Black Book

Filmplakat: Black Book

FBW-Pressetext

Intelligentes Unterhaltungskino mit einer sensationellen Hauptdarstellerin von einem Regisseur, der wegen Provokation und Kommerz bei manchen Filmkritikern unter Vorbehalt steht, sich aber spätestens mit diesem gehaltvollen Film bestens rehabilitiert. 142 spannende Minuten bietet Paul Verhoevens Drama aus dem Widerstand gegen die deutsche Nazi-Besatzung. Die moralischen Grenzen verschwimmen, es gibt keine einfachen Wahrheiten.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Thriller; Spielfilm
Regie:Paul Verhoefen
Darsteller:Carice van Houten; Sebastian Koch; Thom Hoffman
Drehbuch:Paul Verhoeven
Länge:146 Minuten
Kinostart:10.05.2007
Verleih:NFP
Produktion: Fu Works, Fu Works Productions; Motel Films; Clockwork Pictures; Egoli Tossell; ViP Medienfonds 4;
FSK:16

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Film beginnt mit einem konventionellen dramaturgischen Effekt: In einer kurzen Rahmenhandlung lernt der Zuschauer die Protagonistin Ellis de Vries/Rachel Stein in einem Kibuz in Israel kennen, wo überraschend eine Freundin aus früheren Tagen auftaucht. Dann springt der Film unmittelbar in seine Geschichte, später erst erschließt sich der Grund für dieses filmische Mittel. Die Story des Films, authentisch dem titelgebenden schwarzen Buch eines Zeitzeugen entnommen, entwickelt sich um die Hauptfigur Ellis, eine junge Sängerin und Jüdin. Der Film folgt ihrer Flucht durch Holland. Zunächst nur vereinzelt, dann immer stärker werden kriegerische Zustände dargestellt - Gefechte, Bomben, Flucht. Exekutionen durch Verrat von Kollaborateuren, aber auch einige erotische Szenen vermitteln einen Eindruck der Kriegsjahre in Holland.

Der Film folgt als Genrefilm seinen Gesetzen. Er wirkt routiniert, spannend, perfekt, gelegentlich kolportagehaft. Er schildert die Moral dieser Jahre kurz vor und nach Ende des Krieges im besetzten Holland. Während ein Jurymitglied die holzschnittartige Vorgehensweise als undifferenziert empfand, sahen andere positiv, dass hier nicht eine Moral gezeigt wird, die nirgends mehr vorhanden war in diesen Jahren. Jeder sorgte für sich und die Seinen. Juden, Christen, Stalinisten - jeder traute nur seinen Leuten. Der Widerstand wird nicht nur als moralische Unternehmung geschildert, sondern dient im Film auch dem Suspense, was ihn nicht weniger anspruchsvoll und für einen als Thriller angelegten Film überraschend tiefgründig erscheinen lässt.

In zahlreichen Wendungen erlebt der Zuschauer, wie wenig irgendeinem der Protagonisten zu trauen ist. Diese Tatsache legt er auch dem Recht und Gerechtigkeit vertretenden Anwalt Smaal in den Mund, der einmal zu Ellis sagt: „Trau keinem in diesen Zeiten.“ Der großen Zahl der Menschen, die in diesem vermutlich derart moralisch ambivalent vor zehn Jahren nicht realisierbaren Film auf verschiedenen Seiten um ihr Leben kämpfen, wird angemessene Aufmerksamkeit in der Charakterisierung zu Teil. Der Film arbeitet geschickt mit unterschiedlichen Ebenen und setzt die genretypischen Klischees gekonnt zum Verständnis der Geschichte ein. Damit geht er über den Anspruch eines Thrillers hinaus, was auch die FBW-Jury veranlasste das höchste Prädikat zu vergeben.

Die grundsätzliche Frage im Rahmen der Diskussion, ob ein Thriller dem Thema Holocaust, Krieg und Vernichtung gerecht werden kann, war auch dieses Mal nicht endgültig zu beantworten. Sie wird umstritten bleiben und wohl nur individuell zu beantworten sein.