Lamento

Kinostart: 09.10.14
2013
Filmplakat: Lamento

FBW-Pressetext

Der Selbstmord ihrer Tochter Sara reißt auch die Mutter Magdalena mitten aus dem Leben. Sie kann es nicht begreifen, nicht vergessen und vor allem nicht verzeihen. Sich selbst nicht und auch anderen nicht. Verzweifelt versucht Magdalena dennoch, ihren Alltag zu meistern. Doch sie ist wie gefangen in ihrer Trauer. Jeder in ihrer Umgebung will ihr helfen. Aber Magdalena will keine Hilfe. Und hüllt sich immer mehr ein in einen Kokon der Traurigkeit. LAMENTO ist das beeindruckende Spielfilmdebüt des schwedischen Regisseurs Jöns Jönsson, der an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam studiert hat. In der Hauptrolle glänzt die bekannte schwedische Schauspielerin Gunilla Röör, deren Spiel Zerbrechlichkeit und Fragilität erkennen lässt, gleichzeitig aber auch Entschlossenheit und Trotz. Alle anderen Figuren um sie herum sind treffend besetzt und wirken wie Spiegelbilder ihres Schmerzes. Die exzellente ruhige Kamera folgt Magdalena, mal aus der Distanz, mal qualvoll nah. Und immer findet Jönsson die richtigen Bilder für die richtige Stimmung, verzichtet an vielen Stellen auf Dialoge, konzentriert sich auf Blicke, Gesten, die Atmosphäre der jeweiligen Handlungsräume. LAMENTO ist ein bewegender Film über Trauer und das Loslassen danach. Ein erstaunlich starkes Debüt.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Jöns Jönsson
Darsteller:Gunilla Röör; Hendrik Kraft; Elin Söderquist; Björn Andersson; Andreas Kundler; Sandra Huldt; Simon J. Berger; Inga Landgré
Drehbuch:Jöns Jönsson
Kamera:Johannes M.Louis
Schnitt:Stefan Oliveira-Pita
Webseite:wordpress.com;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:83 Minuten
Kinostart:09.10.2014
Verleih:missingFILMs
Produktion: BuntFilm Juretzka & Hering GbR, HFF "Konrad Wolf";
FSK:6
Förderer:MBB; Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Es ist erst ein halbes Jahr her, dass Magdalenas Tochter Sara sich das Leben genommen hat und noch immer ist die Mutter wie paralysiert. Sie hat sich in einem emotionalen Panzer zurückgezogen um sich mit ihren Gefühlen, vor allem den Schuldgefühlen, nicht auseinandersetzen zu müssen. Bis eines Tages Saras Exfreund vorbei kommt und Magdalena langsam beginnt, sich der Trauer und dem Abschied zu stellen.
Es ist kaum zu glauben, dass dieser intensive Spielfilm ein Debüt sein soll. LAMENTO ragt weit über das übliche Können hinaus, das bei Erstlingswerken erreicht wird. Die Schauspielerführung ist in jeder einzelnen Szene sicher, sei es bei der Inszenierung der einsamen Mutter, im Zusammenspiel mit den Angehörigen und ihrem sozialen Umfeld oder auch bei Szenen in der Öffentlichkeit. Die Kamera ist stets nah dran, die Blickwinkel sorgfältig gewählt, die Kamerafahrten unaufdringlich und äußerst präzise. Die Lichtführung ist tadellos, der vollkommene Verzicht auf einen Score verdeutlicht, auf welch hohem Niveau es dem Regisseur Jöns Jönssen gelungen ist, Stimmungen und Emotionen ganz ohne zusätzlichen Klangteppich zu erzeugen.
Neben der tadellosen handwerklichen Umsetzung ist auch das gewählte Thema beeindruckend. Sich als junger Mensch mit den inneren Problemen einer (Groß-)Mutter so gekonnt auseinander zu setzen, spricht für tiefes Einfühlungsvermögen und echtes Interesse am Thema.
Jönssen liefert ein vielschichtiges, den Zuschauer forderndes und bereicherndes Drama ab, das die begründete Hoffnung auf weitere beeindruckende Werke schürt.