Der Große Gatsby

Filmplakat: Der Große Gatsby

FBW-Pressetext

Als Nick Carraway im Jahr 1922 nach New York kommt, fühlt sich der junge Mann völlig überwältigt von der stetig wachsenden und pulsierenden Metropole. Magisch angezogen wird er dennoch von der Gesellschaft, in der man für Partys lebt und in der das Geld regiert. Im Zentrum dieses Kosmos steht Jay Gatsby, ein Selfmade-Millionär, der sich mit Geld alles kaufen kann. Bis auf seine große Liebe, Daisy Buchanan, die mit einem anderen verheiratet ist. Doch Gatsby glaubt weiter an seinen Traum, Daisy zurückzugewinnen. Koste es, was es wolle. F.Scott Fitzgeralds Roman über die amerikanische Gesellschaft der Roaring Twenties gehört zu den bekanntesten Werken der Moderne. Nun hat sich der australische Meisterregisseur Baz Luhrmann der Geschichte über Liebe, Hoffnung, Betrug und Enttäuschung angenommen. Meisterhaft und opulent setzt er, aus der Perspektive des Beobachters Nick, die Gesellschaft der oberen Zehntausend in Szene, mit schrillen Farben und Kostümen, ausschweifenden Partyszenen und jeder Menge Glamour, Glanz und Tempo. Doch im Innern der Geschichte steht die tiefe und doch aussichtslose Liebe zwischen Gatsby und Daisy, grandios verkörpert von Leonardo DiCaprio und Carey Mulligan. Zwischen all dem Glitzer und Schein sind es ihr Schmerz und ihre Sehnsucht, die den Zuschauer berühren. Luhrmann lässt die zeitlose Geschichte der großen Gefühle in einer kalten berechnenden Welt in neuem Licht erstrahlen. Groß, größer, Gatsby.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Literaturverfilmung
Regie:Baz Luhrmann
Darsteller:Leonardo DiCaprio; Tobey Maguire; Carey Mulligan; Isla Fisher; Joel Edgerton; Elizabeth Debicki; Callan McAuliffe; Amitabh Bachchan; Gemma Ward; Jason Clarke
Drehbuch:Baz Luhrmann; Craig Pearce
Buchvorlage:F. Scott Fitzgerald
Kamera:Simon Duggan
Schnitt:Jason Ballantine; Jonathan Redmond; Matt Villa
Musik:Craig Armstrong
Webseite:dergrossegatsby-derfilm.com;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:142 Minuten
Kinostart:16.05.2013
Verleih:Warner
Produktion: Bazmark Films, Red Wagon Productions;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Im gewohnten Stil seiner Überwältigungsästhetik hat sich Baz Luhrmann, der zu den Protagonisten des postmodernen Films zählt, einem der berühmtesten Romane der modernen US-amerikanischen Literatur angenommen. Postmoderne Ästhetik und moderner Roman, funktioniert das? Fast zwangsläufig drängt sich zudem die Filmadaption von 1974 auf, in der Robert Redford die Hauptrolle spielte. Schon Jack Claytons Film wurde indes vorgeworfen, der literarischen Vorlage nicht gerecht zu werden. Das ist zugegebenermaßen die Crux vieler Verfilmungen der Weltliteratur. Luhrmann bewies bereits 1996 mit ROMEO UND JULIA, dass er selbst einem der berühmtesten Werke der Literatur seinen Stempel aufzudrücken gewillt ist. In der Rolle des Romeo avancierte damals Leonardo DiCaprio zum Star. In DER GROSSE GATSBY, seinem erst fünften Spielfilm, arbeitete Luhrmann nach langer Zeit wieder mit DiCaprio zusammen, der schon lange zu einem der gefragtesten Schauspieler gereift ist. Den Gatsby spielt er mit Bravour und auch die anderen Darsteller wissen zu überzeugen: Tobey Maguire verkörpert als Nick Carraway einmal mehr den unverdorbenen American Boy, der sich mit den Abgründen der menschlichen Seele konfrontiert sieht. Und natürlich Carey Mulligan, deren Lächeln als Daisy ebenso tief ins Herz dringt wie ihr trauriger zerrissener Blick, der unsere Anteilnahme an den Irrungen und Wirrungen ihrer Gefühlswelt und unser Mitgefühl erregt.

Mit dem Roman hat Luhrmann gewiss einen passgenauen Stoff gefunden, um einmal mehr von der Liebe in einer Gesellschaft des Spektakels zu erzählen. Die Bildästhetik und die Ausstattung sind bemerkenswert. Doch einmal mehr muss sich Luhrmann auch den Vorwurf gefallen lassen, dass es ihm nicht vollends gelingt, die Zuschauer von seiner Suche nach dem authentischen Gefühl in einer Welt der Oberfläche und des Zitats zu überzeugen. Oft macht der Film hinter der Erlebnisgesellschaft Momente der Nähe spürbar, Augenblicke, in denen die Wahrheit hinter der Lüge zum Vorschein kommt. Dann brechen die Emotionen mit aller Wucht hervor, wie etwa in der beeindruckenden Szene, wenn es für Daisy darum geht, ob sie sich für ihren Mann Tom oder für Gatsby entscheidet. Unter der Oberfläche, so wie Luhrmann sie mit allen Mitteln, die das Medium Film zu bieten hat, zeigt, gibt es letztlich aber zu wenig zu entdecken. Die dezidierte Ästhetisierung erzeugt große Momente, aber auch zu viel Kitsch, um genügend Substanz für einen wirklich großen Film aufzuweisen. Trotzdem ist mit DER GROSSE GATSBY eine bildgewaltige und unterhaltsame Adaption eines Literaturklassikers gelungen.