Lilli

Filmplakat: Lilli

FBW-Pressetext

Wenn Mama müde ist, dann muss man sie in Ruhe lassen. Lilli weiß das. Schon öfter ist sie einfach traurig geworden und hat sich zurückgezogen. Dann muss sich eben Lilli um ihren kleinen Bruder und um den Haushalt kümmern. Und auch wenn sie selbst erst neun Jahre alt ist, so kann sie das doch schon sehr gut. Fast wie eine Erwachsene. Wenn nur die Nachbarn nicht immer so neugierig fragen würden. Und die Heizung nicht kaputt wäre. Aber Mama geht’s bestimmt bald wieder besser. Zumindest hofft Lilli das. Denn dann ist alles schön – bis Mami wieder traurig wird. Es ist ein schreckliches und doch leider für viele so alltägliches Thema, mit dem sich der Film von Jan Buttler beschäftigt. Eine Alleinerziehende, die unter Depressionen leidet und mit ihrem Leben überfordert ist. Doch im Film steht das kleine Mädchen im Fokus, noch ganz Kind, und doch schon so erwachsen, weil sie erwachsen sein muss. Konsequent erzählt der Film aus der Perspektive des Mädchens, wählt Bilder aus, die die Leere der kalten Wohnung widerspiegeln und die keine großen Dialoge brauchen, um ihren starken Ausdruck zu vermitteln. Und Milla Böhning spielt die Rolle der Lilli so überzeugend, dass es fast wehtut beim Blick auf dieses Szenario. Ein intensives und bedrückend authentisches Kurzfilm-Drama.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Kurzfilm
Regie:Jan Buttler
Darsteller:Mila Böhning; Juri Winkler; Melanie Krabs; Julia Kahl
Drehbuch:Nicole Armbruster
Kamera:Alexander Bloom
Schnitt:Benjamin Beck
Musik:Georg Donkel
Webseite:lilli-film.de;
Länge:29 Minuten
Kontakt:janbuttler@gmx.de
Produktion: Sinai Film Jan Buttler

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll erteilt.
Regisseur Jan Buttler nennt seine Geschichte „beispielhaft“. Er will nicht in dem „Allgemeingültigen, sondern in dem Besonderen die Wahrheit“ erzählen. Das „besondere“ seines Sujets: Durch die Krankheit der Mutter wird das 9-jährige Mädchen Lilli gezwungen, für ihren jüngeren Bruder und die gesamte Familiensituation die Verantwortung zu übernehmen. Sie versucht die Dinge „am Laufen zu halten“, aus Scham und Ängsten wird die prekäre Lage vertuscht – vor den Nachbarn, in der Schule. „Ein stoischer Versuch, Gewohntes in einem Rhythmus zu halten.“ Welche andere Wahl könnte es auch geben? Eine Ausnahmesituation der Überforderung und Verunsicherung, ein exemplarischer Fall des zu früh Erwachsenseins wider Willen.
Jan Buttler gelingt mit LILLI eine endrucksvolle Studie dieses „Besonderen“. Ein Glanzstück an Authentizität, ein wunderbares filmisches Exempel für Behutsamkeit und Glaubwürdigkeit. Ein Erlebnis ist zudem das Spiel der Darstellerin Milla Böhning.
„Wir haben uns Lillis Blick versucht zu eigen zu machen“, sagt Buttler. „Wir haben den Dingen ihre Zeit gegeben.“ In des Wortes wahrster Bedeutung: LILLI ist ein Film auf Augenhöhe. Eine exemplarische Produktion der selbstverwalteten Filmschule „filmArche e.V.“!