Fliegen

Filmplakat: Fliegen

FBW-Pressetext

Der Warschauer Regisseur Piotr J. Lewandowski erzählt ein komplexes Stück deutscher Lebenswirklichkeit zwischen den Grenzen von West- und Osteuropa: Nachdem die ehrgeizige Filmemacherin Sarah den kleinkriminellen Dima für einen Beitrag interviewt hat, beginnen die beiden ein Verhältnis, welches den illegal in Berlin lebenden Russen jedoch nicht vor der Abschiebung bewahrt. Beispielhaft werden hier technische Mittel wie der „Film im Film“ eingesetzt, um in authentischen aber nicht weniger poetischen Bildern über das Gefühls- und Lebensgewirr der jungen Protagonisten zu berichten. In kürzester Zeit entsteht so eine konsequent auf den Punkt gebrachte, intensive Auseinandersetzung, die durch eine großartige darstellerische Leistung getragen wird. Große Kurzfilmkunst!
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Kurzfilm
Regie:Piotr J. Lewandowski
Darsteller:Sandra Hüller; Peter Moltzen; Jacob Matschenz; Oktay Özdemir
Drehbuch:Finn-Ole Heinrich; J. Oberländer
Länge:15 Minuten
Produktion: Carsten Strauch, Carsten Filmproduktion, Carsten Strauch Filmproduktion
FSK:16

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Studentin Sarah gelingt es Dima, den Protagonisten ihres Dokumentarfilms, zum aufrichtigen und ironisch gewürzten Sprechen zu bringen. Er schildert seine Lage als Immigrant, dem die Abschiebung droht. Beide verlieben sich ineinander und die seltsamen Worte der Eingangssequenz erfüllen sich mit erweitertem Sinn.

Überhaupt zählt die Sprache zu den Stärken des Films. Eine Fabel vom jungen und vom alten Löwen und die Metapher der Fliegen, auf die der Filmtitel sich bezieht, eröffnen semantische, Handlungsstrukturierende Dimensionen. Das mit russischem Akzent gesprochene Deutsch Dimas ähnelt der Lakonik, die man von Wladimir Kaminer kennt. Vor allem ist die herausragende darstellerische Leistung von Jacob Matschenz zu würdigen, der mit sympathischer Ausstrahlung, Energie, Witz und Spielfreude der kurzen Episode Vitalität verleiht.

Die Inszenierung zeigt, dass Piotr J. Lewandowski ein talentierter Filmregisseur ist. Sein Kurzfilm gewährt auf erfrischende Weise Einblick ins Milieu der Migranten und lässt Leidenschaften aufflammen, die archaische Konfliktmuster des Paarungsverhaltens kenntlich machen.