Mit ganzer Kraft

Kinostart: 04.09.14
VÖ-Datum: 27.03.15
2013
Filmplakat: Mit ganzer Kraft

FBW-Pressetext

Schon seit langem möchte der 17jährige Julien am französischen Ironman-Triathlon teilnehmen. Doch Julien sitzt im Rollstuhl und ist von der Teilnahme ausgeschlossen. Er überredet jedoch seinen Vater Paul, mit ihm gemeinsam im Wettbewerb zu starten. Doch Paul, der sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich um seinen Sohn gekümmert hat, zögert. Und auch Juliens Mutter Claire macht sich große Sorgen um ihren Jungen. Aber Julien lässt sich die Chance nicht nehmen, der Welt zu beweisen, dass er alles schaffen kann, was er sich vornimmt. Und Paul begreift, dass nichts auf der Welt wichtiger ist als sein Sohn. Regisseur Nils Tavernier, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt die Geschichte zweier entschlossener Figuren, die jeder für sich einen Kampf ausfechten müssen und doch als Vater und Sohn emotional zusammenrücken. Julien auf der einen Seite, der nicht mehr akzeptieren kann, dass seine Behinderung ihn davon abhält, seine Träume leben zu können. Und Paul auf der anderen Seite, der durch das Training nicht nur endlich eine Verbindung zu seinem Sohn knüpfen kann. Er lernt vielmehr, Verantwortung zu übernehmen, und nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird. Sämtliche Darsteller, ob in Haupt- oder Nebenrollen, überzeugen. Keine Figur wird negativ gezeichnet, für jeden Aspekt findet der Film Verständnis. Er thematisiert Inklusion, blickt aber nicht mitleidig oder glorifizierend auf Juliens Situation. Als junger Mann mit ganz normalen Wünschen und Träumen wird er ebenso ernst genommen wie der Vater, der durch den gemeinsamen Wettkampf erst lernt, ein guter Vater und ein besserer Ehemann zu werden. Das Training der beiden sowie der Wettkampf als inszenatorisches Herzstück des Films sind brillant gefilmt, die Kamera bleibt nah bei den Sportlern, gekonnt dominieren hier Tempo und Spannung. MIT GANZER KRAFT ist ein berührendes Drama über Vater und Sohn, die gemeinsam einen Traum verwirklichen. Und das deutlich zeigt, dass Inklusion nicht mehr diskutiert werden muss. Sie muss einfach geschehen.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Nils Tavernier
Darsteller:Jacques Gamblin; Alexandra Lamy; Fabien Héraud; Sophie de Furst; Pablo Pauly; Xavier Mathieu; Fred Epaud; Christelle Cornil
Drehbuch:Laurent Bertoni; Pierre Leyssieux; Nils Tavernier
Kamera:Laurent Machuel
Schnitt:Yann Malcor
Musik:Bardi Johannsson
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:90 Minuten
Kinostart:04.09.2014
VÖ-Datum:27.03.2015
Verleih:Polyband
Produktion: Nord Quest Films
FSK:0
Bildungseinsatz:filmsortiment.de;
DVD EAN-Nummer:4006448763398
Anbieter-Link:polyband.de
DVD Extras:Trailer, Making of, Hörfilmfassung für Sehbehinderte

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Erzählt wird unter der Regie von Nils Tavernier, die Geschichte einer Familie, die zu Beginn der Filmhandlung nahezu am Ende ihrer Beziehung ist. Der Vater, überzeugend dargestellt durch Jacques Gamblin, wird arbeitslos. Die Mutter ist am Ende ihrer Kraft. Sie war und ist die allein Verantwortliche für die Betreuung ihres von Geburt an behinderten und nun siebzehnjährigen Sohnes Julién, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Alexandra Lamy gelingt es hervorragend, die physische und psychische Anspannung, in der sie sich permanent befindet, sichtbar zu machen. Die Eltern hatten sich dieses Kind so sehr gewünscht, aber dem Vater, der sich im Beruf und in der Freizeit immer an Leistung, Stärke orientierte, schafft es nicht, Nähe zu seinem behinderten Sohn aufzubauen. Es kommt zu dramatischen Szenen, sehr glaubwürdig gestaltet, bis sich eine Veränderung abzuzeichnen beginnt. Es brennt förmlich und man ahnt, gleich könnte etwas explodieren, Dunkelheit und Licht widerspiegeln Gefahren. Am Ende des Filmes erlebt der Zuschauer dann eine Familie, die sich wieder gefunden hat. Es fasziniert, wie die Protagonisten sich auch in ihrem Aussehen, ihrer Mimik und Körpersprache verändert haben und wie die Kamera dies einfängt.
Von dem Tag an, als der Sohn im Internet entdeckt, dass ein anderer Vater mit seinem ebenfalls im Rollstuhl sitzenden Sohn an einem Ironman-Wettbewerb teilgenommen hat, beginnt der am Anfang mit der Kamera großartig eingefangene Rahmen sich inhaltlich weiter zu füllen. Der Film wird mit dem Massenstart des dreigeteilten Wettkampfes am Strand von Nizza eröffnet und endet mit diesen Bildern. Partiell entsteht hier ein Dokudrama mit vielen Szenen, in denen man Realität und Gespieltes, Wahres und Inszeniertes kaum unterscheiden kann. Beeindruckend ist auch, dass es trotz aller Dramatik dieses schwierigen Themas den Machern gelungen ist, so leichtfüßig zu erzählen. Dazu tragen die großen Leinwand füllenden Landschaftsaufnahmen ebenso bei wie die Musik und manche kleine, auch humorvolle Episode. Es wird ein Kammerspiel inszeniert, das sich fast ausschließlich auf die drei Hauptfiguren konzentriert. Aber mit den wirklich hervorragend gelungenen Sportaufnahmen und sparsam eingefügten Nebenschauplätzen wird der Blick immer wieder auf die Außenwelt gerichtet. Es ist kein Sportfilm geworden und doch hat der Sport eine wichtige Funktion für diesen Film.