Des Teufels Kinder

Filmplakat: Des Teufels Kinder

FBW-Pressetext

Filmkunst der entgrenzten Exzesse: Die provokativ-feministische Animationsfilmerin, Dichterin, Performancekünstlerin und Professorin Mariola Brillowska widmet sich in ihrer Arbeit DES TEUFLES KINDER dem Konzept Familie und führt hierzu unterschiedliche literarische Texte zusammen. Als „Zukunftspräsidentin des Vereinigten Universums“ nimmt Brillowska den mutigen Zuschauer mit auf eine bizarre Reise von Lodz in Polen, nach Russland und Norwegen. Sie präsentiert ihm Geschichten von früh erwachender Sexualität, Gewalt und ambivalenten Formen der Lust. Erneut verteidigt die Filmemacherin ihren eigenwilligen Stil mit harten Geschützen: schreiend grelle Farben, irritierende Mischwesen aus Alien, Mensch und Tier sowie ein Überfluss an Informationen auf der Bild- und Tonebene. Grenzen zwischen Tabu, Wirklichkeit und Wunschfantasien verschwimmen in diesem Kosmos der Extreme ebenso unkontrollierbar, wie Traumsymbole mit Insignien der (NS-)Macht und des Satanismus zu einer brutal direkten Bildsprache voller Bezüge verschmelzen. Ein getriebenes und lautes Wahrnehmungsexperiment einer unangepassten Künstlerin.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Mariola Brillowska
Drehbuch:Mariola Brillowska
Kamera:Mariola Brillowska
Schnitt:Mariola Brillowska
Musik:Felix Kubin
Webseite:peterstockhausfilm.de;
Länge:67 Minuten
Kontakt:www.peterstockhausfilm.de
Produktion: Peter Stockhaus Filmproduktion GmbH Peter Stockhaus

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

„Das Modell der Familie ist längst überholt im alten Europa“, konstatiert die feministische Animationsfilmerin, Performancekünstlerin und Professorin Mariola Brillowska und begibt sich in ihrem animierten Episodenfilm DES TEUFELS KINDER auf eine provokante literarische Reise durch Europa auf der Suche nach Struktur und Zukunft der Familie im 21. Jahrhundert. Mehrere kurze Zeichentrickfilme erzählen Geschichten, in denen entweder das Kind, die Mutter oder beide Elternteile tragisch umkommen, meist sogar von den Kindern umgebracht werden. Die Kinder handeln vorsätzlich, um dem Unglück, dass ihnen angetan wurde, ein Ende zu setzen. Jede Episode spielt in der Originalsprache und in einem anderen Land Europas oder seiner Peripherie. Die Grundlage bilden Texte zeitgenössischer europäischer Autorinnen und Autoren – u.a. von Manuela Gretkowska (Polen), Orly Castel-Bloom (Israel), Eduard Limonow (Russland), Fernando Arrabal (Spanien), Matias Faldbakken (Norwegen), Sibylle Berg (Deutschland). Die Übergänge zwischen den Episoden werden von der Comicfigur Mariola Brillowska moderiert, die als Zukunftspräsidentin des Vereinigten Universums agiert.

Mehr als zehn Jahre hat die Künstlerin an dem Projekt gearbeitet und dabei unterschiedliche literarische Vorlagen zeichnerisch umgesetzt und in einer wahren Tour der Force zu einem Film verbunden. Der Episodencharakter bleibt gleichwohl erhalten und eine Landkarte zeigt die Stationen der Reise vom polnischen Lodz nach Israel, Finnland, Russland, Nordafrika, Norwegen und Deutschland. Die einzelnen Geschichten sind politisch und sexuell explizit und provokant und handeln von früh erwachender Sexualität, Erniedrigung, Gewalt, Tod und ambivalenten Formen der Lust. Der Zeichenstil steht dem in seiner Aggressivität in nichts nach. Er ist comichaft schrill in schreiend grellen Farben gehalten und zeigt irritierende Mischwesen aus Mensch, Tier und Alien. Die Grenzen zwischen Tabu, Wirklichkeit und Wunschfantasien verschwimmen in diesem Kosmos der Extreme unkontrollierbar. Rätselhafte Traumsymbole, Zeichen politischer Macht (von NS-Symbolen zu kommunistischen Insignien), satanistische Elemente und Komponenten der Popkultur verschmelzen in einer brutal direkten Bildsprache voller Bezüge.

Bild- und Tonebene in diesem Film sind ebenso kompakt wie kontrovers und liefern Informationen im Überfluss. Nicht allem kann und will man folgen, aber dem mutigen Zuschauer, der sich auf diesen Trip einlässt, bietet der Film ein Maß an Verstörung und Erkenntnis und ein Erlebnis, das noch lange nachhallt. Dabei ist die Rezeption des Films nicht unbedingt an traditionelle Kinovorführungen gebunden, sondern er eignet sich auch für offene Projektionssituationen, wie sie beispielsweise in Galerien gegeben sind.