Jesus Christus Erlöser

Kinostart: 13.10.11
2008
Filmplakat: Jesus Christus Erlöser

FBW-Pressetext

Eine Künstlerperformance der Extraklasse: 5.000 Besucher waren im November 1971 in die Deutschlandhalle gekommen, um Klaus Kinskis Interpretation vom Neuen Testament zu hören. Der Film ist ein faszinierendes Zeitdokument, das mit extrem reduzierten Mitteln eine äußerst intensive Wirkung entwickelt. Der Sog von Kinskis besonderer Diktion, seine rebellische, antikapitalistische Interpretation der Bibel in der Melange mit seiner Selbstinszenierung als Wahrheitsverkünder und Ankläger machen diesen Auftritt zu einer Provokation, die das Publikum im Saal aufheizt und sich schnell in einer rasenden Beschimpfungsorgie entlädt. Auch 40 Jahre später ein äußerst reizvolles Werk, das stark emotionalisiert.

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Peter Geyer
Darsteller:Klaus Kinski
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:84 Minuten
Kinostart:13.10.2011
Verleih:Salzgeber & Co.
Produktion: Klaus Kinski Productions, Kinski Productions, Peter Geyer
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Deutschlandhalle, Berlin, 20. November 1971. Ein Abend mit Klaus Kinski vor 5000 Zuschauern. Er rezitiert seinen eigenen Text Jesus Christus Erlöser, die „erregendste Geschichte der Menschheit. Das Leben von Jesus Christus als einen der furchtlosesten, freiesten, modernsten aller Menschen, der sich lieber massakrieren lässt, als lebendig mit den anderen zu verfaulen.“ Die Rezitation setzt ein mit einem Steckbrief: „Gesucht wird Jesus Christus...angeklagt...Verschwörung gegen die Staatsgewalt...Nationalität unbekannt. Decknamen: Menschensohn, Friedensbringer, Licht der Welt, Erlöser... Der Gesuchte ist ohne festen Wohnsitz. Der Gesuchte gehört keiner Partei an, auch nicht der Partei der Christen. Keiner Kirche...“ Die Szene gerät bald zum Eklat. Kinskis Text wird von Schmähungen und Häme einiger Zuschauer unterbrochen. Er wird provoziert und keilt zurück („Christus hat die Peitsche genommen... Wehe Euch Priestern...“). Es folgt bis 2 Uhr nachts der stundenlange Versuch des Schauspielers, seinen Text sprechen zu dürfen.

Ein faszinierendes filmisches Zeitdokument, zum ersten Mal so seh- und nacherlebbar. Wir erleben eine einzigartige doppelte Provokation. Zum Ersten Klaus Kinskis Jesus-Interpretation: „Ich bin nicht der offizielle Kirchen-Christus... Ich habe Eure ganze Show und Rituale satt.“ Jesus als Aufwiegler, als Rebell, als Aufschrei. „Ich will die Gequälten erlösen.“ Die Erlösung verstanden als antikirchliche Replik, als antikapitalistisches Manifest.

Zum Zweiten: Kinskis Identifikation mit dieser Christusversion, seine Inszenierung als Wahrheitsverkünder, als Ankläger. Beide Elemente formen sich zu einem äußerst intensiven Vorgang, der nie gleichgültig oder gar kalt lässt, der selbst wieder Emotionen und Reaktionen auslöst. So bleibt die heutige Faszination dieses Dokuments eben nicht auf eine noch so kostbare Erinnerung reduziert. Die Aktualität des Textes, der sinnlich wahrzunehmende und mitreißende Kampf um seine Vermittlung schaffen eine neue Suggestion.