2 Tage Paris

Kinostart: 17.05.07
2006
Filmplakat: 2 Tage Paris

FBW-Pressetext

Die Dialoge sind erstaunlich, funkelnd und brillant, das Tempo geradezu ungeheuerlich, sogar die Untertitelung und der Umgang mit den zwei Sprachwelten Englisch und Französisch sorgen für Vergnügen. Allerbeste Unterhaltung ist es, was Multi-Talent Julie Delpy (Regie, Buch, Schnitt, teilweise Musik, Hauptdarstellerin) hier serviert. Der fulminante Film spielt unter intelligenten und redegewandten Menschen, denen man gerne zuhört und zusieht. Und das Schönste: Alles in dieser Beziehungs- und Kulturenkomödie wirkt spontan und improvisiert.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Julie Delpy
Darsteller:Julie Delpy; Daniel Brühl; Adam Goldberg
Drehbuch:Julie Delpy
Kamera:Lubomir Bakchev
Schnitt:Julie Delpy
Musik:Julie Delpy
Webseite:2tage-paris.de;
Weblinks:imdb.de; 2daysinparisthefilm.com; ;
Länge:100 Minuten
Kinostart:17.05.2007
Verleih:3L
Produktion: Tempête Sous un Crâne, Polarisfilm; 3L Filmproduktion;Tempête Sous un Crâne;Back Up Media;Rézo Films;
FSK:12

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Interessant zu wissen wäre, ob Woody Allen angesichts dieses Films wohl neidisch geworden ist. Sowohl die Franzosen wie auch die Amerikaner bekommen ihr Fett ab in dieser vergnüglichen Komödie, die so unangestrengt wirkt, als hätte sie ein alter Hase aus dem Ärmel geschüttelt. Julie Delpy beweist in ihrem Debüt als Regisseurin eine unerwartete Souveränität und Lässigkeit: Ihr Film will nicht viel mehr sein als eine Stippvisite in der französischen Metropole und bei einem französisch-amerikanischen Paar, an dessen Beispiel sich die unterschiedlichen Befindlichkeiten der beiden Kulturkreise sehr pointiert und komisch darstellen lassen. Bescheiden und lässig im Anspruch serviert diese leichte Beziehungs- und Kulturenkomödie dennoch ein volles, höchst bekömmliches Fünf-Gänge-Menü voller Tempo, Witz und wunderbaren Dialogen.

Adam Goldberg gibt mit einer anrührenden Offenheit den paranoiden US-Amerikaner, der in Europa überall Bombenleger wittert und dem der ganze Kontinent einfach zu unhygienisch ist. Angesichts der gallischen Sitten und Gebräuche fällt ihm oft vor Erstaunen buchstäblich die Kinnlade herunter - und die Regisseurin nutzt dieses Bild geschickt als einen Running Gag. Auch sonst beweist sie beachtliches komödiantisches Geschick: Besonders aus dem Sprachen-Mischmasch von Französisch und Englisch, bei dem sich die Gesprächspartner ständig missverstehen oder beleidigen und dabei annehmen, der andere würde sie nicht verstehen, schöpft sie viele Lacher und komische Situationen. Man kann dem deutschen Verleih nur zu der (immer noch alles andere als selbstverständlichen) Entscheidung gratulieren, zumindest das Französische nicht zu synchronisieren, sondern zu untertiteln. Nur so können solche komischen Effekte in die deutsche Fassung hinübergerettet werden wie jener, dass die Franzosen englische Namen mit einem extremen Akzent aussprechen, sich aber über die gleiche Schwäche der Amerikaner überheblich mokieren. Für so etwas hat Julie Delpy eine gutes Ohr, und nicht nur deshalb fragt man sich, in welchem Ausmaß ihr Film autobiografisch ist. Als die Hauptdarstellerin inszeniert sie sich selber ungewöhnlich uneitel. Einer der vielen komischen Momente Adam Goldbergs ist zum Beispiel der, als er große Sonnenbrillen anprobiert und fragt: „Welche von denen sieht mehr nach Godard aus?“.

Natürlich hat die Autorin Delpy der von ihr selber verkörperten Figur viele komische Sätze in den Mund gelegt, aber nicht nur ihr amerikanischer Freund, sondern auch ihre Eltern sind ihr verbal zumindest ebenbürtig. Der Film spielt unter intelligenten und redegewandten Menschen, denen man gerne zuhört, und allen Schauspielern gelingt es, die ausgefeilten Pointen aus dem Skript so spontan klingen zu lassen, als wären sie ihnen gerade eingefallen.

Auch filmisch hat „2 Tage Paris“ einen improvisiert wirkenden Charme, gerät dabei nie außer Atem. Julie Delpy inszeniert spielerisch und macht Stilbrüche zu ihrem Stil. So zeigt die Kamera plötzlich die Welt, wie ihre Protagonistin mit ihrem Sehfehler sie sieht, oder an anderer Stelle wird die große dramatische Aussprache der beiden zu einer kurzen Zusammenfassung reduziert. Wunderschön montierte Kurzfilme sind die Exkurse in die Fotografie, eine ganze Venedigreise wird solcherart zusammengefasst. All das fast schon anarchisch wirkende filmische Durcheinander funktioniert erstaunlich gut - wohl auch weil die beiden Protagonisten ähnlich chaotisch sind. Julie Delpy flaniert mit diesem Film buchstäblich durch Paris - und dabei lassen sich immer die schönsten Entdeckungen machen.