Der fremde Sohn

Kinostart: 22.01.09
VÖ-Datum: 27.08.09
2008
Filmplakat: Der fremde Sohn

FBW-Pressetext

Eine Mutter sucht verzweifelt ihren Sohn, der auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Regisseur Clint Eastwood greift einen authentischen Fall aus den 20er Jahren auf und macht daraus einen perfekt inszenierten Thriller. Vom Städte- und Straßenbild, über Interieurs und Kleidung bis hin zu den filmischen Mitteln selbst, verortet er das gesamte Geschehen in der damaligen Zeit. Eastwoods spannender Kriminalfilm hat ein zeitloses Thema und zeigt eine moderne Protagonistin, die gleichzeitig den Filmdiven dieser Epoche auf wundersame Weise ähnelt. Ein cineastischer Hochgenuss mit einer hinreißenden Angelina Jolie.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama; Thriller
Regie:Clint Eastwood
Darsteller:John Malkovich; Angelina Jolie; Colm Feore; Jeffrey Donovan
Drehbuch:J. Michael Straczynski
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:142 Minuten
Kinostart:22.01.2009
VÖ-Datum:27.08.2009
Verleih:Universal
Produktion: Imagine Films Entertainment, Malpaso Productions, Relativity Media
FSK:12

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Erneut wird in seinem Alterswerk beeindruckend offenbar: Clint Eastwoods Oeuvre entwickelt sich stringent und sehr bewusst zu einem archäologischen Kino. Es sind Filme im Stil und Duktus der jeweiligen Jahrzehnte, in denen Eastwood seine Sujets findet und ansiedelt. Der fremde Sohn setzt ein am 9. März 1928 und endet im Jahre 1935!

Natürlich vollzieht sich das Beschwören einer Epoche zunächst einmal über eine akribische Rekonstruktion (von der Architektur, dem Kostüm, dem Straßenbild bis zum Design). Doch noch ehrgeiziger ist wohl Eastwoods Wollen, sich dem filmischen Erzählstil der betreffenden Zeit zu nähern, ja gleichsam eine Assimilation damit einzugehen. Das lässt sich unschwer an ganz konkreten Ausdruckstechniken des Mediums nachweisen, am Rhythmus von Kamerafahrten, an der Handhabung der Parallelmontagen, wie Rückblenden eingesetzt werden etc. Es sind cineastische Reminiszenzen abseits einer geschmäcklerischen l’art pour l’art–Ideologie. Dafür würde sich Eastwood schwerlich eignen.

Seine Hommage an Traditionslinien des Kinos beruht auf dem festen Glauben, ja auf der Gewissheit, dass diese Art des Erzählkinos lebendig geblieben und nach wie vor eine schier unverzichtbare Größe ist. Natürlich tritt auch Der fremde Sohn erneut den überzeugenden Beweis dafür an.

Der fremde Sohn überzeugt absolut mit seiner starken und komplexen Geschichte, wobei lange Zeit zwei Handlungsstränge autonom entwickelt werden, um sie schließlich zu verbinden. Auch das Mixen gleich mehrerer Genreprototypen geschieht auf leichte Weise, mit schöner Selbstverständlichkeit. Das Drama einer Mutter, ihre verzweifelte Suche nach dem verschwundenen Sohn und ihre Zweifel am fremden Sohn hat alle Tugenden eines starken Melodrams. Aber Eastwoods Film macht sich mühelos auch Elemente des psychologischen Thrillers, des Polizeifilms oder der Fallstudie eines paranoiden Serienmörders zu eigen. All diese Aspekte werden zu einem faszinierenden Gemälde zusammengefasst.

Der fremde Sohn ist auch wieder Kino der starken Gefühle, mit einem fast naiv anmutenden Glauben an die Möglichkeit der Katharsis von Menschen und Institutionen. Bei aller Düsternis im Detail, bei allem beschworenen Schrecken, die Hölle der psychiatrischen Anstalt, der Alp der Mordfarm, überwiegt am Ende das Prinzip Hoffnung. Auch der Leidensweg der Heldin mündet darin.

So ist auch der jüngste Eastwood verlässlich ein Credo des Regisseurs zum Film als moralische Institution.