American Gangster

Kinostart: 15.11.07
2007
Filmplakat: American Gangster

FBW-Pressetext

Dramaturgisch hervorragend entwickelt, überaus elegant inszeniert und spannend bis zur letzten Minute knüpft Regisseur Ridley Scott nahtlos an die besten Werke des Genres Gangsterfilm an. Denzel Washington gibt eine glänzende Vorstellung als „Pate“. Russel Crowe als sein Gegenspieler bietet eine interessante Underdog-Darstellung. Ein Film über den Fortschritt: Im Verbrechen spiegelt sich die Gesellschaft, im Geschäftsleben muss man eben bereit sein, über Leichen zu gehen.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Gangsterfilm
Regie:Ridley Scott
Darsteller:Cuba Gooding jr.; Russell Crowe; Denzel Washington; Chiwetel Ejiofor; Josh Brolin
Drehbuch:Steven Zaillian
Kamera:Harris Savides
Schnitt:Pietro Scalia
Musik:Marc Streitenfeld
Webseite:americangangster.net;
Weblinks:universal-pictures-international-germany.de; imdb.de; filmsortiment.de;
Länge:156 Minuten
Kinostart:15.11.2007
Verleih:Universal
Produktion: Universal Pictures International Germany GmbH, Imagine Entertainment; Relativity Media; Scott Free Productions;
FSK:16

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

„American Gangster“ ist spannend gemachtes, intelligentes Unterhaltungskino in der bester Tradition von Filmen wie „Scarface“ oder einer schwarzen Harlem-Variante von „Der Pate“. Der elegant inszenierte und erzählte Film entstand auf der Basis eines Tatsachenberichts aus dem New York der Endsechziger.

Während die alten New Yorker Mafia-Clans ihr Kerngeschäft im Glücksspiel und schwarz gebranntem Alkohol sahen und sich vom Drogenhandel angewidert abwandten, schwangen sich damals in den überwiegend schwarzen Vierteln von New York zunächst kleine, dann immer mächtiger werdende Gangster zu Drogenbaronen auf. Der Afroamerikaner Frank Lucas, grandios und oscarverdächtig gespielt von Denzel Washington, pflegt wie sein großes Vorbild, der Gangsterboss „Bumpy“, dessen Fahrer und Vertrauter er bis zu dessen Tod war, ein familiäres Verhältnis zu seiner „Community“, zu seinem Viertel um die Ecke. Als guter Junge aus der Nachbarschaft verteilt er zum Erntedankfest auch schon mal Lastwagenladungen von tafelfertigen Truthähnen an die Bedürftigen, was nicht darüber hinweg täuschen kann, dass der treusorgende Familienvater mit seinen Drogen viel Elend über die Menschen bringt und daran prächtig verdient. Möglich ist ihm dies durch seinen konkurrenzlos günstigen Preis für qualitativ hochwertiges Heroin, das er direkt aus dem Dschungel Asiens importiert und so den Zwischenhandel umgeht.

So im Film noch nicht gesehen ist der Transportweg der Drogen, die unter Umgehung von Zoll und Polizei tonnenweise per Luftfracht durch geschmierte Offiziere der US-Armee kostengünstig in die USA eingeflogen werden. Der dadurch vergleichsweise günstige Abgabepreis des Stoffs, der unter der Bezeichnung „Blue Devil“ zum im wahrsten Sinne des Wortes „geschützten“ Markennamen wird, bringt naturgemäß Neider - auch in der gehobenen weißen kriminell-bürgerlichen Gesellschaft in Nadelstreifenanzügen- auf den Plan, die der sympathische Gangsterboss Frank Lucas im Rahmen seines inzwischen gewaltig gewachsenen Familienunternehmens geschickt für eine nationale Expansion einbindet.

Gegenspieler des „American Gangster“ ist der schmuddelige Underdog Richie Roberts, sensationell und zunächst wenig heldenhaft verkörpert von Russel Crowe. Ihm gelingt es in dieser Rolle bravourös, sich von seinem Heldenimage zu lösen und die Niederungen des Polizeidienstes zu zeichnen, die von mangelnden Aufstiegsmöglichkeiten und statt dessen von Bestechungsempfänglichkeiten gekennzeichnet sind. Mit Berufsethos für Recht und Gerechtigkeit einzutreten, scheint nur von wenigen Polizisten befolgt zu werden, immerhin stehen zwei Drittel der Polizeiangehörigen auf den Bestechungslisten der Drogenbarone. Die Kunst für die Ganoven scheint es nur zu sein, den richtigen Cop zur richtigen Zeit im passenden Territorium zu schmieren.
Auch Russel Crowe empfiehlt sich mit seiner intensiven und nachvollziehbar glaubwürdigen Schauspielerleistung für die anstehende Auszeichnungssaison, die von den US-Kritikerpreisen über die Golden Globes zu den Oscars im nächsten Februar führt.

