Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Kinostart: 04.09.14
VÖ-Datum: 13.02.15
2013
Filmplakat: Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

FBW-Pressetext

Als „Kundenberater“ kümmert sich Mr. May bei der Londoner Stadtverwaltung um Verstorbene, die keine Verwandten haben und deren Bestattung in die Verantwortung der Stadt fällt. Doch für den zurückhaltenden und unauffällig wirkenden Mann ist dieser Job mehr als nur tägliche Pflicht. Und so versucht er immer wieder, doch noch Hinterbliebene aufzuspüren, bewahrt persönliche Habseligkeiten auf und schreibt sogar Trauerreden für Beerdigungen, bei denen er oft der einzige Trauernde ist. Als er erfährt, dass sein Job wegrationalisiert werden soll, beschließt er, seinen letzten „Fall“ unbedingt erfolgreich zu Ende zu bringen. Und je eifriger er sich auf Spurensuche in der Vergangenheit des Verstorbenen begibt, desto mehr beginnt Mr. May zu begreifen, dass das Leben auch für ihn kleine Überraschungen bereit hält. Der Held in Uberto Pasolinis Film könnte nicht unauffälliger sein. Und doch ist das, was er leistet, etwas ganz Großes. Noch in den kleinsten Details, Blicken und Handlungen zeigt sich sein Respekt gegenüber allen Menschen, ob tot oder lebendig, auch wenn er damit ziemlich alleine dasteht. Und so ist der Film auch eine Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft, die in ihrer kalten Anonymität keinen Blick mehr für die Menschen in unserer nächsten Umgebung zulässt. In seiner Bildsprache und den Szenen, die oft mit wenig Dialog auskommen entwickelt der Film seinen ganz eigenen langsamen Erzählrhythmus, zeigt Mr. Mays Alltag als etwas klar Durchstrukturiertes. Nur in kleinen Schritten erfolgt die Verwandlung, als Mr. May seine „Wohlfühlzone“ verlässt und auf ungewohnten Pfaden wandert, den Kontakt mit anderen Menschen sucht. Da leuchtet sein Gesicht plötzlich und es wirkt, als würde das Leben in ihn eindringen. Dies glaubhaft und anrührend zu verkörpern, ist die großartige Leistung von Hauptdarsteller Eddie Marsan. Sein Mr. May ist ein tragischer Held, in dessen Gesicht so viel Güte und zurückgenommene Traurigkeit zu spüren ist, dass der Zuschauer ihn sofort ins Herz schließt. Rachel Portmans Musik spiegelt die Sanftheit des Charakters, dazu liefert die Kamera Bilder, die in ihrer klaren Struktur auch immer ein Stück Sehnsucht zeigen, aus dieser Struktur ausbrechen zu wollen. Uberto Pasolini ist ein wunderbar zarter Film gelungen über die Traurigkeit des Todes und die Schönheit des Lebens. Ein Filmjuwel!

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Uberto Pasolini
Darsteller:Eddie Marsan; Joanne Froggatt; Karen Drury; Neil D'Souza; Andrew Buchan; Michael Elkin; David Shaw Parker; Ciaran McIntyre; Tim Potter; Paul Anderson; Bronson Webb; Leon Silver
Drehbuch:Uberto Pasolini
Kamera:Stefano Falivene
Schnitt:Tracy S. Granger; Gavin Buckley
Musik:Rachel Portman
Webseite:mister-may.de;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:92 Minuten
Kinostart:04.09.2014
VÖ-Datum:13.02.2015
Verleih:Piffl
Produktion: Redwave Films, Embargo Films; Riva Filmproduktion;
FSK:12
Förderer:FFHSH
DVD EAN-Nummer:4047179983884
Anbieter-Link:piffl-medien.de

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Als Angestellter der Londoner Stadtverwaltung muss sich John May um die Beisetzung einsam verstorbener Menschen kümmern. Mit großem Mitgefühl und überzeugender Menschlichkeit nimmt er seine Aufgabe wahr. Dazu gehört auch, noch mögliche Verwandte und Freunde des Toten aufzuspüren, um diese zu informieren und auch zum Begräbnis einzuladen. So sucht er in den Wohnungen der Toten nach Hinweisen und nutzt seine Kontakte zu Sozialstellen und anderen Einrichtungen. Würdevoll sind die von ihm arrangierten Trauerfeiern, dessen einziger Begleiter meistens er selbst nur ist, wobei er dem Geistlichen auch noch den Text der Trauerrede verfasst.

Die akribische, ja penible Art, wie er seinen Beruf ausübt, findet sich auch im eigenbrötlerischen Privatleben des einsamen Junggesellen wieder. Fast hat man den Eindruck, dass er „seine Toten“ auch in seine Freizeit mitnimmt. In ein großes Album klebt er täglich Fotos von ihnen ein, die er dadurch in eine Art von Familie der besonderen Art verwandelt.

In der von Wirtschaftlichkeit geprägten Welt des Vorgesetzten von Mr. May haben Sentimentalitäten und Menschlichkeit nichts zu suchen: tot ist tot und großer zeitlicher Aufwand für einsam Verstorbene ist nicht angebracht. So wird John May’s Stelle von einem Tag auf den anderen gestrichen und er selbst entlassen, versorgt mit der freundlichen Empfehlung, sich doch einen neuen Job bei den Lebenden zu suchen. Sein letzter Fall ging Mr. May jedoch auf besondere Weise nahe und so wird seine unermüdliche Suche nach Freunden oder Hinterbliebenen von Billy Stoke auch zu seiner ganz persönlichen Reise in eine Freiheit der besonderen Art.

Ein wunderbares Drehbuch war Grundlage für die Gestaltung eindrucksvoller Szenen, welche mit sparsamen, aber zugleich stimmigen Dialogen auskommen und dem Grundtenor der Inszenierungskunst von Uberto Pasolini entsprechen. Die Wahl von Eddie Marsan für die Titelfigur ist ein absoluter Glücksgriff. Auf höchst eindrucksvolle Weise verkörpert er den leisen, bescheidenen, korrekten Menschenfreund, dem man glaubhaft sein soziales Engagement und seinen Einsatz für die Bewahrung der Würde „seiner“ Toten abnimmt. Eine sehr subtile Kamera beobachtet liebevoll viele Details, besonders auch beim Blick in die verlassenen Wohnungen der Verstorbenen, ohne voyeuristisch zu sein. Ein Lob gilt dabei auch dem Szenenbild, der Ausstattung und den Kostümbildnern. Das schöne Musikkonzept unterstreicht noch die liebevolle Grundstimmung dieses Filmjuwels, dessen berührende Geschichte dem Zuschauer auch emotionalen Zugang gewährt.