Small World

Kinostart: 16.12.10
2010
Filmplakat: Small World

FBW-Pressetext

Die reiche Unternehmerfamilie Senn war auch schon immer die Heimat von Konrad Lang. Als kleines Kind spielte er mit dem gleichaltrigen Thomas und sah dessen Vater und Stiefmutter auch als seine Familie an. Nun ist Konrad älter, demenzkrank und kehrt zurück auf den Familiensitz. Doch nur Simone, die frischgebackene Ehefrau von Thomas’ Sohn, zeigt Verständnis für den Mann, der bald nur noch durch seine Kindheitserinnerungen lebt. Konrads Abtauchen in die Vergangenheit wiederum scheint ein für die Familie Senn bedrohliches Geheimnis ans Licht zu bringen. SMALL WORLD von Bruno Chiche überzeugt vor allem durch seine exzellenten Darsteller, allen voran Gerard Depardieu, der die tiefe Traurigkeit eines Mannes, der ins geistige Vergessen taucht, auf berührende Weise und mit subtiler Komik verkörpert. Die Verfilmung von Martin Suters raffiniertem Debütroman weist eine komplexe Figurenkonstellation auf, die erst im Laufe der Geschichte ihre ganze Tiefe und tragische Dimension eröffnet. Geschickt wechseln Stimmung und Atmosphäre zwischen wunderschön heiteren Außenaufnahmen bis hin zu bedrückend engen Inneneinrichtungen, die die Figuren gefangen zu halten scheinen. Das Drehbuch schafft eine gelungene Verbindung zwischen Familiendrama, Kriminalgeschichte und psychologischer Charakterstudie. Komplex, intelligent und bewegend.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Bruno Chiche
Darsteller:Gérard Depardieu; Alexandra Maria Lara; Françoise Fabian; Niels Arestrup; Nathalie Baye; Yannick Renier; Feodor Atkine; Olivier Claverie; Pascale Arbillot; Anne Benoît
Drehbuch:Bruno Chiche
Buchvorlage:Martin Suter
Kamera:Thomas Hardmeier
Schnitt:Marion Monnier
Musik:Klaus Badelt
Länge:99 Minuten
Kinostart:16.12.2010
Verleih:Majestic
Produktion: Blueprint Film GmbH, Yumé Quad Films; Studio 37;
FSK:6
Förderer:FFA

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll erteilt.

Der gleichnamige Roman des Autors Martin Suter, der dem Autor und Regisseur als Vorlage diente, war äußerst erfolgreich und scheint das Interesse an der Alzheimer-Krankheit zu bestätigen, von der immer mehr Menschen heimgesucht werden. Zu befürchten wäre nun ein Film, der ganz in der Dramatik der Krankheitsschilderung steht und den Zuschauer deprimiert aus dem Kino entlässt. Die Sicht des Films auf dieses Thema fällt jedoch ganz anders aus.
Wir erleben den grandiosen Schauspieler Gerard Depardieu in einer ganz neuen Rolle, der des 60jährigen Konrad, der mit Fortschreiten seiner Krankheit immer weiter in seine Kindheit zurück geht und wie ein Kind, teils mit Freude, teils mit Furcht seine Kindheitserlebnisse auspackt, als seien sie lang vergessenes Spielzeug. Die Darstellung Depardieus als kindlich-freundlicher Riese, der selbstvergessen und ohne jede Aggression sein Leben lebt, aus höchst gefährlichen Situationen gerettet wird und sich gerade dadurch selbst in die gefährlichste Situation begibt, nämlich das Familiengeheimnis zu enthüllen, das die dominante Elvira, seine angebliche Ziehmutter, mit ins Grab zu nehmen beabsichtigte.
Ohne es zu ahnen beteiligt sich Simone, die junge Ehefrau von Elviras Enkel Philippe an diesem riskanten Spiel, auch sie wie Konrad eine Fremde im Familienverband. Simone fühlt mit Konrad. Alexandra Maria Lara verkörpert diese Rolle genial und überzeugt neben weiteren großen Schauspielern.
Wenn am Ende des Films die Familie am Grab Elviras steht und Sohn Thomas seinem Ziehbruder Konrad, der in Wahrheit der tatsächliche Erbe des Familienvermögens wäre, zuflüstert „Sie hat uns 60 Jahre gestohlen“ wird die Kraft und Eleganz dieser Romanverfilmung deutlich. Im Genre des Thrillers werden die Geheimnisse nach und nach enthüllt. Das lange verborgene Familiengeheimnis kommt ans Licht. Sowohl Inszenierung als auch schauspielerische Regieleistung finden zu größter Vollendung. Die Kamera zeigt immer wieder die großbürgerliche Szenerie, in der die menschliche Schwäche umso stärker ins Gewicht fällt.
Die Jury war sich darin einig, diesem Film sowohl als Literaturverfilmung wie auch als einem Werk mit originärem künstlerischem Charakter das höchste Prädikat zu erteilen.