Nymphomaniac 1

Kinostart: 20.02.14
VÖ-Datum: 20.11.14
2013
Filmplakat: Nymphomaniac 1

FBW-Pressetext

Sie heißt Joe. Verwundet liegt sie eines Abends auf der Straße, als er sie findet. Er nimmt sie mit zu sich nach Hause, gibt ihr zu essen und ein Bett. Aus Dankbarkeit beginnt sie ihre Geschichte zu erzählen. Wie alles begann. Und wie sie wurde, was sie nun ist. Insgesamt acht Kapitel hat Lars von Trier für seinen neuen zweiteiligen Film über die Lebensbeichte einer nymphomanen Frau konzipiert. Im ersten Teil werden fünf davon erzählt. Im Zentrum steht der intensive und kammerspielartig inszenierte Austausch der zwei Hauptfiguren. Charlotte Gainsbourg ist Joe. In ihrem faszinierenden Spiel mischen sich kluge Gedanken und depressive Erinnerungsfetzen, Abgestumpftheit und Melancholie. Stellan Skarsgård ist ihr stoisch zuhörendes und verständnisvolles Gegenüber, ihr Therapeut und Beichtvater zugleich. Jedes Kapitel ist anders aufgebaut, dabei arbeitet von Trier virtuos mit verschiedenen Stilmitteln und Metaphern, verknüpft beispielsweise die Theorie des perfekten Anglers oder Bachs Dreiklang mit Joes sexuellen Erlebnissen. Die Bilder sind explizit, doch immer inhaltlich motiviert. Der Sex und Joes zwanghafte Sucht danach geben immer tiefere Einblicke in eine zerrissene Psyche eines Menschen, der nicht weiß, was er tun soll, weil er immer nur seinen Trieben folgen kann und muss. Das Ende ist abrupt und eröffnet einen Ausblick auf das, was folgen wird. Ein provozierendes Werk über eine zwanghaft sexgetriebene Frau, das sicherlich polarisiert.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Erotik
Regie:Lars von Trier
Darsteller:Charlotte Gainsbourg; Stellan Skarsgard; Stacy Martin; Shia LaBeouf; Jamie Bell; Connie Nielsen; Mia Goth; Christian Slater; Jens Albinus; Severin von Hoensbroech; Uma Thurman; Peter Gilberg Cotton; Nicolas Bro; Tabea Tarbiat; Janine Romanowski; Jesper Christensen; Tania Carlin; Felicity Gilbert; Shanti Roney; Udo Kier
Drehbuch:Lars von Trier
Kamera:Manuel Alberto Claro
Schnitt:Morten Højbjerg; Molly Marlene Stensgaard
Webseite:nymphomaniac-derfilm.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:117 Minuten
Kinostart:20.02.2014
VÖ-Datum:20.11.2014
Verleih:Concorde
Produktion: Zentropa Entertainments , Zentropa International Köln; Heimatfilm; Film i Väst; Slot Machine; Caviar Films Concorde Filmverleih; Artificial Eye; Les Films du Losange;
FSK:16
Förderer:FFA; DFFF; Eurimages; Film- und Medienstiftung NRW
BD EAN-Nummer:4010324039828
DVD EAN-Nummer:4010324200990
Anbieter-Link:concorde-home.de
DVD Extras:Interviews, Trailer, Wendecover

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Auch an diesem Film von Lars von Trier scheiden sich die Geister. Die FBW-Jury spiegelt diese Rezeption. Zwischen völliger Ablehnung und Begeisterung gab es kein Mittelmaß und so fiel die knappe Entscheidung zwischen dem höchsten und gar keinem Prädikat. Für die eine Fraktion ist dies ein Film, der um der Provokation willen gemacht wurde und darüber hinaus keinerlei künstlerischen Wert besitzt. Für die anderen ist er eine sowohl stilistisch wie auch inhaltlich nuancierte Analyse des Phänomens der Nymphomanie. Tatsächlich gleicht die Grundsituation der einer Psychoanalyse: Der Junggeselle Seligman(!) findet die zusammengeschlagene Joe auf dem Boden einer einsamen Gasse liegend. Er nimmt sie mit nach Hause, pflegt sie und ist verwundert über ihr extrem negatives Selbstbild. Auf seine Fragen hin, die nie wertend sind, beginnt Joe ausführlich von ihrem Leben zu erzählen. Ihre einzelnen Lebensstationen werden in Rückblenden in Szene gesetzt, die in Kapitel eingeteilt sind. Diese folgen jeweils sowohl dramaturgisch wie auch ästhetisch einem Grundthema, das sich spielerisch assoziativ aus dem Gespräch entwickelt. So wird die Suche nach Sexualpartnern mit dem Fliegenfischen vergleichen und die Qualitäten von mehreren Liebhabern wird mit den drei Stimmen in der polyphonen Musik von Johann Sebastian Bach gleichgesetzt. Lars von Trier arbeitet mit vielen stilistischen Rahmungen dieser Art, durch die NYMPHOMANIAC 1 mit einer virtuosen Kunstfertigkeit fasziniert. Dazu nutzt er eine große Palette an filmischen Mitteln, die von animierten Diagrammen über Sequenzen in schwarz-weiß bis zu grotesken Szenen führen wie jener, in der Joe mit zwei Liebhabern, einer Ehefrau und deren drei Söhnen zusammentrifft. Zugleich entfaltet er mit einer erschreckend düsteren Radikalität, wozu die Protagonistin durch ihre Sucht getrieben wird. Dabei arbeitet von Trier auch mit Bildern von Nacktheit und Sexualität, denen in ihrer Rohheit jede Sinnlichkeit fehlt. Von Trier hat hier auf der Höhe seines Könnens eine zutiefst pessimistische Vision von der Sexualität als eine zerstörerische Kraft geschaffen.