Spieltrieb

Kinostart: 10.10.13
VÖ-Datum: 30.04.14
2013
Filmplakat: Spieltrieb

FBW-Pressetext

Ada hat mit 15 schon zwei Klassen übersprungen. Sie ist klug, belesen und in ihrer Klasse der absolute Außenseiter. Keiner kann sie leiden und auch sie findet die anderen nur langweilig und oberflächlich. Alles ändert sich jedoch, als Alev in ihr Leben tritt. Er ist charismatisch, intelligent und irgendwie anders. Schnell erkennen beide, dass sie Seelenverwandte sind und sie beschließen, ein Spiel zu beginnen. Ein Spiel um Leidenschaften, um Macht, um Begehren. Doch bald schon kann Ada die Situation nicht mehr kontrollieren und ist sich nicht sicher, wer im Spiel ihr wahrer Gegner ist. Gregor Schnitzler ist mit seiner Verfilmung eine gekonnte Umsetzung der provokanten und erfolgreichen Vorlage von Juli Zeh gelungen. Dabei brillieren vor allem die jungen Darsteller in ihren Rollen. Michelle Barthel verkörpert Ada glaubwürdig als ein junges Mädchen, das sich selbst erkennen lernen muss, um sich als eigenständige Persönlichkeit zu begreifen. Und Jannik Schümann gelingt eine so charismatische und fast schon teuflische Präsenz in seiner Rolle, dass man glauben und spüren kann, wie leicht es ist, einem solchen Verführer zu folgen. Doch auch Maximilian Brückner als Lehrer und Opfer des jugendlichen Spieltriebs sowie Richy Müller als Adas Mentor überzeugen. Zeitweise wirkt SPIELTRIEB durch seine genialen kühlen Bilder und seine theaterhaft-literarische Sprache wie ein perfekt ästhetisierter Videoclip. Doch unter der Oberfläche brodeln verletzte Gefühle, Ambivalenzen, unbequeme Fragen und vor allem Adas Sehnsucht nach Liebe, die sie sich lange nicht eingestehen will. Am Ende ist das Spiel vorbei. Gewinner gibt es nicht. Und doch hat Ada gesiegt. Eine filmisch anspruchsvolle und kongeniale Umsetzung eines polarisierenden Stoffes.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Gregor Schnitzler
Darsteller:Michelle Barthel; Jannik Schümann; Maximilian Brückner; Sophie von Kessel; Richy Müller; Ulrike Folkerts; Elisa Schlott; Isolde Barth
Drehbuch:Kathrin Richter; Jürgen Schlagenhof
Buchvorlage:Juli Zeh
Kamera:Andreas Berger
Schnitt:Georg Söring
Musik:Gerd Baumann
Webseite:spieltrieb-derfilm.de;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:101 Minuten
Kinostart:10.10.2013
VÖ-Datum:30.04.2014
Verleih:Concorde
Produktion: Clasart Film + TV Produktions GmbH
FSK:12
Förderer:FFA; FFF Bayern; DFFF
BD EAN-Nummer:4010324039675
DVD EAN-Nummer:4010324200747
DVD Extras:Featurettes Interviews B-Roll Kinotrailer Programmtipps

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Juli Zehs internationaler Bestseller „Spieltrieb“ in einer – der Aussage eines Jurymitglieds nach – kongenialen filmischen Umsetzung von Gregor Schnitzler.
Als hochbegabte Schülerin ist die 15jährige Anna per se zur Einzelgängerin verurteilt und dem Mobbing der Mitschüler ausgesetzt. Fast selbstverständlich, dass sich Anna den neuen Mitschüler Alev, eine überaus selbstbewusste Persönlichkeit, als ihre endlich gefundene Führungsfigur auserwählen möchte. Sie kommen sich näher und Alev findet in Ada den einzigen, ihm ebenbürtigen Menschen, den er in sein perfides Spiel um Liebe, Triebe, Sex und Macht einbinden kann. Ein Spiel, das letztlich außer Kontrolle gerät.
Michelle Barthel in der Rolle der Ada ist ein absoluter Glücksgriff. Unter der sicheren Führung der Regie zeigt sie glaubhaft das coming of age eines jungen Mädchens, isoliert in der Schule und in der Verlassenheit in einem Elterhaus ohne Vater und einer alkoholabhängigen Mutter und auf der Suche nach Halt. Halt und fehlender Liebe, die sie bei ihren Lehrern sucht und letztlich scheinbar bei ihrem Verbündeten Alev zu finden glaubt. Jannik Schümann ist in seiner Rolle als eiskalter Verführer mit nihilistischen Lebenseinstellungen perfekt besetzt und spielt großartig. Richy Müller und Maximilian Brückner als ihre beiden Lehrer können im weiteren bestens besetzten Cast besonders überzeugen.
Musik, Kamera und die perfekte Montage sind weitere gelungene Komponenten eines außergewöhnlich guten und diskussionswürdigen Filmes. Themen wie Außenseitertum und Isolation, Mobbing, Manipulation, Liebe und Sex als Spiel zur Abhängigkeit und Mittel zur Erpressung, auch von Lehrern, sind hier Grundlage für eine intensive Auseinandersetzung.
Dass Ada nach dem ständigen Wechselbad der Gefühle in ihrer Beziehung zu Alev letztlich nicht fällt und im „Trieb-Spiel“ als Siegerin hervorgeht, ist tröstlich. Und Alev bekommt von der Richterin zu seinem Erstaunen auch noch seine Grenzen aufgezeigt: „Die Freiheit hört auf, wo die Unversehrtheit der anderen Menschen beginnt“.