Colonia Dignidad

Kinostart: 18.02.16
VÖ-Datum: 04.08.16
2015
Filmplakat: Colonia Dignidad

FBW-Pressetext

Lena und Daniel sind jung und verliebt. Doch das Glück der Stewardess und des Fotografen in Santiago de Chile währt nicht lange. Denn es ist 1973 und General Pinochet setzt gerade seinen Putsch gegen Präsident Allende erfolgreich durch. Als Daniel, der mit seinen Fotos die revolutionäre Studentenbewegung unterstützt hat, von Pinochets Männern verhaftet und verschleppt wird, ist Lena zunächst geschockt. Doch sie beschließt, ihn zu suchen und findet heraus, dass Daniel in die „Colonia Dignidad“ gebracht wurde, einer abgeschotteten deutschen Sekte im Süden des Landes. Die Colonia soll eng mit dem chilenischen Geheimdienst zusammenarbeiten und Gegner des Regimes bei sich verhören und foltern. Obwohl Lena klar ist, dass sie sich in größte Gefahr begibt, tritt sie der Sekte bei. Um Daniel zu finden und mit ihm zu fliehen. 1962 gründete Paul Schäfer seine „Kolonie der Würde“. Und erst nach dem Sturz der Pinochet-Diktatur 1990 wurde gegen den sadistischen Anführer der Sekte, der Menschen erniedrigte, sie mit Gewalt Zwangsarbeiten verrichten ließ und Kinder missbrauchte, Strafverfolgung angeordnet. Florian Gallenberger nimmt sich in COLONIA DIGNIDAD diesem dunklen Kapitel der chilenisch-deutschen Geschichte an. Doch Gallenberger vermittelt den harten Erzählstoff nicht mit dokumentarischen Bildern, sondern verpackt die Geschichte in ein spannendes, mitreißendes und bewegendes Drama, getragen von überragenden Darstellern. Daniel Brühl als Daniel ist Held, Opfer und Widerständler zugleich. Um in der Kolonie zu überleben, tarnt er sich als geistig Behinderter und kann so oftmals unerkannt, weil nicht ernstgenommen, nach Möglichkeiten der Flucht suchen. Die Rolle der starken Kämpferin, die für ihre große Liebe durch ein Höllental gehen muss, verkörpert Emma Watson mit beeindruckender Mischung aus Sensibilität und Entschlossenheit. Und Michael Nyqvist stellt Paul Schäfer mit exakt nuancierter Mimik in seiner ganzen charakterlichen Eiseskälte dar, sodass er seine Figur als das pure physische Böse erscheinen lässt. Gallenberger verzichtet auf explizite Gewaltdarstellungen und lässt doch, auch durch ein klug komponiertes Kamerakonzept, immer wieder das Grauen aufblitzen, welches sich in der Kolonie abgespielt haben muss. Auch Ausstattung, Kulisse und Maske erwecken den Schreckensort authentisch zum Leben. COLONIA DIGNIDAD ist ein packender Spielfilm, der einem Thriller gleich Spannung erzeugt. Und eine viel zu lang verschwiegene Geschichte erzählt, um an die Opfer zu erinnern, denen jahrzehntelang niemand Gehör schenken wollte. Dass die deutsche Politik im Jahr 2016 ihre Fehler eingestanden hat und sich seitdem vermehrt um eine Aufarbeitung der Ereignisse in der Colonia Dignidad bemüht, ist diesem wichtigen Film zu verdanken.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Florian Gallenberger
Darsteller:Daniel Brühl; Emma Watson; Michael Nyqvist; Richenda Carey; Vicky Krieps; Jeanne Werner; Julian Ovenden
Drehbuch:Florian Gallenberger; Thorsten Wenzel
Kamera:Kolja Brandt
Schnitt:Hansjörg Weißbrich
Musik:Fernando Velázquez; André Dziezuk
Webseite:;
Länge:110 Minuten
Kinostart:18.02.2016
VÖ-Datum:04.08.2016
Verleih:Majestic
Produktion: Majestic Filmproduktion GmbH, Rat Pack; Iris Productions; Rezo Productions;
FSK:16
Förderer:FFA; BKM; MBB; FFF Bayern; Media

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Im Stil der Polit-Thriller von Costa-Gavras („Z“, “Vermisst“, „Das Geständnis“) der 1970er Jahre führt uns Regisseur Florian Gallenberger in die Zeit des Militärputsches von General Pinochet in Chile. Der deutsche Fotograph Daniel als aktiver Unterstützer des gestürzten Präsidenten Allende und seine Freundin Lena, eine Lufthansa-Stewardess, geraten in den Strudel des Putsches. Daniel wird verhaftet, gefoltert und als scheinbar geistig Geschädigter in das hermetisch abgeschlossene Lager „Colonia Dignidad“ im Süden Chiles verschleppt. Lena begibt sich daraufhin freiwillig in das Lager, mit dem Ziel, Daniel dort herauszuholen.

„Colonia Dignidad“ existierte schon seit 1961, also lange vor der Diktatur Pinochets, und bot Stoff für geradezu legendenhafte Erzählungen über seinen Leiter, den deutschen Laienprediger Paul Schäfer, und seine Schreckensherrschaft über die in seinem diktatorisch geleiteten Staat im Staate gefangen gehaltenen Kinder, Frauen und Männer, die nach seinen selbst ernannten Regeln zu leben und zu arbeiten hatten.

Mit einer knappen und gut montierten Mischung aus Spiel-und Dokumentarszenen führt der Film uns in die Historie Chiles von Allende, den Machenschaften amerikanischer Politik-und Wirtschaftsinteressen, von Willkür und Gewalt der Diktatur Pinochets und dem verzweifelten Suchen von Menschen nach ihren verschleppten und vielleicht gefolterten und getöteten Familienmitgliedern ein. Dramaturgisch chronologisch dann die Erzählung der Leidens- und Fluchtgeschichte von Lena und Daniel im Lager, spannend wie ein Thriller.

Das sehr gute Drehbuch, für dessen ausführliche Recherche der Regisseur selbst entscheidend mit verantwortlich war, gibt uns dann auch den sehr präzisen, nüchternen und harten Blick auf die Lagewirklichkeit und die entsetzliche Tatsache, dass Paul Schäfer seine „Colonia Dignidad“ den Pinochet-Schergen auf brutale Weise als Zentrum zur Verschleppung, Folterung und Tötung der Regimegegner zur Verfügung stellte. Dass selbst die deutsche Botschaft in Santiago mit Pinochet paktierte, war eine weitere bittere Erkenntnis der Geschehnisse.

Emma Watson als Lena und Daniel Brühl als Daniel können in ihren Rollen bestens überzeugen, wie auch Michael Nyqvist als Paul Schäfer.
Akzeptiert man die traditionelle Thriller-Dramaturgie der 1970er Jahre als inszenatorisches Stilmittel, verfügt der Film nicht nur über einen guten Spannungsbogen, sondern ist ein historisch und politisch wichtiges Werk mit großem informativem Wert.