Der Schornsteinsegler

Filmplakat: Der Schornsteinsegler

FBW-Pressetext

Der Junge klettert in den engen Schornstein. Seit er fünf Jahre alt ist, erledigt er diese schmutzige, gefährliche Arbeit. Doch eines Tages findet er im Schornstein etwas, was ihn ablenkt. Ein kleiner Mauersegler, dessen Nest im Schornstein ist. Gemeinsam könnten beide es schaffen, der Enge ihrer Lage zu entfliehen. Doch der Traum von Freiheit ist nur ein schöner Traum – denn die Realität eines Schornsteinjungen im 19 Jahrhunderts ist eine andere. In einer Mischung aus Animations- und Dokumentarfilm untermalen Frédéric Schuld und Fabian Driehorst die Erinnerungen eines Schornsteinfegers aus dem London des 19. Jahrhunderts mit bezaubernd fließenden Animationen. Die Worte des Schornsteinfegers vermitteln sich in ihrer ganzen Härte, auch aufgrund der gegensätzlichen Zartheit der Bildeindrücke. Die Spannungsdramaturgie lässt den Zuschauer mit dem Jungen, dessen subjektiver Blick durch die klaustrophobisch engen Kaminrohre nachempfunden wird, mitfiebern und im gemeinsamen Moment mit dem Vogel – als Symbol der Freiheit – ein klein wenig Hoffnung empfinden. Gerade deswegen wirkt auch die Ausweglosigkeit dieses historischen Kinderschicksals so unmittelbar. Ein unkonventionell gestalteter und eindringlicher Kurzfilm, dessen Form und Inhalt perfekt aufeinander abgestimmt sind.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Frédéric Schuld
Drehbuch:Frédéric Schuld; Fabian Driehorst,
Kamera:Frédéric Schuld,
Schnitt:Frédéric Schuld,
Musik:Frédéric Schuld,
Länge:5 Minuten
Produktion: Fabian & Fred GmbH Fabian Driehorst
FSK:6
Förderer:FFHSH

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Wir sehen ein Kind, das im Schornstein hochklettert und ein Vogelnest mit einem Küken entdeckt. Am Ende des Schornsteins angelangt, angesichts des freien Himmels, reicht er das Küken seiner Vogelmutter, einem Mauersegler. Ein Bild der Befreiung und zugleich der Hoffnung.

Harte Worte sind es zu Beginn des Films, mit denen der Zuschauer konfrontiert wird. Vor allem in England, aber auch in anderen Ländern der Erde, war es noch im 19.Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder wegen ihrer Größe in den Kaminen zum Putzen hoch klettern mussten. Ein Schornsteinfeger beschreibt die harte, schmutzige und für die Lungen besonders schädliche Arbeit. Eine sehr spezielle Form der Zeichnung und passende Farben im Wechsel von Hell zum Dunkel im Kamin ergänzen auf ideale Weise die harten und anklagenden Worte gegen Kinderausbeutung, ja Kindesrmissbrauch. Der Blick in eine vergangene Zeit in Europa lässt aber nicht vergessen, dass harte Kinderarbeit in vielen Ländern des Ostens, in Afrika und Südamerika auch heute noch bittere Realität ist. Auch wegen dieser, über den eigentlichen Film hinausgehenden Botschaft hat sich die Jury einstimmig für die Vergabe des Prädikates „besonders wertvoll“ entschieden.