Bis zum Horizont, dann links!

Kinostart: 12.07.12
2012
Filmplakat: Bis zum Horizont, dann links!

FBW-Pressetext

Für viele Bewohner des Seniorenheims „Abendstern“ ist eines klar: Das Leben ist so gut wie vorbei. Die letzte Station ist erreicht und der Alltag sieht nicht gerade verlockend aus. Das denkt sich vor allem auch Herr Tiedgen, den die albernen Spieleabende und der ständig gleich getaktete Tagesablauf nach und nach zermürben. Als dann eines Tages ein Rundflug mit einer ausrangierten Passagiermaschine auf dem Veranstaltungsplan steht, sieht Tiedgen seine Chance gekommen. Zu einem letzten waghalsigen und spektakulären Abenteuer. Dass man ab einem bestimmten Alter für die Gesellschaft zum ausrangierten Außenseiter abgestempelt wird, ist eine Tatsache, die in Bernd Böhlichs Film zu Recht angeprangert und, auf sehr amüsante Weise, auch korrigiert wird. Denn die rüstigen Senioren, die von einem starken und bekannten Darstellerensemble verkörpert werden, stehen für den nie endenden Wunsch nach Leben, Spaß und Abenteuer. Allen voran zeigt Otto Sander in einer Paraderolle, was selbst im hohen Alter an Spielfreude, Ausstrahlung und kreativen Ideen noch möglich ist. Wunderschöne Außenaufnahmen des historischen Flugzeugs auf seinem Weg zum Mittelmeer runden dieses Filmvergnügen stimmungsvoll ab. Hier gehört wirklich niemand zum alten Eisen!

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Bernd Böhlich
Darsteller:Otto Sander; Angelica Domröse; Ralf Wolter; Anna Maria Mühe; u.a.
Drehbuch:Bernd Böhlich
Kamera:Florian Foest
Schnitt:Esther Weinert
Musik:Andreas Hoge
Webseite:biszumhorizontdannlinks.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:93 Minuten
Kinostart:12.07.2012
Verleih:Neue Visionen
Produktion: Mafilm Film- und Fernsehproduktions GmbH, Mücke Frehse Filmproduktion; cine plus Media Service; RBB;
FSK:0
Förderer:MBB; DFFF; MDM; Deutscher Filmförderfonds; MEDIA-Programm der EU

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Es ist ein gut bewährtes Rezept, gesellschaftliche Probleme in der Form einer Komödie anzusprechen. So kann man im Detail von Missständen erzählen, den Opfern ein Gesicht geben und gleichzeitig unterhalten. In BIS ZUM HORIZONT, DANN LINKS geht es darum, wie in einer modernen Wohlstandsgesellschaft mit alten Menschen umgegangen wird. Viele der Bewohner des Seniorenheims „Abendstern“ fühlen sich von ihren Familien abgeschoben, und mit der jüngsten „Insassin“ Annegret Simon lernen wir am Anfang des Films ihre Familie, das Heim, die anderen Bewohner, die dort arbeitende Schwester und die resolute Heimleiterin kennen. Nach dieser halbwegs realistischen und ökonomisch erzählten Exposition bekommt der Film schnell einen märchenhaften Ton, wenn der rebellische Herr Tiedgen bei einem organisierten gemeinsamen Rundflug das Flugzeug (mit der Junkers-Ju passenderweise ebenfalls ein altes Stück) entführt, um noch ein letztes großes Abenteuer zu erleben. Dass da einige Szenen hart am Rande des Klamauks vorbeisegeln und einige Löcher in der Erzählung klaffen (die Besatzung verwandelt sich allzu plötzlich von Entführungsopfern zu Mittätern), verzeiht man den Filmemachern gerne. Auch dass man sich für die obligatorische Liebesgeschichte dann doch wieder bei den jüngeren Filmfiguren bedient, ist eine nachvollziehbare, wenn auch ein wenig halbherzige Entscheidung. Anna Maria Mühe und Robert Stadlober sind ein schönes Paar, aber sie werden natürlich von dem wunderbar zusammengesetzten und agierenden Ensemble mit deutschen Schauspielgrößen an die Wand gespielt. Angelica Domröse, Ralf Wolter, Tilo Prückner und vor allem Otto Sander sind offensichtlich inspiriert von dem Stoff und ihren Rollen. Man sieht ihnen durchweg gerne zu und gönnt ihnen von Herzen den kleinen subversiven Ausbruch. So wird auch Tiedgens großer Monolog, in dem die ganze Problematik noch einmal verdichtet formuliert ist, durch die Intensität und dasPathos im Spiel von Sanders zu einem der berührendsten Momente des Films.