Barbie

Kinostart: 20.07.23
VÖ-Datum: 26.10.23
2023
Filmplakat: Barbie

FBW-Pressetext

Mit einem Drehbuch voller doppelbödigem Witz, einem Ensemble in Topform und seinem Female Empowerment ist Greta Gerwigs BARBIE ein filmisches Vergnügen – ganz in Pink!

Das Leben in Barbieland ist sonnig, harmonisch, einfach wunderbar. Alle Barbies sind erfolgreich als Ärztin, Präsidentin, Astronautin und werden von ihren Kens bedingungslos angehimmelt. Doch eines Tages denkt die „stereotypische“ Barbie, bei der immer alles makellos ist, plötzlich an den Tod. Als nächstes fällt sie vom Dach ihres Traumhauses. Und ihre Füße landen auf dem Boden. Komplett! Mit den Fersen! Um ihre Probleme zu beheben, wird Barbie in die reale Welt geschickt. Dort soll sie nach dem Mädchen Ausschau halten, dessen Spielzeug sie ist. Nur so kann Barbie wieder „funktionieren“. Da er ohne seine Angebetete nicht leben kann, kommt Ken einfach mit. Und das ist für Barbie keine große Hilfe.

Greta Gerwig, Noah Baumbach – und Barbie? Dass diese ungewöhnliche Kombination ganz großartig zusammenpasst, beweist der Film in jeder Einstellung. Die detailverliebte Ausstattung, die die pinkfarbene Kunststoffwelt eines der beliebtesten Spielzeuge auf die große Leinwand überträgt, liefert die perfekte Bühne für eine tatsächlich emanzipatorische Geschichte – die dazu riesengroßen Spaß macht. Gerwig und Baumbach lassen in ihrem exzellenten Drehbuch und der kongenialen Inszenierung genügend Platz für überdrehten Slapstick und augenzwinkernden Dialogwitz, erlauben aber auch doppelbödige Momente mit Tiefgang. Das Ensemble ist bis in die Nebenrollen stargespickt: Von Will Ferrell als überspannter Mattell-CEO über Michael Cera als Alan (aka „Kens Freund“) bis hin zu America Ferrara, die als Frau aus der realen Welt kommt, um Barbieland zu retten, sowie Kate McKinnon als „Komische Barbie“, mit der etwas zu wild gespielt wurde, die aber genau dadurch die Dinge klarer sieht als andere. In magischer Perfektion angeführt wird der Cast von Margot Robbie und Ryan Gosling als Barbie und Ken. Die Wandlung von der glatten Nichtigkeit eines Abziehbilds hin zu einem Menschen mit Wünschen und Träumen verkörpert Robbie allein durch ihr ausdrucksstarkes Gesicht. Dazu passend stülpt sich Gosling förmlich Kens Wesen über – in einer Mischung aus welpenhafter Unschuld, Naivität und Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. Neben dem launemachenden Power-Soundtrack, der großartigen Synchronisation sowie der ausgeklügelten Kostüm- und Kameraarbeit bringt vor allem ein Aspekt den Film zum Glänzen: Das mutmachende Empowerment für alle kleinen und großen Mädchen dieser Welt. Der Film feiert die Kraft, die Stärke, den Witz und die Klugheit der Frauen auf eine Art, die einfach alle Zuschauenden – ob Frau oder Mann - mit einem glücklichen Strahlen das Kino verlassen lässt.

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm; Fantasy; Abenteuerfilm
Regie:Greta Gerwig
Darsteller:Margot Robbie; Will Ferrell; Ryan Gosling; Emma Mackey; Michael Cera; Rhea Perlman; Ariana Greenblatt; Issa Rae
Drehbuch:Noah Baumbach; Greta Gerwig
Kamera:Rodrigo Prieto
Schnitt:Nick Houy
Musik:Alexandre Desplat
Webseite:warnerbros.de;
Jugend Filmjury:Lesen Sie auch, was die Jugend Filmjury zu diesem Film sagt...
Weblinks:kinofans.com;
Länge:115 Minuten
Kinostart:20.07.2023
VÖ-Datum:26.10.2023
Verleih:Warner
Produktion: Heyday Films, LuckyChap Entertainment; Mattel Films; Warner Bros.; Mattel;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein Film, im dem die berühmteste Puppe der Welt die Hauptrolle spielt, die zudem seit jeher wegen falscher Schönheitsideale in der Kritik steht - und das ausgerechnet in Zusammenarbeit mit dem Hersteller, dem global agierenden Spielzeug-Giganten Mattel: Greta Gerwigs mit Spannung erwarteter Film BARBIE bietet nun wahrlich genug Ansatzpunkte, an denen das Werk gründlich hätte schiefgehen können. Zumal, da die Filmemacherin sonst bisher nicht gerade für Mainstream-kompatibles Sommer-Blockbuster-Kino steht, sondern eher für blitzgescheite und für weilen auch sperrige Arthouse-Filme. Umso schöner, dass der Film nicht nur alle Fettnäpfchen vermeidet, sondern darüber hinaus auch kluge, ironische, knallbunte Unterhaltung bietet, die irre viel Spaß macht und gleichzeitig zum Nachdenken anregt - und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Es ist schlichtweg sensationell, wie Gerwig und ihr Kameramann Rodrigo Prieto die knallbunt-pinke Traumwelt des „Barbieland“ in kongeniale Bilder übersetzen: Die Häuser, die Autos, die Möbel, Wohnutensilien und sogar sämtliche Lebensmittel sind haargenau der durchdesignten Plastikwelt Barbies entnommen. Und der Film lässt kaum eine Gelegenheit aus, diese Traumwelt mit genau beobachteten Bildern und kleinen Spitzen gegen den Fake-Charakter auf die Schippe zu nehmen und diese als idealisiert-naiven Hort einer feministischen Wohlfühlphantasie ohne rechten Bezug zu den Schwierigkeiten der Realität zu karikieren.

Hinzu kommt ein äußerst kluges Drehbuch (Greta Gerwig und Noah Baumbach), das vor Einfällen und klugen Dialoge nur so strotzt, musikalische Musical-Einlagen zu eigenes komponierten Songs, für die unter anderem der Musikproduzent Mark Ronson verantwortlich zeichnet und die Superstars wie Billie Eilish, Matchbox Twenty, Dua Lipa und viele andere mehr versammeln.

Das alles ist wunderbar gespielt, hin- und mitreißend inszeniert (neben Margot Robbie glänzt hier Ryan Gosling als blondiertes und intellektuell recht schlichtes Muskelpaket Ken), hat Tempo, Dialogwitz und eine nicht zu komplizierte, aber recht eindringliche Botschaft, die gerade in unseren Tagen wieder mehr Beachtung verdient. Und Hut ab auch vor Mattel, das bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Unternehmen (herrlich: Will Ferrell als CEO) viel an Selbstironie zulässt, was man sonst bei Filmen, bei denen eigentlich Produkte im Mittelpunkt stehen, nicht unbedingt in dieser unverblümten Form so findet.

Ein Film, in den hoffentlich nicht nur Mädchen und Frauen strömen werden. Denn der Männerwelt hat Greta Gerwig auch einiges mitzuteilen. Und vielleicht ist BARBIE jetzt schon ein Kultfilm.

Die Jury der FBW erteilte Barbie in einstimmigem Votum das Prädikat „besonders wertvoll“.