Diebe der Nacht

Kinostart: 24.04.97
1996
Filmplakat: Diebe der Nacht

Kurzbeschreibung

Nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders, eines Gangsters, nimmt sich ein Flic dessen Sohn an und beginnt ein Verhältnis mit dessen Geliebten. Ein düsteres Lebenskarussel beginnt sich zu drehen.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:André Téchiné
Darsteller:Daniel Auteuil; Catherine Deneuve; Laurence Côte
Drehbuch:André Téchiné
Kamera:Jeanne Lapoirie
Schnitt:Martine Giordano
Musik:Philippe Sarde
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:116 Minuten
Kinostart:24.04.1997
Verleih:Concorde
Produktion: Les Films Alain Sarde, Les Films Alain Sarde; TF1 Films Production/Rhònes-Alpes Cinéma, D.A. Films;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Mit dem Blick eines Kindes, mit der Perspektive des Nichtverstehens auf die brutale Erwachsenenwelt, beginnt diese vieldeutige Exkursion in die Abgründe der menschlichen Existenz. Und nach beinahe zwei Stunden, die um Vorgeschichte und Ereignisse einer tödlichen Nacht kreisen, nimmt der Film am Ende erneut jenen kindlich-schockierten Blick ein, dem nicht mehr viele Illusionen bleiben. Auf der Höhe seiner künstlerischen Schaffenskraft hat Regisseur André Téchiné alles gewagt und weit mehr als einen Genre-Film gedreht, hat dabei auch die abgezirkelten Zynismen des film noir gesprengt.

Der abgestumpft-stoische Polizist Alex könnte Camus' schwärzestem Existentialismus entsprungen sein und wird beklemmend authentisch von Daniel Auteuil dargestellt. Auch seine Familien-Bande professioneller Autodiebe, dazu die selbstzerstörerische junge Juliette (Laurence Cote) und ihre philosophielehrende Geliebte (Catherine Deneuve) sind komplexe Persönlichkeiten, wie das Kino sie nicht häufig sieht. Lakonisch und subtil entwickelt der intelligente Film mit vielfältigen Perspektivwechseln und Rückblenden eine ernüchterte Weltsicht - und erweitert als wahrhaft große Leistung gleichzeitig den Blick auf sie. Ein erwachsener Blick ist das, ein abgeklärter, der damit zu leben versucht, daß sich nicht alles klären läßt. Einfache Wahrheiten gewährt der lebenspralle Film nicht, und nie wird seine komplexe Geschichte linear. Erklärt wird längst nicht alles, weniger noch gerechtfertigt. Die Welt ist wie sie ist. Und immer geht das
Leben weiter als voraussehbar. Die Kälte mancher Herzen und ihre existentielle, unaufhebbare Einsamkeit entblättert dieser wahrheitssuchende Kriminalfilm: unerschrocken human, keine Figur verratend. Das macht sein Feuer aus. Lange brennt es nach.