Im Himmel kotzt man nicht

Filmplakat: Im Himmel kotzt man nicht

FBW-Pressetext

Einen Tag lang machen, was man sich nur wünschen kann. Das wollen sich Karin und ihre Tochter Klara gegenseitig erfüllen. Und so tollen sie in Kostümen quer durch die Stadt, spielen Klaras Lieblingsfilm nach, haben Spaß miteinander. Bis Klara immer stärker nach dem Himmel fragt. Und ins Schwimmbad möchte, obwohl Winter ist. Denn vielleicht gibt es ja keinen Sommer mehr. Auf sehr reduzierte und berührende Weise stellen Katja Benrath, Florian Hirschmann und Daniela Sandhofer in ihrem Film eine liebevolle Mutter-Tochter-Beziehung dar, die von einem schweren Schicksalsschlag erschüttert wird. Eine der beiden ist unheilbar krank und wird nicht mehr lange auf der Welt sein. Doch wer von beiden es ist, lässt der Film zunächst in der Schwebe. Mit ihrem stillen und prononcierten Spiel stellen Katja Benrath selbst und Elisabeth Thomashoff Mutter und Tochter in der ganzen Bandbreite von Verzweiflung bis hin zum Galgenhumor dar. Um jede gemeinsame Minute wird gekämpft, dabei begegnen sie ganz unaufgeregt und dennoch sehr berührend ihrem unaufhaltbaren Schicksal. Die filmischen Mittel, von der ruhigen Kameraführung bis hin zu der unaufdringlichen musikalischen Untermalung, unterstreichen die Stimmungen hervorragend und lassen den Zuschauer hinein in diese intime Welt der kleinen Familie, die Abschied nimmt. Ein authentischer, präzise und sensibel erzählter Film.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Es gibt viele Möglichkeiten, sich der Krankheit Krebs filmisch zu nähern. Prominent ist die Methode, die Emotionen des Zuschauers so stark wie möglich anzusprechen. Notwendig dafür ist die Trennung zwischen der an Krebs erkrankten Person und der Familie oder Freunden, die gesund sind und das Leiden der Hauptfigur aus dieser Perspektive betrachten können, ähnlich wie das Kinopublikum. Vor diesem Hintergrund haben Katja Benrath, Florian Hirschmann und Daniela Sandhofer enormes geleistet, denn in ihrem Kurzfilm bleibt in der Schwebe, welche der beiden Hauptfiguren, die Mutter oder ihr Kind, eigentlich krebskrank ist. Geschickt wird mit den Zeichen gespielt, anhand derer wir normalerweise einen an Krebs erkrankten Menschen erkennen zu können glauben. So wird etwa keine beiden Figuren ohne Kopfbedeckung gezeigt. Um den Zuschauer über den ganzen Film hinweg im Unklaren zu lassen, ist nahezu jede Einstellung sorgsam ausgewählt und komponiert. Aus den sehr gut geschriebenen Dialogen können wir ebenfalls nicht entnehmen, ob das Kind oder die Mutter krank ist. Dass dies gelingt, ist auch den überzeugenden schauspielerischen Leistungen zu verdanken. So gelingt dem Film eine wichtige Perspektive auf den Umgang mit der Krankheit: Mit dem Krebs zu leben ist sowohl für die erkrankte als auch für die gesunde Person eine Situation, in der eine existentielle Grenzerfahrung spürbar wird.