Gran Torino

Kinostart: 26.02.09
VÖ-Datum: 10.07.09
2008
Filmplakat: Gran Torino

FBW-Pressetext

Clint Eastwood spielt einen verbitterten, fremdenfeindlichen Kriegsveteranen, der in einem asiatisch geprägten Wohnviertel lebt. Konfrontiert mit seinen unerschrocken freundlichen Nachbarn beginnt er langsam seine Vorurteile zu überdenken und sich mit dem eigenen Leben auszusöhnen. Mit dieser heiteren und gleichzeitig ernsthaften Story um das Thema Rassismus und interkulturelle Konflikte fügt der Altmeister seinem Spätwerk noch eine weitere Facette hinzu. Diese differenzierte und ruhig angelegte Gesellschaftsstudie hinterlässt durch die kluge Umsetzung ihrer Botschaft einen tiefen Eindruck. Es ist nie zu spät, um sich zum Guten zu wandeln und dem moralischen Verfall und der Diskriminierung mit Humanität und Solidarität entgegenzutreten. Ein wichtiges gesellschaftliches Thema, packend in Szene gesetzt.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Clint Eastwood
Darsteller:Clint Eastwood; Bee Vang; Ahney Her; Christopher Carley
Drehbuch:Nick Schenk
Weblinks:warnerbros.de;
Länge:117 Minuten
Kinostart:26.02.2009
VÖ-Datum:10.07.2009
Verleih:Warner
Produktion: Warner Bros. Entertainment GmbH, Village Roadshow Pictures, Double Nickel Entertainment, Malpaso Produktion
FSK:12

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein amerikanischer Traum – ein amerikanisches Trauma. Beides widerspiegelt dieser Film von und mit Clint Eastwood.

Eastwood inszeniert Gran Torino mit sich in der Hauptrolle und es beeindruckt, ihn als großartigen Darsteller wieder, vielleicht wirklich zum letzten Male auf der Leinwand zu sehen. Als eigenbrötlerischer Rentner Walt Kowalski lebt er nach dem Tod seiner Frau allein in der verfallenden Vorstadt, allein im mehrfachen Sinne: Mit der eigenen Familie kommt er nicht zurecht, mit seinen näheren und entfernteren Nachbarn auch nicht. Er ist der einzige Amerikaner (an seinem Haus weht die amerikanische Flagge), umgeben vor allem, aber nicht nur, von Migranten des Hmong-Volkes aus Südostasien. Seine „Gefährten“ sind der Hund Daisy, der 1972er Gran Torino, den er noch selbst mit zusammengebaut hat und ganz wenige Bekannte aus vergangener Vorstadtzeit.

Die Erfahrungen aus den Jahrzehnten der Arbeit in der Autofabrik und die Erinnerungen an seinen Einsatz als Soldat im Koreakrieg prägen ihn und scheinen eine Änderung des konservativen Rassisten kaum zuzulassen.

Was macht diesen Film „besonders wertvoll“? 116 Minuten vergehen für den Betrachter so fließend, dass er niemals den Eindruck bekommt, es hätte etwas weggelassen werden können. Das liegt besonders an der Ökonomie des Szenenflusses, an der geglückten dramaturgischen Rhythmisierung.

Der Film lebt durch die Visualisierung von Kontrasten und Umkehrungen: Da ist zum Beispiel die kleine, in kurzen Szenen überzeugend charakterisierte Familie seines Sohnes Mitch, die nicht Walts Vorstellungen entspricht und da wohnt nebenan die Großfamilie aus Südostasien, mit der er auch nichts zu tun haben will. Die Kamera fängt dies hervorragend ein, wenn sie den Blick auf das Geburtstagsgeschenk (ein Telefon mit besonders großen Tasten) lenkt oder wenn Walt von oben herab auf den 16jährigen Thao aus dem Nachbarhaus schaut. Am Ende des Filmes gibt es dann eine andere Sicht!

Solche Wandlungen werden auch in den gelungenen Dialogen erlebbar. Herrlich sarkastisch, aber eben auch rassistisch die sprachlichen Begrüßungsrituale zwischen dem amerikanisch überheblichen Walt und seinem italienischen Friseur oder mit dem irischen Vorarbeiter! Großartig die beiden in Worten ähnlichen, aber die Rollen tauschenden Telefongespräche zwischen Walt und Mitch genauso wie die anfangs nahezu verhinderten und dann sich entfaltenden Gespräche zwischen Kowalski und dem Pater Janovich, der Walt zur Beichte bewegen soll und möchte.

Um Clint Eastwood herum ist bis in die kleinste Nebenrolle ein Ensemble gruppiert, das überzeugt. Besonders hervorzuheben: Christopher Carley in der Rolle des Pfarrers, der wie ein großes Kind wirkt und von Kowalski auch lange so behandelt wird. Das gilt in gleichem Maße für alle Darsteller der Hmong-Familien: für den Protagonisten Thao, dessen ältere Schwester Sue, für die Mutter und Großmutter bis hin zu den Mitgliedern der Gang. Interessant auch, dass der Film partiell mit deren Originalsprache arbeitet, ohne dass Untertitel erscheinen und dazu mit Hmong-Musik.

Fiktives und Authentisches, Symbolisches und Direktes, Musik aus verschiedenen Kulturen, Ruhe und Action, zu Erwartendes und Überraschendes bewirken in ihrer Verschmelzung einen filmästhetischen Genuss. Sie machen diesen Film besonders wertvoll.