Goethe!

Kinostart: 14.10.10
2010
Filmplakat: Goethe!

FBW-Pressetext

Der junge Goethe wird nach seinem erfolglosen Studium von seinem Vater in eine Rechtskanzlei geschickt, um dort Ordnung und Pflichtbewusstsein zu lernen. Doch Goethe hat anderes im Sinn: Er will dichten, mit Freunden feiern, Spaß haben und sich nicht in ein bürgerliches Korsett zwängen lassen. Dann tritt die charmante und quirlige Lotte in sein Leben. Hals über Kopf verlieben die beiden sich ineinander, doch dem Paar winkt wenig gemeinsames Glück. Philipp Stölzl schafft es in seiner Film-Biografie, die Sturm- und Drangjahre des jungen Goethe perfekt auf die Leinwand zu bringen. Als Vorlage dienen ihm hier nicht nur historische, sondern auch literarische Angaben aus dem Werk des Dichters. So tauchen immer wieder Zitate aus dem „Werther“ oder auch aus „Faust“ auf, die aber nie störend wirken. Die opulente Ausstattung passt wunderbar zu den großen Gefühlen, die alle Darsteller sehr gelöst und frei vermitteln, vor allem die Hauptfiguren zeigen ein enormes Maß an Spielfreude. Der Film ist ein Genuss für alle Sinne und man merkt: Die Kunstfigur Goethe kann noch heute begeistern.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Philipp Stölzl
Darsteller:Moritz Bleibtreu; Henry Hübchen; Alexander Fehling; Volker Bruch; Miriam Stein; Volker Klaussner
Drehbuch:Christoph Müller; Alexander Dydyna; Philipp Stölzl
Kamera:Kolja Brandt
Schnitt:Sven Budelmann
Musik:Ingo L. Frenzel
Webseite:goethe-derfilm.de;
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:105 Minuten
Kinostart:14.10.2010
Verleih:Warner
Produktion: Senator Film Produktion GmbH, Deutschfilm; Warner Bros. Filmproductions Germany; Seven Pictures
FSK:6
Förderer:FFA; MBB; FFF Bayern; Filmstiftung NRW; DFFF; FFHSH

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Philipp Stölzl gelingt mit GOETHE! eine äußerst moderne Annäherung. Denn der Film konzentriert sich auf die Zeit des noch sehr jungen Goethe, als er von einer Zukunft als Dichter nur träumt und nach Ansicht seines Vatrs Flausen im Kopf hat. Erste Versuche, einen Verleger für seinen "Götz von Berlichingen" zu finden, sind erfolglos. Sein Studentenleben genießt er dafür in vollen Zügen. Nachdem er bei der Doktorprüfung durchfällt, unterwirft er sich dem Willen des Vaters und nimmt eine Stellung als Referendar beim Reichskammergericht im provinziellen Wetzlar an. Dort verliebt er sich in Lotte Buff, die nach dem Tod der Mutter ihre sieben Geschwister versorgt. Seine Liebe wird erwidert, doch Lotte stimmt letztlich einer Vernunftehe mit Gerichtsrat Albert Kestner zu, um den Wunsch ihres Vaters zu erfüllen und die Zukunft ihrer Familie zu sichern. Goethes Freund Jerusalem, ebenfalls unglücklich verliebt und beruflich gemobbt, begeht Selbstmord. Nach einem Duell mit Kestner wird Goethe eingekerkert. In seiner Verzweifelung schreibt er das Drama "Werther", in dem er seine Erfahrungen verarbeitet, und ist nah daran, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Er schickt das Manuskript an Lotte, die dafür einen Verleger findet und so den Durchbruch von Goethe als großen Schriftsteller ermöglicht.

Der Film könnte neues Interesse am Stück "Die Leiden des jungen Werther" wecken und ermöglicht einen Blick zurück in die Zeiten des Sturm und Drang. Die Konfliktsituation des jungen Johann Goethe ist damit ebenso gut umschrieben. Stölzl hat sich mit der Produktion bewusst entschieden, die beiden Hauptrollen mit weniger bekannten Schauspielern zu besetzen. Alexander Fehling spielt den jungen, dynamischen Goethe, der um Anerkennung kämpft. Für Miriam Stein als Lotte ist es sogar ihr Kinodebüt, doch sie spielt mit faszinierender Natürlichkeit die Rolle einer Frau, die sich zwischen der Vernunftehe und der wahren Liebe entscheiden muss. Eine Regieleistung ist es, dass die beiden neben den prominenten Kollegen bestehen können. Insgesamt eine vortreffliche Ensembleleistung. Hervorzuheben sind hier Moritz Bleibtreu, Henry Hübchen, Burghart Klaußner und Volker Bruch.

Natürlich kann der Film die politische Dimension der „Sturm- und Drang“-Bewegung nicht historisch genau zeichnen. Doch mit zahlreichen Details gelingt es GOETHE!, ein Bild des 18. Jahrhunderts zu entwerfen. Dies gilt insbesondere im etwas heruntergekommenen Haus der Familie Buff, die einen Einblick in den damaligen Alltag ermöglicht, und in den labyrinthischen Korridoren des Gerichts, in dem zahlreiche Referendare die Akten mit Feder und Tinte abschreiben. Daneben stehen fantastische Landschaftsaufnahmen, die an Bilder der Romantik erinnern. Gelobt wurde die Kameraarbeit von Kolja Brandt, die neben den spektakulären Panoramen und viel Dynamik beispielsweise Szenen zeigen, die mit wenig Kerzenlicht auskommen und damit ein Gefühl für die Zeit und die damalige Dunkelheit vermitteln. All diese Elemente räumen mit dem angestaubten Image des Klassikers auf und machen GOETHE! zum richtig großen Kino.