Festung

Kinostart: 29.11.12
VÖ-Datum: 21.06.13
2011
Filmplakat: Festung

FBW-Pressetext

Johanna ist 13 und das erste Mal verliebt. Doch wo andere Teenager diese Zeit unbeschwert genießen können, muss sie auf ihre kleine Schwester und ihre Mutter aufpassen und auch sich selbst vor einer Gefahr schützen, gegen die sie sich kaum wehren kann. Ein Familiengeheimnis wird seit vielen Jahren gehütet und auch der Zuschauer kommt ihm nur langsam auf die Spur. Denn keiner will und kann offen darüber reden. Der Film der finnischen Regisseurin Kirsi Liimatainen behandelt eine tragische familiäre Situation auf sensible und doch schonungslos offene Art und Weise. Die Perspektive der 13jährigen Johanna zwischen den Fronten ist hierbei klug gewählt. Elisa Essig spielt ihre Rolle als Heranwachsende im Übergang vom zarten Mädchen hin zur selbstbestimmten jungen Frau aufrichtig echt. Eine drastisch konsequente und dadurch tief berührende Studie der Verleugnung und Hilflosigkeit.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Kirsi Marie Liimatainen
Darsteller:Elisa Essig; Peter Lohmeyer; Karoline Herfurth; Ursina Lardi; Antonia Pankow
Drehbuch:Nicole Armbruster
Kamera:Christine A. Maier
Schnitt:Bettina Böhler; Sarah Levine
Musik:Matthias Petsche
Webseite:kordesfilm.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:88 Minuten
Kinostart:29.11.2012
VÖ-Datum:21.06.2013
Verleih:Farbfilm Verleih
Produktion: Kordesfilm GmbH & Co.KG
FSK:12
Förderer:MFG Baden-Württemberg

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

FESTUNG. Ein Filmtitel als geistiges Leitmotiv. Die Familie als Festung gegen Einblicke und das Eindringen der Außenwelt, als Fort mit Mauern, hinter denen sich familiäre Gewaltexzesse abspielen, seelische Verletzungen als Norm. Die Mauern stehen für Selbstbetrug und immerwährende Täuschungen, für Vertuschen und Verschweigen. Ein Schweigen, das zum Krankheitsherd wird. Eine Festung, in der permanente Überforderung neues Unheil gebiert.
Es ist ein strenger, illusionsloser Blick, den Autorin Nicole Armbruster und Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen auf diese Festung richten, hinter der sich ein familiäres Desaster vollzieht. Ihr Film soll den Zuschauer beunruhigen. Dabei entschieden sie sich konsequent für einen unbequemen künstlerischen Weg: Kein gefühlvolles Melodram, keine sentimentale Lektion im Gutmenschen-Ton. FESTUNG hat Lehrstück-Charakter. Wir sehen Skizzen eines sozialen und psychischen „Laborversuches". Filmszenen wie in einer experimentellen Anordnung, lakonische Momentaufnahmen der Krisensituation in einem unaufhaltsamen Prozess.
Ein Film der genauen und intensiven Beobachtung, der sich eben bewusst einer konventionellen Dramaturgie verweigert und der keine trügerische Beruhigung schafft. FESTUNG - das sind Skizzen einer menschlichen Landschaft voller Tristesse. Wenig Hoffnung, kaum Licht. Die romantische Landschafts- und Stadtkulisse wirkt dazu wie ein Trugbild. Ein ehrgeiziges Debüt also, weil es das Thema gegen den Strich bürstet, dem Zuschauer nicht vorschnell Brücken zur vorschnellen Beruhigung bauen will. Gut, dass für diese Haltung das „kleine Fernsehspiel" sich als Experimentierfeld anbot.
Fazit: Eine hoffnungsvolle Talentprobe, ein Versuch mit Entdeckungsmerkmalen.