Die Gräfin

Filmplakat: Die Gräfin

FBW-Pressetext

Mit ihrer zweiten Regiearbeit nimmt sich Julie Delpy der gruseligen und zugleich fesselnden Geschichte der legendenumwobenen Gräfin Erzébet Báthory an. „Die Zeit hat keinen Respekt vor dem Alter“, so fühlt die Gräfin den Verfall ihrer Schönheit mit jedem Tag der vergeht. Durch verlorenes Liebesglück verunsichert, verstrickt sie sich immer mehr in einem brutalen Wahn nach Jugend und Makellosigkeit. Delpy lässt den Zuschauer jedoch im Unklaren, ob der vielschichtig aufbereitete historische Stoff Mythos oder Wahrheit ist. Sie thematisiert damit auch die Frage nach der Macht der Herrschenden an der Überlieferung und eröffnet damit auf intelligente Weise eine weitere spannende Erzählebene. Delpys Film ist aber auch das faszinierende Porträt einer starken Persönlichkeit, die Opfer politischer Intrigen und Machtspiele wird, und so lotet Delpy auf eindrucksvolle Weise die Grenzen des Historienfilms neu aus. Ein Film, dem man sich nicht entziehen kann: Atemberaubend intensiv gespielt und opulent bis ins kleinste Detail ausgestattet.
Prädikat wertvoll

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Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama; Thriller; Geschichtsfilm; Romanze
Regie:Julie Delpy
Darsteller:Julie Delpy; Daniel Brühl; William Hurt; Anamaria Marinca
Drehbuch:Julie Delpy
Kamera:Martin Ruhe
Schnitt:Andrew Bird
Musik:Julie Delpy
Webseite:x-filme.de;
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:91 Minuten
Kinostart:25.06.2009
Verleih:X Verleih
Produktion: X Filme Creative Pool GmbH, X Filme International; Celluloid Dreams Productions;
FSK:12
Förderer:FFA; MBB; DFFF; MDM

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Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Ungarn zur Wende des 16. zum 17.Jahrhundert: Erzsébet Báthory, Spross einer uralten Adelsfamilie, wird von Jugend an zu Härte und Rücksichtslosigkeit erzogen – auch gegen sich selbst. Jung verheiratet mit Graf Nadasky und gesegnet mit drei Kindern oblag es ihr, über Vermögen und Ländereien zu herrschen, während ihr Ehemann als einziger Feldherr sich den anstürmenden Türken entgegen zu stellen vermochte. So wurde sie nach dessen Tod zur reichsten und mächtigsten Herrscherin des Landes, bei der sich sogar der König verschulden musste.
Erzsébet, für die Liebe bis dahin als Schwäche galt, verliebte sich unsterblich in den jungen Grafensohn Istvan, was ihr zum Verhängnis werden sollte. Sie wurde zum Opfer einer brutalen Intrige.
Über die Jahrhunderte spannen sich unzählige Geschichten und Gerüchte um die schöne Erzsébet. Ihr angeblicher Schönheits- und Jugendwahn machte sie zur legendären „Blutgräfin“, die sich im Blut von Jungfrauen badete, um nicht zu altern. Frankreichs Ikone Julie Delpy nimmt sich der „wahren“ Geschichte der Erzsébet Báthory an und zeichnet sich für Titelfigur, Regie, Drehbuch und sogar die Musik verantwortlich.
Ein Frauenfilm? Ja! So faszinierend kann nur eine Frau diese außergewöhnliche Geschichte erzählen. Und außergewöhnlich ist auch die von ihr festgelegte Dramaturgie. Während im Off, aus der Erzählperspektive des jungen Liebhabers Istvan, die so unglaubliche und grausame Geschichte als nicht bewiesene Legende erzählt wird („nur die Sieger erzählen“, „als mein Vater berichtete“, „es wird gesagt“, „Zeugen behaupten“ ), muss der Zuschauer drastische, ja erschreckend harte und blutige Bilder als offenbare Wahrheit hinnehmen. Was ist nun Legende, was ist Wahrheit? In dieser Gegenüberstellung vermischt sich Vieles, was beim Zuschauer Irritationen hervorruft, wie ein Teil der Jury argumentiert. Ein anderer Teil der Jury erkennt gerade hierin die besonderen Qualitäten. Julie Delpys Film ist ein sehr ambitioniertes, kunstvoll gestaltetes filmisches Werk, das besonders durch Delpys eigene darstellerische Leistung wie auch die ihrer Partner Daniel Brühl und William Hurt besticht. Ein Lob gilt auch den Leistungen von Kamera und Montage, dem sehr adäquat gewählten Tempo und in besonderem Maße auch der üppigen, äußerst gelungen Ausstattung, die trotz großer Schauwerte nicht aufdringlich wirkt.