Detroit

Kinostart: 23.11.17
2017
Filmplakat: Detroit

FBW-Pressetext

Sommer 1967 in Detroit. Immer stärker leidet die afroamerikanische Bevölkerung unter den rassistisch geprägten Anfeindungen, die ihr auch durch die Polizei entgegengebracht wird. Als bei einer Razzia eines Nachts eine Gruppe Afroamerikaner festgenommen wird, eskaliert die Situation, Steine fliegen. Noch versuchen Polizei und Gouverneur, die Situation zu beruhigen. Doch nach wenigen Stunden regiert das Chaos. Der Musiker Larry und sein bester Freund Fred merken, wie heikel die Lage ist und begeben sich in ein nahegelegenes Motel. Dann betritt die Polizei auf der Suche nach einem vermeintlichen Heckenschützen das Motel. Und wie für viele in der Stadt geht es nun auch für Larry und Fred nur noch darum, diese Nacht irgendwie zu überleben. Die Rassenunruhen im Jahr 1967 gehören mit über 40 Toten und fast 1200 Verletzten zu den brutalsten Unruhen in der US-Geschichte. Regisseurin Kathryn Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal erzählen in DETROIT auf ergreifende Weise die Geschichte dieser Unruhen anhand der Vorkommnisse im Algier Motel am 25. Juli 1967, als drei afroamerikanische Männer von der Polizei erschossen und viele andere brutal misshandelt wurden. Von den Anfängen der Unruhen, die der Film mit einer wackeligen Handkamera und schnellen Schnitten denkbar körperlich nah abbildet, bewegen sich Bigelow und Boal in die eingeschlossene und kammerspielartig inszenierte Bedrohungssituation im Hotel selbst. Die Figuren auf allen Seiten – Larry und Fred als unschuldige Opfer, ein Wachmann, der versucht, deeskalierend einzugreifen oder auch die von Herrenbewusstsein durchzogenen Polizisten – stehen stellvertretend für die einzelnen Positionen und erzeugen doch auch als Einzelschicksale ihre Wirkung. Das liegt auch an dem überzeugenden Cast, allen voran Algee Smith als Larry, John Boyega als Wachmann Dismukes, der an seiner Stellung zwischen den Stühlen verzweifelt, oder Will Poulter als Polizist, in dessen Gesicht sich all der unterdrückte weiße Rassenwahn spiegelt, der sich dank seiner ihm Macht verleihende Uniform offenbart. DETROIT erzählt seine Geschichte mit atemloser Spannung, die dank der dokumentarisch anmutenden Inszenierung auch für den Zuschauer keine Distanz zum Geschehen erlaubt. Bigelow gelingt es, einen ungeschminkten Blick auf ein Ereignis in der Vergangenheit zu werfen und gleichzeitig auf eine unbequeme Wahrheit im Hier und Jetzt aufmerksam zu machen. Denn das Ereignis selbst ist Geschichte. Die unterprivilegierte Situation der afroamerikanischen Bevölkerung jedoch ist noch heute Teil der US-Gegenwart. Das macht Kathryn Bigelows DETROIT nicht nur zu einem filmisch beeindruckenden, sondern auch zu einem politisch wichtigen Film.

Filminfos

Gattung:Drama; Thriller; Spielfilm
Regie:Kathryn Bigelow
Darsteller:John Boyega; Will Poulter; Algee Smith; Jacob Latimore; Jason Mitchell; Hannah Murray; John Krasinski; Jack Reynor; Kaitlyn Dever; Ben O'Toole
Drehbuch:Mark Boal
Kamera:Barry Ackroyd
Schnitt:William Goldenberg; Harry Yoon
Musik:James Newton Howard
Webseite:detroit-film.de; facebook.com;
Länge:144 Minuten
Kinostart:23.11.2017
Verleih:Concorde
Produktion: Annapurna Pictures, First Light Production; Page 1;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Dieser Film fesselt und macht zornig. In ihm wird zwar vom Amerika des Jahres 1967 erzählt, aber er ist politisch so aktuell wie nur wenige andere. Im Sommer 1967 kam es in amerikanischen Großstädten, vor allem in Detroit, zu Aufständen der afroamerikanischen Bewohner der Innenstädte, die sich im Laufe der Jahre immer mehr in Ghettos verwandelt haben. Zum Anfang des Films gibt Bigelow die Informationen, die nötig sind, um die Situation einzuschätzen, im Stil eines kleinen Animationsfilms. Dann zeigt sie, wie die Rebellionen in Detroit begannen, wie sich die Gewalt immer mehr ausweitet, wie die Polizisten unvorbereitet auf diese Krise sind und durch ihr Verhalten die Wut der Aufständischen anstacheln. Dass dieser Panoramablick auch eine Exposition der Hauptakteure auf beiden Seiten liefert, wird erst später im Film deutlich. Denn langsam fokussiert Bigelow auf einzelne Figuren. Darunter zwei Afroamerikaner, die darauf hoffen, dass ihre Soulband bei einem Konzert entdeckt wird und drei weiße Polizisten, die von ihren Vorurteilen geleitet bei ihrem Einsatz immer unberechenbarer werden. Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal gehen hier von einer wahren Geschichte aus, bei der die Gäste eines Hotels, von dem die Polizei glaubte, dass Schüsse auf sie daraus abgefeuert wurden, gefangen gehalten und brutal verhört wurden. Dabei gab es auch Tote. Wie es in der klaustrophobischen Enge des Hotels zu diesen Exzessen kommt, wie die Polizisten es offensichtlich genießen, dass all diese Menschen ihnen schutzlos ausgeliefert sind, wie die Angst ihrer Gefangenen immer mehr zunimmt und wie unterschiedlich sie dann auf diesen Druck reagieren (was zu einer Frage von Leben oder Tod wird) das zeigt der Film mit einer kompromisslosen Wucht, die oft schwer zu ertragen ist. Bigelow erzählt diese Geschichte zugleich spannend und hoch komplex. Es gelingt ihr, durch ihre realistische, sehr authentisch wirkende Inszenierung die Geschichte intensiv lebendig werden zu lassen. Dazu nutzt sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel (Kamera, das Casting der Darsteller, Ausstattung, Musik, Schnitt) mit einer Meisterschaft, die ihre Virtuosität nicht ausstellen muss. Alles dient dazu, die Geschichte so gut und wahrhaftig wie möglich zu erzählen, und dies gelingt grandios.