Yellow Cake - Die Lüge von der sauberen Energie

Kinostart: 16.12.10
2010
Filmplakat: Yellow Cake - Die Lüge von der sauberen Energie

FBW-Pressetext

Über einen langen Zeitraum verfolgte und recherchierte das Team um Dokumentarfilmer Joachim Tschirner genauestens die Entwicklungen zum gern tot geschwiegenen Thema der Uranerzgewinnung, dem ersten Glied der atomaren Kette, dessen Produkt Yellow Cake der Wirtschaft gigantische Gewinne einbringt. Ausgangspunkt sind Thüringen, Sachsen und die Folgen der Arbeitsweise des ehemaligen sowjetisch-ostdeutschen DDR-Konzerns Wismut. Von dort führt der Weg die Filmemacher zu den größten Uranminen der Welt nach Namibia, Australien und Kanada. Hier führen sie vielsagende Gespräche mit Minenarbeitern und Betroffenen sowie entlarvende Interviews mit Vertretern der Uranindustrie. YELLOW CAKE ist eine anspruchsvolle und journalistisch sorgfältig aufbereitete Dokumentation über den Umgang mit Natur und Menschenleben, über die Machtverhältnisse zwischen Demokratien und Industrie, die Zerstörung wunderbarer Landschaften und die Belastungen von Ökosystemen, in ihren vollen Konsequenzen heute noch gar nicht abschätzbar. Ein sehenswerter Dokumentarfilm, der die Decke der jahrzehntelangen Geheimhaltung zu lüften vermag.
Prädikat wertvoll

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Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Joachim Tschirner
Drehbuch:Joachim Tschirner
Kamera:Robert Laatz; Jana Marsik
Schnitt:Joachim Tschirner; Burghard Drachsel
Musik:Fred Krüger
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:108 Minuten
Kinostart:16.12.2010
Verleih:3 Rosen Filmverleih
Produktion: Um Welt Film Produktion Barbara Kunst

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Selbst für den thematisch doch sehr vielschichtigen und opulenten deutschen Dokumentarfilm stellt YELLOW CAKE einen bemerkenswerten Sonderfall dar: durch seinen prinzipiellen und konsequenten globalen Erzählwillen, durch den hohen aufklärerische Impetus, sein Problembewusstsein und die Intensität der Spurensuche in der strahlenden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Unser Respekt für einen notwendigen, mutigen und schockierenden Film!

Es erscheint logisch und konsequent, einen weiteren Blick zu wagen: Einen Blick zurück in die radioaktive DDR-Altlast der Wismut, in die Zeit des Kalten Krieges der Systeme. Einen Blick vor allem aber in eine offensichtlich unbelehrbare Gegenwart - in den Kapiteln aus Namibia, Australien und Kanada.

Wir sehen: Der atomare Parforceritt geht intensiver und unbelehrbarer denn je weiter. Ein schockierendes Fazit: Wenn es zu keinem Wandel in den Grundhaltungen kommt, ist die Apokalypse nicht fern. Dies akzentuieren die Bilder des Films von den Friedhöfen und Schlachtfeldern des radioaktiven Mülls. Tickende Zeitbomben als Menetekel. Immer wieder, ob in Schlema oder in der namibischen Wüste und in Kanada, zeigt YELLOW CAKE den „human factor" der Problematik.

Es wiederholen sich nicht nur die Krankheitsbilder. Es kehren wieder die wirtschaftlichen Zwänge für den Einzelnen, den „strahlenden" Teufelspakt zu schließen. Es wiederholen sich Lügen und Desinformation, der Kreislauf der Beschwichtigungen, Naivität und Leichtgläubigkeit. Es wiederholt sich der Magnetismus der Profite. Ein schöner leitmotivischer Rahmen wurde unseres Erachtens für YELLOW CAKE gefunden: Hans-Eckardt Wenzels Song nach einem Text von Woody Guthrie: „Erst nach 100 Jahren ... wasch ich Gesicht und Hände mir ...".

Die sehr verständliche Haltung der Filmemacher, nicht missverstanden zu werden, sehr total zu informieren, möglichst viele komplexe Bezüge offen zu legen, nichts auszulassen, führt jedoch an manchen Stellen zu Überdeutlichkeiten, beinahe zu einem „Zuviel" des Guten.