Phoenix

Filmstart: 25.09.14
VÖ-Datum: 27.03.15
2014
Filmplakat: Phoenix

FBW-Pressetext

Nelly hat den Krieg überlebt. Gerade so, mit einem fastzerstörten Gesicht. Ihre Freundin Lene holt sie 1945 aus dem Konzentrationslager zurück nach Berlin und bringt sie in ein Krankenhaus. Dort wird sie von einem Arzt, so gut es geht, „rekonstruiert“. Kaum genesen, macht sich Nelly auf die Suche nach Johnny, ihrem Ehemann – gegen den Rat Lenes, die überzeugt davon ist, dass Johnny Nelly damals an die Nazis verraten hat. Doch Nelly will daran nicht glauben, zu stark klammert sie sich an die Hoffnung auf eine unendliche Liebe. Als Johnny sie bittet, die Rolle seiner Frau zu „spielen“, um alle anderen von ihrer Unversehrtheit zu überzeugen, willigt Nelly ein. Und lernt sich selbst neu kennen. Dass ein Mensch, nach den Erfahrungen des Lagers und durch ein neues Gesicht seiner visuellen Identität beraubt, in das alte Leben zurückkehrt und vorgeben muss, ein anderer zu sein, ist schon als Ausgangssituation unglaublich komplex. In fast atemloser Spannung verfolgt der Zuschauer Nellys Geschichte, die mit dem Ende des Kriegs in ganz neuer Form eine Fortsetzung findet. DieLeistung von Nina Hoss in der Titelrolle ist schlicht umwerfend: Die Auferstehung Nellys und ihr verzweifelter Kampf um ihr altes Leben verkörpert sie in unzähligen Facetten der Mimik, Gestik und der physischen Präsenz. Glaubhaft vermittelt sie dabei die Liebe zu Johnny, den Ronald Zehrfeld mitgewohnt gekonnter Ambivalenz verkörpert, als Fixpunkt in ihrem Leben, an den sie sich in blinder Hoffnung klammert. Die Dialoge sind knapp, die Musik sparsam eingesetzt. Und doch ist kein Wort zu wenig, keine Szene zu ruhig. Kammerspielartig erzählt Petzold von Nelly und wie sie sich Stück für Stück neu zusammensetzt. Das musikalische Leitmotiv „Speak Low“ von Kurt Weill gibt die beherrschende Stimmung vor, die sich auch in den klaren, sorgsam durchkomponierten Bildern vermittelt. Ein sanftes Beben und eine brodelnde Unruhe der Gefühle in einer Welt, die in Schutt und Asche liegt. ChristianPetzolds neuer Film ist ein beeindruckendes Spiel mit Doppelbödigkeiten. Klug, brillant, meisterlich.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Christian Petzold
Darsteller:Nina Hoss; Nina Kunzendorf; Ronald Zehrfeld; Michael Maertens; Daniela Holtz; Imogen Kogge; Nikola Kastner; Valerie Koch; Uwe Preuss; Trystan Pütter; Felix Römer; Eva Bay; Sophie Exss
Drehbuch:Christian Petzold
Buchvorlage:Hubert Monteilhet
Kamera:Hans Fromm
Schnitt:Bettina Böhler
Musik:Stefan Will
Webseite:phoenix-der-film.de;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:98 Minuten
Kinostart:25.09.2014
VÖ-Datum:27.03.2015
Verleih:Piffl
Produktion: Schramm Film, Koerner & Weber
FSK:12
Förderer:FFA; BKM; MBB; DFFF
BD EAN-Nummer:4047179983952
DVD EAN-Nummer:4047179983983
Anbieter-Link:piffl-medien.de
DVD Extras:Audiodeskription, Making Of, Interviews, Kinotrailer, Booklet

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Was für ein grandioses Drehbuch hat Christian Petzold für dieses psychologische Filmdrama auf höchstem Niveau geschaffen! 1945: Zweiter Weltkrieg und Hitlerreich sind zu Ende. Die Jüdin Nelly hat in Auschwitz zwar überlebt, kehrt nun aber mit zertrümmertem Gesicht in die Berliner Ruinenlandschaft zurück. Nach einer aufwendigen Operation erhält sie ein neues Gesicht, aber sie kann sich nun nicht mehr als die Frau erkennen, welche sie zuvor war. Ihre Freundin Lene aus Vorkriegszeiten unterstützt sie liebevoll und will ihr den Weg in eine neue Heimat in Israel bereiten. Doch Nelly hat nur ein Ziel: Sie will ihren geliebten Mann wieder finden. Ihre Gedanken an ihn im Lager, hat sie letztlich am Leben erhalten. Aber sie will auch herausfinden, ob Johnny sie noch liebt und ob er wirklich der Verräter ist, der die Verantwortung dafür trägt, dass sie nach Auschwitz gebracht wurde. Sie will ihr Leben wieder zurück!

Im Nachtclub „Phoenix“ findet Nelly ihren Mann. Dieser erkennt sie nicht, überredet sie aber, bei einem perfiden Plan mitzumachen. Als Doppelgängerin seiner totgeglaubten Frau soll sie ihm das Erbe ihrer in Auschwitz ermordeten Familie verschaffen. Nelly lässt sich auf das Spiel ein, denn nur so glaubt sie die Antwort auf ihre Fragen zu bekommen.

Die großartige Nina Hoss verkörpert mit ihrer fantastischen Wandlungsfähigkeit die innerlich und äußerlich zerrissene Persönlichkeit von Nelly. Ronald Zehrfeld als Johnny und besonders Nina Kunzendorf als Lene überzeugen bestens in ihren nicht einfachen Rollen. Das bereits hoch gelobte Drehbuch lieferte auch die hervorragenden, sparsam eingesetzten Dialoge zu diesem perfekten Psycho- Drama, in das der Zuschauer ganz und gar verstrickt wird. Bildgestaltung, musikalische Begleitung, Ausstattung und Kostüme verdienen ebenso das höchste Lob, wie selbstverständlich auch die große Inszenierungskunst von Christian Petzold selbst.