Borga

Kinostart: 28.10.21
2020
Filmplakat: Borga

FBW-Pressetext

Ein wichtiger Film über ein hochrelevantes Thema. Kraftvoll, wahrhaftig und eindrucksvoll gespielt.

Kojo ist ein junger Mann aus Ghana. Als er nach Deutschland auswandert, will er um jeden Preis seiner Familie beweisen, wie weit er es bringen kann. Doch seine neuen Pläne in der Fremde ziehen ungeahnte Konsequenzen nach sich. Der Debütfilm von York-Fabian Raabe erzählt seine hochrelevante Geschichte als intensives und vielschichtiges Drama.

Als ein Schicksal von vielen erzählt York-Fabian Raabe seine Geschichte, die vor allem deshalb so bewegt, weil sie authentisch eingefangen wird, mit einem genauen und wahrhaftigen Blick für feine zwischenmenschliche Nuancen und die realen Vorgänge in Ghana. Der Film vermeidet Augenwischerei, öffnet aber dennoch den Blick für das ganzheitliche Bild eines stolzen Landes, mit all seinen Schattenseiten, aber auch seiner Schönheit. Zusammen mit dem Protagonisten Kojo, kraftvoll gespielt von Eugene Boateng, begleitet man als Zuschauer*in seinen schwierigen Weg und taucht tief ein in die Ausweglosigkeit, die auch die anderen Figuren erleben. Wie etwa Kojos Bruder Kofi, der nicht mit nach Deutschland geht und zuhause die Existenz der Familie sichern muss, während er sich vielen Anfeindungen aus der Community aufgrund des „Borgas“ was soviel wie „reicher Verwandter aus dem Ausland“ heißt, konfrontiert sieht. Oder die deutsche Ärztin, überzeugend dargestellt von Christiane Paul, die sich in Kojo verliebt, aber erkennen muss, dass eine Beziehung erst möglich ist, wenn er mit seiner Familie Frieden gefunden hat. Auch weil Kojo viel zu tief in seinem Land verwurzelt ist. BORGA, der auf dem diesjährigen Max-Ophüls-Festival unter anderem den Preis als gesellschaftlich relevanter Film erhielt, erfüllt diesen Anspruch nicht nur aufgrund der wichtigen und aktuellen Thematik, die eng auch mit uns verbunden ist. Sondern auch aufgrund seiner filmischen Kraft, die auf Bild- und Tonebene eine große Kinoästhetik erschafft.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:York-Fabian Raabe
Darsteller:Eugene Boateng; Christiane Paul; Jude Arnold Kurankyi; Lydia Forson; Adjetey Anang; Ibrahima Sanogo; Jerry Kwarteng; Prince Kuhlmann; Thelma Buabeng; Helgi Schmidt
Drehbuch:York-Fabian Raabe; Toks Körner
Kamera:Tobias von dem Borne
Schnitt:Kaya Inan; Bobby Good; Edd Maggs
Musik:Ben Lukas Boysen; Tomer Moked
Webseite:borga-themovie.com;
Weblinks:;
Länge:109 Minuten
Kinostart:28.10.2021
Verleih:24 Bilder
Produktion: Chromosom Filmproduktion, East End Film; TD Afrique Films;
FSK:12
Förderer:MFG Baden-Württemberg; BKM; DFFF; MDM; HessenFilm und Medien

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Kojo wächst mit seiner Familie in ärmlichen Verhältnissen in Ghanas Hauptstadt Accra auf. Er und sein Bruder Kofi helfen im Betrieb ihres Vaters beim Sammeln von Metallen, die sie aus Elektroschrott gewinnen, der mit Containern aus Europa angeliefert wird. Zusätzlich wollen sie beim Sammeln auf der nahen Elektroschrott-Müllhalde noch ein persönliches Zubrot gewinnen, was ihr Vater aber verhindern will. Er setzt auf Bildung und sorgt dafür, dass seine Söhne in der Schule Lesen und Schreiben erlernen. Eines Tages lernt Kojo einen sogenannten „Borga“ kennen, einen Landsmann, der es angeblich im Ausland zu großem Wohlstand gebracht hat, was ihn nachhaltig beeindruckt. Zehn Jahre später unterstützt Kojo, mittlerweile ein stattlicher Mann, seine Familie immer noch mit seiner Arbeit auf der Müllhalde. Als sein Jugendfreund Nabil von seinem Onkel Ebo in Deutschland, einem reichen Borga, berichtet, lässt sich Kojo von ihm überreden, die gefährliche Reise nach Deutschland mitzumachen, die Nabil das Leben kosten wird. Erst vier Jahre später wird Kojo Deutschland erreichen und Nabils Onkel in Mannheim finden, der allerdings sein Leben im Wohlstand dort nur vorgetäuscht hatte. Kojo landet zunächst als Obdachloser auf der Straße, ehe er durch Zufall Arbeit von seinem Landsmann Bo erhält – das Sammeln von Elektroschrott und diesen in Containern nach Ghana zu verschiffen. Ausgestattet mit falschen Papieren fungiert er zusätzlich als Drogenkurier zwischen Ghana und Deutschland. Als er als „Borga“ nach Accra zurückkehrt, wird er dort aber nur Ablehnung als Verräter der Heimat erfahren.
In vielen Dokumentarfilmen haben wir die leidvollen Fluchtgeschichten von Menschen aus Afrika erfahren, die wegen Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit, wegen Terror und Krieg ihre Heimat verlassen, um ein besseres Leben in Europa zu finden. Die Jury begrüßte es sehr, dass sich mit BORGA ein Spielfilm des so wichtigen Themas annahm. Dramaturgisch geschickt stellt der Film mit Kojo eine Figur in den Mittelpunkt der Geschichte und erzählt dessen bewegte Reise, die der Zuschauer mit Spannung mitgeht. Eine Reise mit vielen Enttäuschungen und bitteren Erfahrungen, die ihn aber auf den richtigen Weg führen wird. Und man freut sich mit ihm, dass er es schafft, letztlich an das Ziel seiner Träume zu gelangen. Diese Lebensreise beschränkt sich im Film auf seine Jugendzeit in Ghana und seine Zeit in Mannheim bis zur Rückkehr in seine Heimat. Die vier Jahre seiner Flucht-Odyssee von Ghana nach Deutschland blendet das Drehbuch vollkommen aus, was man aber auch aus unzähligen anderen Filmen zu Genüge kennt. Bemerkenswert ist der Blick des Films auf Afrika, mit schöner Kameragestaltung und perfekter Inszenierung: Ein liebevoller Blick auf ein schönes Land, das auch dem Leben in Armut noch Positives abzugewinnen vermag: Werte von Familie und Heimatgefühl. Eugene Boateng als Kojo und Christiane Paul als Lina, zu der Kojo eine gewisse Zeit eine schöne Beziehung erfahren darf, spielen ihre Rollen hervorragend. Insgesamt ein bewegender und gleichermaßen wahrhaftiger Film.