LenaLove

Kinostart: 22.09.16
2016
Filmplakat: LenaLove

FBW-Pressetext

Lena fühlt sich einsam. In der Schule hat sie wenige enge Kontakte, mit ihrer ehemaligen besten Freundin Nicole versteht sie sich auch nicht mehr so gut, und ihre Mutter ist zu selten zu Hause, als dass sie zu ihr ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen könnte. Als Lena dann noch herausfindet, dass ihre Mutter mit dem Vater von Nicole eine Affäre hat, ihr Schwarm Tim angeblich auch mit Nicole etwas anfängt und sie selbst in der Schule zunehmend gemobbt wird, ist der einzige Mensch, dem sie sich noch anvertraut, ihr Chatfreund Noah. Noah gibt Lena das Gefühl nicht allein zu sein, sie zu verstehen. Doch weiß Lena wirklich, wer sich hinter Noah verbirgt? Regisseur Florian Gaag verarbeitet in seinem zweiten Langspielfilm LENALOVE wichtige, brisante und hochaktuelle Themen: Die Gefahren der sozialen Netzwerke, die unter dem Deckmantel der ständigen Anonymität und geringer Transparenz für junge Menschen oft nicht mehr handhabbar sind. Ebenso behandelt LENALOVE auch den Lebens- und Schulalltag junger Menschen, die immer mehr unter dem Druck stehen, zu bestimmten Gruppen dazuzugehören müssen, um wahrgenommen zu werden. Den Gegenentwurf eines Indivualisten stellt Tim dar, zu dem Lena sofort eine innere Verbindung spürt. Emilia Schüle und Jannik Schümann spielen ihre Rollen überzeugend und dienen gerade für das junge Publikum als perfekte Identifikationsfiguren. Kamera und Montage leisten hervorragende Arbeit. Klug verknüpft der Film die reale Welt im Film mit Träumen, Einbildungen und Angstfantasien, sodass der Zuschauer, genau wie Lena, nie genau weiß, was wahr ist und was nicht. Die Rollen der Erwachsenen dienen dazu, die Distanz der Generationen untereinander aufzuzeigen. Zusätzlich zeigen sie auch, dass selbst Eltern gewisse Situationen nicht besser beherrschen als die Jugendlichen. LENALOVE ist ein ungemein kraftvoller Film, der ohne erhobenen Zeigefinger für die Zielgruppe relevante Themen aufarbeitet und auf Gefahren hinweist. Spannend, herausfordernd und von hoher Relevanz.

Filminfos

Gattung:Drama; Jugendfilm; Spielfilm
Regie:Florian Gaag
Darsteller:Emilia Schüle; Jannik Schümann; Sina Tkotsch; Anna Bederke; Kyra Sophia Kahre; Sandra Borgmann; Felix Knopp; Georg Böhm; Andrea Wenzl; Jean-Luc Bubert
Drehbuch:Florian Gaag
Kamera:Christian Rein
Schnitt:Kai Schroeter
Länge:92 Minuten
Kinostart:22.09.2016
Verleih:Alpenrepublik Filmverleih
Produktion: Rafkin Film Produktion GmbH, ZDF - Das kleine Fernsehspiel; Arte; Goldkindfilm; Rat Pack Filmproduktion; Milkfilm; Aerodynamics Films;
FSK:12
Förderer:FFA; FFF Bayern; DFFF; KJDF; FFHSH

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Es ist eine düstere Welt, die Florian Gaag in seinem Coming-of-age-Cyber-Thriller LENALOVE zeichnet: Dysfunktionale Familien, die mühsam den Schein der Gutbürgerlichkeit aufrecht erhalten wollen, während der Blick hinter die schmucken Fassaden der freistehenden Einfamilienhäuser in fast schon Chabrol’scher Manier das ganze Elend und die moralische Verkommenheit der Erwachsenenwelt offenlegt.

Im Kern aber geht es in LENALOVE um ein anderes und brandaktuelles Thema: Cybermobbing bzw. -bullying steht hier im Mittelpunkt der Geschichte. Lena ist an ihrer Schule eine Außenseiterin. Umso mehr Trost findet sie im Chat mit einem geheimnisvollen Fremden namens Noah, der es wie sonst niemand in der realen Welt versteht, auf die Sorgen und Nöte des Mädchens einzugehen. Was Lena nicht ahnt: Hinter Noah verbirgt sich ein Geheimnis. Und dann ist da noch Tim, ein Junge von Lenas Schule, für den sie schwärmt.

Florian Gaag hat ganz offensichtlich ein Händchen für Stoffe, die aktuelle Trends und das Lebensgefühl der jungen Heranwachsenden aufgreifen. LENALOVE taucht in die gegenwärtige jugendliche Welt der Sozialen Medien und der Chats ein und zeichnet diese spannend, aber keineswegs schwarzmalerisch nach. Finster ist für ihn - und das liegt vor allem an der Sichtweise und dem Lebensgefühl der 16-Jährigen, deren Blickwinkel er überwiegend einnimmt - die Welt der Erwachsenen. Dennoch sind diese für ihn keine Karikaturen, sondern durchaus der Wirklichkeit nachempfundene Charaktere.

Die Ernsthaftigkeit und spannungsgeladene Thriller-Dramaturgie, die LENALOVE neben anderen Qualitäten auszeichnet, sowie die überaus attraktiven beiden jugendlichen Hauptdarsteller Emilia Schüle und Janik Schümann sprechen gerade die eigentliche Zielgruppe an. Darüber hinaus wäre es für die Jury der FBW sogar durchaus vorstellbar, dass der Film sich in besonderem Maße für den pädagogischen Einsatz eignet, um mit Schülern dieser Altersgruppe über die Gefahren von Cybermobbing und -bullying aufmerksam zu machen. Ein runder Film, der überaus gelungen die Balance zwischen spannender Unterhaltung und einen Aufklärungscharakter hält, was vor allem bei Jugendlichen gut ankommen dürfte