Schwer in der Waagschale wiegt die politische Korrektheit der Geschichte, in der sich Frank Lukas als Farbiger selbst zum Oberschurken stempelt. Gerade weil er - wie weiland Don Corleone, als treu sorgendes Familienoberhaupt, der keine Affären eingeht und dem die öffentliche Show und Prahlerei zu wider sind - bis in die Details genau und scharf umrissen gezeichnet wird, nähert man sich ein einer durchaus sympathischen Verbrecherfigur. Dem erfolgreichen Geschäftsmann gegenüber steht lediglich ein heruntergekommener Vertreter von Recht und Ordnung, über den selbst die Dezernatskollegen die Nase rümpfen, weil er pflichtgemäß eine große Verbrecherbeute im Polizeipräsidium abgibt, statt diese still zu behalten und im System von Bestechung und Korruption mitzuspielen.

Regisseur Ridley Scott gelingt es mit diesem Meisterwerk, an seine größten Erfolge anzuknüpfen. Vor dem Hintergrund einer intelligent erzählten Geschichte wird über rund zweieinhalb Stunden ein Spannungsbogen aufgebaut, der keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Dabei aber versäumen Dramaturgie und Inszenierung nicht, auch die Drogenopfer ins Bild zu bringen, was die Sympathie für die Hauptfigur relativiert und relativieren muß. Die ist ein besonderer Verdienst des Films, den man so bisher nur bei wenigen Mafia und Bandenfilmen, in denen nur die Action regiert, registrieren konnte.

Ridley Scott erzählt spannend und atmosphärisch dicht, mit atemberaubenden kinogerechten Bildern, die überwiegend an Originalschauplätzen in New York, Bangkok und an den Drogenanbauplätzen in Asien gedreht wurden. Der visuell opulente Film vermeidet jede Protzerei und jeden Manierismus, er wirkt im Stil überaus elegant, ohne auch nur eine Sekunde pompös zu sein. Dafür sorgt auch das Drehbuch von Steve Zaillan, der für seine Vorlage für „Schindlers Liste“ zu recht mit dem Oscar bedacht worden war.
Der hervorragende Soundtrack bietet stimmungsvolle Musik, dem Kolorit der Zeit entsprechend. Sie ist Teil des atmosphärischen Korsetts, durch das sich man mühelos in die Zeit zurückversetzen und in die spannende Geschichte eintauchen kann. Dokumentarische Bilder des Vietnamkriegs oder des legendären Boxkampfs zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier illustrieren geschickt den kulturellen wie politischen Hintergrund der Zeit und saugen den Betrachter in eine Geschichte hinein, in der man lange nicht weiß, auf wessen Seite der Erzähler sich wohl schlägt.

„American Gangster“ ist ein Film, der lange nachwirkt und für Gesprächsstoff in der Kneipe danach und auch für Anschauungsmaterial in der Schule taugt, weil er zudem auch ein Antidrogenfilm ist, der dem, der es wissen will unmissverständlich zeigt: „It’s all Business“ – alles nur eine Frage des Geschäfts, bei dem die Drogenbarone von weißer, schwarzer oder gelber Hautfarbe auf der einen Seite des Tresens stehen und kassieren und die Drogenkonsumenten auf der anderen Seite, so lange wie sie zahlen oder sich (gesundheitlich) auf den Beinen halten können.

Dankenswerterweise verzichtet Ridley Scott hier, auf die Mitleidstaste für die Opfer zu drücken, wie es ein normaler Hollywoodfilm unweigerlich mit zuckersüßem Musiküberguss vorgeschrieben hätte. Stattdessen spart der Film nicht mit Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und am American Way of Life, in dem es möglich ist, dass US-Präsident Richard Nixon in einer Fernsehansprache die Drogen als den größten Feind der Nation bezeichnet und zur gleichen Zeit die ihm als Oberbefehlshaber unterstellte US-Armee die tödliche Drogenfracht per Militärflugzeug quasi erster Klasse in die USA transportiert.

Dramaturgisch hervorragend entwickelt, spannend bis zur letzten Minute, knüpft dieser Film nahtlos an die besten Werke des Genres Gangsterfilm an. „American Gangster“ sollte für die Beteiligten von Drehbuch, Kamera und Regie, die Ausstattung und die Musik und für die beiden genial besetzten Hauptdarsteller zumindest die Nominierung für die Spitzenpreise der Filminstitutionen und Akademien wert sein, auch wenn das eine oder andere Akademiemitglied den Film wegen denkbarer Vorwürfe „antiamerikanischer“ Tendenz möglicherweise weniger schätzen wird.