Don't Come Knocking

Kinostart: 25.08.05
2005
Filmplakat: Don't Come Knocking

FBW-Pressetext

Mit der Reise in die Vergangenheit eines gebrochenen Helden beschwört Wenders abermals den Mythos Amerika in kraftvollen Bildern voller Symbolik, aber auch mit vielen Zwischentönen, die Ironie und Leichtigkeit vermitteln.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:Wim Wenders
Darsteller:Sam Shepard; Tim Roth; Jessica Lange
Drehbuch:Wim Wenders; Sam Shepard
Weblinks:filmsortiment.de; t-Come-Knocking-_-Wim-Wenders.html;
Länge:123 Minuten
Kinostart:25.08.2005
Verleih:Reverse Angle Pictures
Produktion: Reverse Angle Production GmbH, Reverse Angle International; Road Movies Filmproduktion;
FSK:6

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

„Die Comanchen sind einfach überall“, heißt es in Wim Wenders neuestem Film und dieser Western-Klischee-Satz ist eine hübsche Metapher für all die Pfeile, Stacheln und Dornen, deren Spalier ein Wenders-Film auf dem Weg zu Kritiker- und Publikumsgunst passieren muß. Wenders ist kein einfacher Regisseur. Er macht es sich nicht leicht, und auch nicht seinem Publikum. Seine Geschichten, sein Vokabular, seine Topoi, seine Interessen und sein Blick, das alles hat oft zuviel Kino-Nostalgie, zuviel unzeitgemäßes Fühlen, er ist und bleibt ein Romantiker auf der Suche nach der blauen Blume des Kinos. Das beinahe trotzige Pathos früherer Filme aber weicht nun einem sanften Humor: Wenders als Schöpfer eines tragikomischen Helden, als milde spöttischer Geschichtenerzähler mit Coolness genug für gelegentliche Selbstironie und für lakonisch „verschenkte“ große Bilder.
„Don’t Come Knocking“ überrascht - eine Lust am Dechiffrieren der Wenderschen Codes vorausgesetzt - mit einem Reichtum an Stilmitteln, Zitaten und Ebenen. Die Geschichte selbst scheint recht einfach: karriereüberdrüssiger Vater, ein Western-Darsteller, wirft hin, erfährt von einem Sohn, sucht und findet ihn und eine Tochter dazu, aber eine Familie gibt das noch lange nicht, auch kein Zuhause.
Unbehaust wie eine klassische Wenders-Figur, das ist Howard Spence, von Sam Shepard sich selbst auf den Leib geschrieben. Ein gutaussehender, männlicher Kerl, aber ein Charakter mit wenig Tiefe, ein dürftiger Mensch, der sich die Ohrfeige wahrlich verdient, die ihm die Mutter seines Sohnes auf einem um 30 Jahre verspäteten Heiratsantrag hin verpaßt. Als Beziehungsdrama braucht der Film beträchtlich Zeit, ehe er Fahrt aufnimmt, hat dann aber mit Jessica Lange als Doreen, aber auch mit Vater und Sohn und Tochter große, intensive Szenen. Ein aus dem Fenster geworfenes Sofa im Retrolook wird zu einem filmischen Ort, um den die Kamera beständig kreist und an dem die Irrfahrt endet. In einer simplen wie eindrücklichen Szene umfährt Sam Shepard mit dem Daumen die Krempe seines Westernhutes, so als würde er den Bogen seines Lebens zurückverfolgen. Eine Reise ins Nichts, ins Ungefähre, in das Unbehauste - aber da ist mehr Leichtigkeit als Tragik. Da ist Einverstandensein.
Viele Sprünge, Brüche, Splitter und Details, viele Wenders-Metaphern, viele wunderschöne Bilder (Kamera: Franz Lustig) prägen den Film. Da nächtigt der flüchtige Cowboy Sam Shepard romantisch mit seinem Pferd in einer Schlucht und eine kleine Rückfahrt zeigt die Highwaybrücke, über die nun ein Truck in der Morgendämmerung donnert. Dann führt sein Weg vorbei an einer großen Satellitenschüssel, die Siedlung aber ist fast verlassen. Da gibt es einen Boxkampf mit einem Videogegner, ein blau glitzerndes Casino, Neon in der Regenpfütze und Medien- und Zivilisationskritik. Da gibt es die großartige Eva Marie Saint als Mutter und Schlachtroß George Kennedy als Filmregisseur. Und da gibt es die stimmige Musik von T Bone Burnett, die dem Film Balladencharakter gibt. „He’s a lonely man...“, er ist ein einsamer Wenders-Held...