Unter Bauern - Retter in der Nacht

Kinostart: 08.10.09
2009
Filmplakat: Unter Bauern - Retter in der Nacht

FBW-Pressetext

Die Jüdin Marga Spiegel (Veronica Ferres) lebt während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Statt zu fliehen, taucht sie gemeinsam mit ihrer Familie vor den Nazi unter, wobei ihre kleine Tochter und sie von Bauern auf dem Land versteckt werden. Das Geschichtsdrama ist besonders durch die Nähe zu den Protagonisten sehr bewegend und die Schicksale fesselnd bis ins Detail. Der authentische Film zeigt, zum einen Mut, Menschlichkeit, Freundschaft und auch den schmalen Grad zwischen Freud und Leid. Die brillante Besetzung und die exzellente Ausstattung machen UNTER BAUERN darüber hinaus sehenswert. Ein äußerst packender und berührender Film, der eine außerordentlich persönliche und hoch interessante Geschichte präsentiert.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Gattung:Drama; Geschichtsfilm; Spielfilm
Regie:Ludi Boeken
Darsteller:Armin Rohde; Veronica Ferres; Luisa Mix; Margarita Broich
Drehbuch:Otto Jägersberg; Heidrun Schleef; Imo Moszkowicz; Ludi Boeken
Buchvorlage:Marga Spiegel
Kamera:Daniel Schneor
Weblinks:3l-film.de;
Länge:101 Minuten
Kinostart:08.10.2009
Verleih:3L
Produktion: Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG, 3L Filmproduktion; FilmForum Köln; Acajou Films; WDR; arte;
FSK:12
Förderer:Filmstiftung NRW; DFFF

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll erteilt.

Menne Spiegel (auch „Pferdejud“ genannt) war einst bekannt und beliebt. Als guter Deutscher hatte er sich im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz verdient. Dann kamen die Nazis an die Macht und es ging ihm und seiner Familie ans Leben. Werden die Bauern aus der Umgebung ihnen in diesen gefährlichen Zeiten helfen?

Geduldig beantwortet der Film von Ludi Boeken diese Frage - und zwar sehr differenziert und sehr eindrucksvoll. Ruhig und mit gut durchkomponierten Bildern werden die Haupt- und Nebenfiguren in die Handlung eingeführt. Ihre Charaktere wirken glaubhaft, ihre bäuerliche Welt erscheint stimmig. Die Gefährdung der untergetauchten Familie wächst zunächst leise und latent, später ist sie forciert und dramatisch zugespitzt. In den dramaturgischen Konstellationen, die der Film sich selbst als Herausforderung stellt, erweisen sich seine herausragenden Qualitäten. Der Film hat eine bemerkenswerte Lösung anzubieten, wenn es darum geht, die ideologische Verblendung der Tochter Anni, die dem BDM angehört und den Führer verehrt, zu überwinden.

Andere im Handlungsverlauf auftauchende Probleme werden wiederum mit der berühmten Bauernschläue bewältigt. Sehr gut inszeniert war unter anderem auch die Schweineschlachtung. Im Film werden wiederholt symbolträchtige Bildzeichen gesetzt, die keineswegs ausgedeutet bzw. verstanden werden müssen, sondern hintergründig ihre Wirkung entfalten können.

Viele Zuschauer erwarten von einem aufregendem Kinoerlebnis auch ein „Wechselbad der Gefühle“. Diese Komponente hat der Film ebenfalls zu bieten. Auf die Freude über die in Münster beschafften Papiere, folgen Entsetzen und Trauer über die Nachricht, dass der Sohn Klemens an der Ostfront gefallen ist. Begleitet werden diese Ereignisse nicht etwa von harmlosen, oberflächlichen Dialogen, sondern auch auf der Sprachebene sind die Leistungen bemerkenswert. Beispielsweise erfüllt sich das Wort „Vergeltung“ mit Brisanz, die die Freundschaft zwischen Marga und Anni belastet.

Interessant sind ebenso zahlreiche subtile Details – beispielsweise der Wechsel in den Dialekt als Herr Aschoff über den Abschiedsabend berichtet und mitteilt, was Klemens gleich zweimal über den Kuss der Mutter „vertellt“ hat. Dass der früher redselige, humorvolle Menne Spiegel in der Isolation im Versteck wahnsinnig geworden ist, veranschaulicht die große Tragik, die auch dann gegeben ist, wenn das nackte Leben gerettet werden konnte.

Liebevoll werden in einem kleinen Nachspiel die beiden Damen bei einem Set-Besuch vorgestellt, die diese Geschichte in der Realität erlebt haben. Sie sind die Vorbilder für zwei der Filmheldinnen – sie sind die realen Heldinnen. Nach eingehender Diskussion votierte die Jury für das Prädikat besonders wertvoll.