Almanya - Willkommen in Deutschland

Kinostart: 10.03.11
VÖ-Datum: 06.10.11
2011
Filmplakat: Almanya - Willkommen in Deutschland

FBW-Pressetext

Hüseyin Yilmaz kommt in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Kurze Zeit danach holt er seine Frau und drei Kinder zu sich und baut ihnen ein Zuhause in der „neuen“ Heimat. Zwei Generationen später hat er nur einen Wunsch: Er will zurück nach Anatolien und kauft dort kurzerhand ein Haus. Und da die Familie nun einmal das wichtigste ist, begeben sie sich alle zusammen auf eine Reise in die Türkei und in ihre Vergangenheit. Die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli, bekannt mit TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER, erzählen die Migrations-Komödie leicht und augenzwinkernd. Dabei gelingt es ihnen, auf jede Figur einen liebevollen Blick zu werfen und so eine wirkliche Einheit der teils recht unterschiedlichen Familienangehörigen zu schaffen. Angereichert mit fantasievollen fast schon surrealen kleinen Ideen werden die Tugenden orientalischer Kultur zur Geltung gebracht. Changierend zwischen heiteren und melancholischen Momenten entwickelt der Film eine berührende Tiefe. Die opulente Musik unterstützt die wunderbare multikulturelle Atmosphäre des Films. Passend ausgewählte Archivaufnahmen binden die Fiktion in die Realität ein und kehren die Problematik von Ressentiments amüsant um. Deutsch-türkische Geschichte: humorvoll, unterhaltsam und mit bewegendem Tiefgang.

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Yasemin Samdereli
Darsteller:Fahri Yardim; Vedat Erincin; Demet Gül; Lilay Huser; Rafael Koussouris; Aylin Tezel; Denis Moschitto; Petra Schmidt-Schaller
Drehbuch:Nesrin Samdereli; Yasemin Samdereli
Kamera:Ngo The Chau
Musik:Gerd Baumann
Webseite:almanya-film.de;
Weblinks:kinderfilmwelt.de;
Länge:101 Minuten
Kinostart:10.03.2011
VÖ-Datum:06.10.2011
Verleih:Concorde
Produktion: Roxy Film GmbH & Co. KG, Infa Film; Concorde
FSK:6
Förderer:FFA; BKM; FFF Bayern; DFFF
DVD EAN-Nummer:4010324028594
Anbieter-Link:concorde-home.de
DVD Extras:Interviews; Behind the Scenes; Kinotrailer;

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die durchaus als Empfehlung gemeinte Formel für den Filmmarkt, ALMANYA- WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND sei eine Multikulti-Komödie, hatte im Vorfeld eher Befürchtungen genährt, es handele sich um ein adrettes, politisch-korrektes Opus mit dem Gutmenschen-Gen (und dem Resultat: Viele loben es, aber keiner geht hin!). Doch es gibt auch im deutschen Film noch Überraschungen.

Der Film der Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli ist vor allem und dazu noch ein famoses Leinwandvergnügen, auch ohne die politisch-moralische Ernsthaftigkeit außen vor zu lassen („Immigration ist einfach ein spannendes Thema", so ein Statement der Autorinnen). Und so erzählen sie auf höchst subjektive Weise, wer man eigentlich ist, was es heißt, fremd zu sein und wie alles begann mit „Almanya“. Das Ergebnis: eine kultur- und generationenübergreifende Familiensaga. Ein Film, der einfach sagt: „Wir sind hier und das ist gut so!" Oder nach dem im Film formulierten Leitmotiv: „Wir sind die Summe von all dem, was vor uns geschah."

Die Schwestern Samdereli, nach filmischen Einflüssen und Vorbildern befragt, nennen u.a. Chaplin und Lubitsch, Billy Wilder und Woody Allen, aber auch Luis Buñuel. Dies ist wahrlich kein Kokettieren oder bloße Gaukelei, denn spurenweise sind Einflüsse dieser Stilikonen in ALMANYA durchaus erkennbar. Erinnert sei z.B. nur an den brillanten Einfall, Gags mit einer fiktiven deutschen Kunstsprache zu entwickeln. Aber wesentlicher ist wohl, wie es gelang, erzählerische Vorbilder zu einer ganz eigenen Erzählhaltung zu verweben. Denken wir an die schönen Wechsel in der Erzählperspektive, an das lustvolle Spielen mit Ressentiments, um sie in ihrer Absurdität auszustellen. Denken wir an das schelmische Augenzwinkern, aber auch an die surrealen Visionen. Der Film wäre auch als modernes Märchen zu beschreiben, ein Märchen aus einer sprudelnden Quelle von Geschichten, Anekdoten und Aphorismen. Ein Füllhorn, wo die Grenzen zwischen Orient und Okzident verfließen.

ALMANYA ist Lachen gegen Stigmatisierung! Am Ende lesen wir das Max Frisch-Zitat: „Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen."