vor der Tür“), „Nacht und Nebel“ und der vorliegende Film „Die Brücke“.