2 Tage New York

Filmplakat: 2 Tage New York

FBW-Pressetext

Marion ist Französin, lebt aber schon seit Jahren in New York, zusammen mit ihrem Freund und ihrem Kind. Eines Tages kommt Besuch ins Haus: Marions Vater Schwester sowie deren nerviger Freund. Schon bald prallen die kulturellen Gegensätze aufeinander, sprachliche Barrieren tun sich auf und aus dem trauten wird ein lautes Heim voller Chaos, Streitereien und Missverständnissen. Vor wenigen Jahren hatte Julie Delpy mit ihrem Film 2 TAGE PARIS eine romantische Komödie auf die Leinwand gezaubert. Auch damals verkörperte Delpy die Heldin Marion. Doch nun, fünf Jahre später, hat das Leben einiges auf den Kopf gewirbelt. Der Partner an ihrer Seite ist jetzt Chris Rock, der, zusammen mit der herrlich chaotischen französischen Familientruppe in rasanten Dialogen jede Menge Klischees über Franzosen, Amerikaner, Schwarze, Männer und Frauen aufgreift und veralbert. Doch es gibt auch leise Szenen voller Nachdenklichkeit und köstliche Absurditäten, die an Woody Allen in seinen besten Zeiten erinnern. La Grande Nation trifft auf den Big Apple – ein wunderbar charmantes Filmvergnügen.

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Julie Delpy
Darsteller:Julie Delpy; Chris Rock; Albert Delpy; Alexia Nahon; Aleksia Landeau; Emily Wagner; Dylan Baker; Daniel Brühl; Vincent Gallo; Kate Burton; Malinda Williams; Brady Smith
Drehbuch:Julie Delpy; Aleksia Landeau; Alexandre Nahon
Kamera:Lubomir Bakchev
Schnitt:Isabelle Devinck; Julie Brenta
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:91 Minuten
Kinostart:05.07.2012
Verleih:Senator
Produktion: Polaris Film Productions & Finance, Senator Film Köln;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Fünf Jahre nach ihrem großen Erfolg mit der Komödie 2 TAGE PARIS hat Julie Delpy eine Fortsetzung gedreht, in der wieder die Unterschiede zwischen französischer und US-amerikanischer Lebensart im Vordergrund stehen. Delpys Alter Ego Marion lebt inzwischen in New York, hat ein Kind und wohnt zusammen mit ihrem afroamerikanischen Freund Mingus und dessen Tochter. Ihr Vater, ihre Schwester und deren Freund (allesamt von den gleichen Darstellern verkörpert wie im ersten Film) kommen aus Paris zu Besuch. Die Probleme beginnen schon damit, dass Marions Vater versucht, mehrere Kilo Wurst und Käse in die USA zu schmuggeln. Ihre Schwester wiederum ist eine neurotische Nymphomanin, die nackt in der Wohnung herumläuft und dem Sohn ihrer Schwester unbedingt eine Entwicklungsstörung andichten will, während ihr Freund Manu die Reise als einen Abenteuerurlaub ansieht und mit jedem Satz die US-Amerikaner beleidigt. Diese Familienfarce ist oft sehr witzig, hat aber nicht den Charme des ersten Films, dessen Frische und romantische Grundstimmung anscheinend unmöglich zu kopieren sind. Hier wirkt der Humor etwas forciert, wenn die Franzosen wie eine Heimsuchung in den kleinen amerikanischen Haushalt einbrechen. So wird ausgerechnet der sonst so manisch agierende Chris Rock zum Ruhepunkt der Familie. Doch auch wenn Julie Delpy die Skurrilitäten der französischen Besucher ein wenig zu sehr ins Kraut schießen lässt, entwickelt sie abseits davon einige wirklich originelle und komische Erzählstränge. So etwa jenen mit der Kunstaktion, bei der Marion dem Meistbietenden ihre Seele verkauft .
Zuerst muss sie mit der Demütigung leben, dass ihre Seele statt 10000 Dollar nur die Hälfte wert ist, und dann vermisst sie sie doch, obwohl sie nicht an sie glaubt. So kommt es zu einer herrlich absurden Szene, in der Marion sich mit Vincent Gallo, der sich selber spielt,und dabei beunruhigend diabolisch aussieht, um ihre Seele streitet.
Auch der kleine Auftritt von Daniel Brühl als Eichenkobold in New York ist eine gelungene Perle in diesem Film, der zudem stilistisch von übermütigen Einfällen (das Puppentheater an Anfang und Ende oder die eingestreuten kleinen Montagen im Stil von Fotoromanen) überzuquellen scheint.